Das Engwinkelglaukom ist eine Erkrankung, bei der es zu einem plötzlichen oder schleichenden Verschluss des sogenannten Kammerwinkels kommt. Das ist die Stelle im Auge, an der das Kammerwasser normalerweise aus dem Augeninneren abfließt. Ist dieser Abfluss blockiert, steigt der Augeninnendruck rasch und massiv an.
In der Folge wird der Sehnerv geschädigt, woraus dauerhafte Folgen für Ihre Sehfähigkeit entstehen können. Je nach Verlauf kann sich das Engwinkelglaukom akut, chronisch oder in wiederkehrenden Anfällen äußern.
Der Sehnerv kann durch eine frühzeitige Diagnose und gezielte Behandlung geschützt und eine drohende Erblindung verhindert werden.
Das Wichtigste in Kürze
- Definition: Ein Engwinkelglaukom entsteht durch eine Blockade des Kammerwinkels, was zu raschem Anstieg des Augeninnendrucks und Schädigung des Sehnervs führen kann.
- Symptome: Plötzliche starke Augen- und Kopfschmerzen, Sehstörungen (Halos, verschwommenes Sehen), Übelkeit/Erbrechen, harte und gerötete Augen, Lichtempfindlichkeit.
- Ursachen: Ein enger Kammerwinkel entsteht meist durch anatomische Veranlagung, altersbedingte Linsenvergrößerung, Medikamente mit pupillenerweiternder Wirkung, Dunkelheit, Entzündungen oder Tumore.
- Risikofaktoren: Ein erhöhtes Risiko besteht u. a. bei Weitsichtigkeit, asiatischer Herkunft, Frauen über 50 und familiärer Vorbelastung.
- Formen: Akut (gefährlichster Verlauf, erfordert sofortige Behandlung), intermittierend (wiederkehrend, oft unterschätzt), chronisch, sowie Neovaskularisationsglaukom durch krankhafte Gefäßneubildung.
- Diagnose, Behandlung & Prävention: Diagnose durch Augenuntersuchung inkl. Gonioskopie; Akutbehandlung mit drucksenkenden Medikamenten, Laser-Iridotomie oder Operation; regelmäßige Vorsorge und ggf. prophylaktische Laserbehandlung senken das Risiko deutlich.
Erste Anzeichen und Symptome eines Engwinkelglaukoms
Ein Engwinkelglaukom macht sich in der Regel deutlich bemerkbar. Sie können die Symptome oftmals von einem Moment auf den anderen sehr heftig wahrnehmen.
Viele Betroffene berichten über plötzliche, sehr starke Augen- und Kopfschmerzen, die oft nur einseitig auftreten. Hinzu kommen Sehstörungen, wie verschwommenes Sehen oder das Wahrnehmen von Regenbogenfarben rund um Lichtquellen (Halos).
Oft ist das mit Übelkeit und Erbrechen gepaart, sodass das Augenproblem zunächst fälschlicherweise als Migräne oder Magen-Darm-Infekt missinterpretiert wird.
Die betroffenen Augen fühlen sich bei leichtem Druck hart an, sind gerötet und sehr lichtempfindlich. Spätestens jetzt sollten Sie handeln, denn ein solcher Glaukomanfall ist ein Augenärztlicher Notfall.
Der Grüne Star (Glaukom) ist eine Augenerkrankung, bei der der Sehnerv meist durch einen erhöhten Augeninnendruck geschädigt wird. Unbehandelt kann sie zu einer fortschreitenden Einschränkung des Gesichtsfeldes bis hin zur Erblindung führen.
Ursachen eines Engwinkelglaukoms
Die Ursache des Engwinkelglaukoms liegt in der besonderen Anatomie des Auges.
Normalerweise fließt das Kammerwasser über den Kammerwinkel zwischen Hornhaut und Iris ab. Ist dieser Winkel jedoch zu eng, kann das Kammerwasser nicht mehr ungehindert abfließen. Der Grund für eine solche Verengung kann eine natürliche Veranlagung, altersbedingte Linsenvergrößerung oder andere strukturelle Veränderungen im Auge sein.
Zusätzliche Auslöser können bestimmte Medikamente sein, die eine Pupillenerweiterung bewirken. Solche Medikamente sind zum Beispiel:
- Antidepressiva
- Antihistaminika
- Mittel gegen Blasenbeschwerden
Auch Dunkelheit kann durch eine physiologische Pupillenerweiterung den Abflussmechanismus negativ beeinflussen. Entzündungen, Tumore oder Operationen im Augenbereich können ebenfalls die Anatomie so verändern, dass ein Engwinkelglaukom entsteht oder begünstigt wird.
Formen eines Engwinkelglaukoms
Das Engwinkelglaukom tritt in mehreren klinischen Formen auf, die sich hinsichtlich der Symptomatik und Dringlichkeit unterscheiden. Sie alle haben aber gemeinsam, dass eine Gefahr der Druckerhöhung im Auge besteht, die eine Schädigung des Sehnervs zur Folge hat.
Je nach Verlauf unterscheidet man zwischen akuten, intermittierenden und chronisch-progredienten Varianten.
Akutes Winkelblockglaukom (Glaukomanfall)
Das akute Winkelblockglaukom ist die gefährlichste Form des Engwinkelglaukoms. Hier steigt der Augeninnendruck innerhalb weniger Stunden extrem stark an. Ausgelöst wird diese Entwicklung meist durch eine plötzliche Blockade des Kammerwinkels.
Die Folge ist eine dramatische Verschlechterung des Sehens, begleitet von heftigen Schmerzen, Übelkeit und weiteren systemischen Symptomen. Der Sehnerv kann bei einem solchen Anfall bereits nach wenigen Stunden unwiederbringlich geschädigt sein.
In diesem Fall zählt jede Stunde. Nehmen Sie das akute Winkelblockglaukom unbedingt ernst, denn es ist ein augenärztlicher Notfall, der sofort behandelt werden muss.
Intermittierendes Winkelblockglaukom
Beim intermittierenden Winkelblockglaukom kommt es zu wiederkehrenden, kurzfristigen Blockaden des Kammerwinkels. Diese verlaufen häufig nur wenige Minuten oder Stunden und gehen mit leichten Beschwerden wie gelegentlichem Sehen von Halos, leichten Kopfschmerzen oder einem Druckgefühl im Auge einher.
Oft werden diese Symptome nicht ernst genommen oder als vorübergehende Unannehmlichkeit abgetan. Doch jede einzelne Episode kann Ihren Sehnerv schädigen. Zwar geschieht das schleichend, aber dauerhaft.
Wird ein intermittierendes Glaukom nicht erkannt und behandelt, droht der Übergang in ein chronisches oder sogar akutes Winkelblockglaukom.
Neovaskularisationsglaukom
Diese Sonderform entsteht nicht primär durch einen engen Kammerwinkel, sondern durch krankhafte Gefäßneubildungen im vorderen Augenabschnitt. Typischerweise bildet sie sich bei fortgeschrittenen Netzhauterkrankungen wie der diabetischen Retinopathie oder bei Gefäßverschlüssen.
Die neugebildeten Gefäße können den Kammerwinkel blockieren und so den Abfluss des Kammerwassers verhindern. Auch hier steigt der Augeninnendruck gefährlich an.
Ein Neovaskularisationsglaukom ist häufig therapieresistent und schwer zu kontrollieren. Deshalb ist eine frühzeitige Erkennung der zugrunde liegenden Netzhauterkrankung essenziell.
Wann ist ein Engwinkelglaukom ein medizinischer Notfall?
Ein Engwinkelglaukom wird zum Notfall, wenn es zu einem akuten Winkelblock kommt, also zum klassischen Glaukomanfall. In dieser Situation liegt eine vollständige Blockade des Kammerwinkels vor.
Das Kammerwasser kann nicht mehr abfließen, der Druck im Auge steigt rasant an. Bleibt eine sofortige Behandlung aus, ist innerhalb weniger Stunden eine irreversible Schädigung des Sehnervs zu befürchten.
Wenn Sie plötzlich sehr starke Augenschmerzen verspüren, die mit Sehstörungen, Übelkeit und Erbrechen einhergehen, sollten Sie keine Zeit verlieren. Suchen Sie umgehend einen Augenarzt oder eine augenärztliche Notfallambulanz auf, auch außerhalb regulärer Sprechzeiten.
Lassen Sie uns das gemeinsam angehen
Sie nehmen die Symptome eines Engwinkelglaukoms wahr und möchten sich untersuchen lassen? Dann zögern Sie nicht, uns zu kontaktieren. Wir beraten Sie gerne in unserer Praxis in Glattpark (Opfikon) im Kanton Zürich.

Welche Sofortmaßnahmen sollte man bei einem Glaukomanfall treffen?
Im Falle eines Glaukomanfalls zählt jede Minute. Zögern Sie bitte nicht und nehmen Sie Ihre Beschwerden ernst. Suchen Sie umgehend eine augenärztliche Notfallversorgung auf. Wenn möglich, informieren Sie den behandelnden Arzt bereits telefonisch über Ihre Symptome, damit die entsprechenden Sofortmaßnahmen vorbereitet werden können.
Verzichten Sie auf Selbstmedikation, insbesondere auf Medikamente zur Pupillenerweiterung oder Schmerzmittel, die die Situation verschlechtern könnten. In manchen Fällen kann bereits ein Notarzt hinzugezogen werden, um eine erste medikamentöse Drucksenkung einzuleiten.
Der Sehnerv kann sich von einem Glaukomanfall nicht mehr erholen, aber Sie können ihn schützen, wenn Sie rasch reagieren.
Wie wird ein Engwinkelglaukom diagnostiziert?
Die Diagnose eines Engwinkelglaukoms erfolgt durch eine umfassende augenärztliche Untersuchung. Zunächst wird der Augeninnendruck gemessen, allerdings reicht ein erhöhter Wert allein nicht aus. Die Beurteilung des Kammerwinkels, die mittels Gonioskopie durchgeführt wird, ist deutlich relevanter. Dabei setzt der Augenarzt eine spezielle Kontaktlinse mit Spiegel ein, um den Kammerwinkel direkt einsehen zu können.
Zusätzlich liefert die Spaltlampenuntersuchung wertvolle Hinweise auf strukturelle Veränderungen im vorderen Augenabschnitt. Bildgebende Verfahren wie die optische Kohärenztomografie (OCT) oder die Ultraschallbiomikroskopie erlauben eine exakte Vermessung der Augenstruktur.
Eine Gesichtsfeldprüfung sowie die Beurteilung des Sehnervenkopfs runden die Diagnostik ab.
Wie wird ein Engwinkelglaukom behandelt?
Die Behandlung des Engwinkelglaukoms hängt von der akuten Situation und der zugrunde liegenden Ursache ab. In einer Notfallsituation ist das vorrangige Ziel, den Augeninnendruck schnellstmöglich zu senken. Gleichzeitig gilt es, langfristig eine erneute Druckerhöhung zu verhindern.
Arzneimittel
In der akuten Phase kommen drucksenkende Medikamente zum Einsatz. Das können Acetazolamid zur Reduktion der Kammerwasserproduktion oder osmotisch wirksame Mittel wie Mannitol zur Entlastung des Auges sein.
Zusätzlich werden Augentropfen eingesetzt, die den Abfluss verbessern oder die Pupille verengen, um die Iris vom Kammerwinkel wegzuziehen.
Operativ
Langfristig empfiehlt sich bei vielen Patienten ein operativer Eingriff. Oft passiert das in Form einer Linsenentfernung (Katarakt-Operation), die Platz schafft und den Kammerwinkel erweitert. In schweren Fällen wird eine sogenannte Filteroperation (Trabekulektomie) durchgeführt, bei der ein künstlicher Abfluss geschaffen wird.
Laser-Therapie
Eine häufig angewandte Methode ist die Laser-Iridotomie. Hierbei wird mit einem feinen Laserstrahl ein kleines Loch in die Iris eingebracht. Dieses wirkt wie ein Sicherheitsventil.
Das Kammerwasser kann durch die künstliche Öffnung abfließen, selbst wenn der Kammerwinkel blockiert ist. Dieser Eingriff ist schmerzfrei, risikoarm und kann in der Regel ambulant durchgeführt werden. Außerdem kann diese Methode auch präventiv an Ihrem zweiten, bislang symptomfreien Auge durchgeführt werden.
Wer ist besonders gefährdet?
Das Risiko, an einem Engwinkelglaukom zu erkranken, ist nicht bei jeder Person gleich. Besonders gefährdet sind Personen mit kleinen, engen Augen. Sie leiden häufig an Weitsichtigkeit. Auch Menschen asiatischer Herkunft, Frauen über 50 Jahre sowie Patienten mit familiärer Vorbelastung sind besonders betroffen. Weitere Risikofaktoren sind:
- eine natürliche Linsenvergrößerung im Alter
- bestimmte Allgemeinerkrankungen wie Diabetes
- die Einnahme bestimmter Medikamente, die eine Pupillenerweiterung hervorrufen
Wenn einer oder mehrere dieser Risikofaktoren auf Sie zutreffen, sollten Sie sich regelmäßig augenärztlich untersuchen lassen – am besten einmal jährlich ab dem 40. Lebensjahr.
Präventive Maßnahmen und Vorsorge
Ein Engwinkelglaukom ist in vielen Fällen vermeidbar. Die Voraussetzung ist jedoch eine frühzeitige Diagnose, weshalb Sie eine regelmäßige augenärztliche Vorsorgeuntersuchung beanspruchen sollten.
Durch sie lässt sich ein enger Kammerwinkel zuverlässig feststellen, noch bevor Symptome auftreten. Sollte bei Ihnen ein erhöhtes Risiko bestehen, kann eine prophylaktische Laser-Iridotomie durchgeführt werden, um einen Glaukomanfall zu verhindern.
Achten Sie bitte darauf, Ihren Augenarzt über alle Medikamente zu informieren, die Sie einnehmen. Nehmen Sie erste Warnsignale auf jeden Fall ernst, selbst wenn sie nur vorübergehend auftreten. Denn je früher ein Engwinkelglaukom erkannt wird, desto größer sind die Chancen, Ihr Sehvermögen dauerhaft zu erhalten.



