Augenerkrankungen - Augenheilkunde

Augenarzt Dr. Nagy Autor

Autor: Dr. med. (H) Richard Nagy, Facharzt für Augenheilkunde, FMH FEBO​

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Augenheilkunde: Lehrreiches zu einer der ältesten medizinischen Disziplinen

Der Begriff Augenheilkunde dürfte jedem geläufig sein. Das gesamte Spektrum an Themen, Funktionen und Methoden, die dieses Fachgebiet umfasst, ist jedoch nur wenigen Menschen bekannt. Was verbirgt sich also eigentlich genau hinter der Augenheilkunde, die in der medizinischen Fachsprache oftmals auch als Ophthalmologie, Ophthalmiatrie oder einfach nur als Augenmedizin bezeichnet wird?

Was ist die Augenheilkunde?: Begriffliche Klärung und Aufgabe

Bei der Augenheilkunde handelt es sich um eine der ältesten Teildisziplinen der Medizin, die sich mit allen, das Sehorgan betreffenden Aspekten befasst.

Der Fachbegriff Ophthalmologie beschreibt kurz und treffend, worum es in diesem medizinischen Fachbereich geht. Als Zusammensetzung aus den griechischen Wörtern „Ophthalmos“ für Auge und „logos“ für Wort steht er im übertragenen Sinne für die „Lehre vom Auge“. Das Fundament bildet dabei die Befassung mit dem Aufbau, der Funktionsweise sowie verschiedenen Erkrankungen und Störungen des Auges. Berücksichtigung finden ausserdem der Sehsinn sowie die sogenannten Anhangsorgane, die der Ernährung, dem Schutz und der Beweglichkeit des Auges dienen. Dazu zählen die Bindehaut, die Augenlider, die Augenmuskeln und der Tränenapparat.

Einen wichtigen Teil der Ophthalmologie bildet ausserdem die medizinische Behandlung, für die ein Facharzt für Augenheilkunde zuständig ist. Während dieser Spezialist in der Vergangenheit häufig als ‚Okulist‘ bezeichnet wurde, wird heute vornehmlich der Begriff Augenarzt bzw. Ophthalmologe verwendet.

Die Abgrenzung zu anderen Teildisziplinen erfolgt unter anderem anatomisch. Markante Stellen, die die Grenzen der Ophthalmologie bezeichnen, sind die hinteren Knochen der Augenhöhle sowie die vordere Lid- und Gesichtshaut. Aufgrund fortschrittlicher Untersuchungsmethoden, die eine genaue Einschätzung von Sehrinde und Sehbahn erlauben, erstreckt sich der ophthalmologische Zuständigkeitsbereich bis zur Schädelrückseite.

Die Ophthalmologie in Relation zu anderen medizinischen Disziplinen

Als medizinisches Fachgebiet steht die Augenheilkunde jedoch nicht allein. Vielmehr lassen sich enge Beziehungen zu anderen Disziplinen wie der Dermatologie, der Neurologie und der Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde feststellen. Entsprechend kann eine Diagnose einschliesslich der sich daraus ergebenden therapeutischen Massnahmen häufig nicht losgelöst von diesen Fachbereichen vorgenommen werden. Auch im umgekehrten Fall erweist sich die Ophthalmologie als nützlich, wenn es um die Bestimmung und Behandlung von allgemeinen Krankheiten geht, die auch das Auge betreffen. Aus diesem Grunde werden in der medizinischen Praxis oftmals ophthalmologische Befunde zurate gezogen, wenn es um die Diagnosestellung in den Fachbereichen Neurologie und Innere Medizin geht.

Hochwertige ophthalmologische Instrumente als Grundlage für eine präzise Diagnose

Um Krankheiten und Verletzungen am Auge sowie an den Anhangsorganen möglichst genau bestimmen zu können, bedarf es einer nach neuesten technologischen Errungenschaften und medizinischen Erkenntnissen entwickelten Ausstattung, auf deren fundamentalste Elemente im Folgenden kurz eingegangen werden soll.

  • Eines der wichtigsten augenärztlichen Untersuchungsgeräte ist die sogenannte Spaltlampe. Dabei handelt es sich um ein besonders starkes Stereomikroskop, das unter anderem mit Features zur optimierten Beleuchtung und Steuerung versehen ist. Diese ermöglichen gegebenenfalls unter Zuhilfenahme eines Kontaktglases die vergrösserte Darstellung der vorderen, mittleren und hinteren Augenabschnitte und damit im Idealfall ein rasches Erkennen selbst ‚versteckter‘ Beschwerden, Störungen sowie unvorteilhafter Veränderungen.
  • Mithilfe des sogenannten Perimeters wiederum lassen sich die Grenzen des Gesichtsfeldes und somit auch eventuelle diesbezügliche Ausfälle bestimmen.
  • Bei der Optischen Kohärenztomographie, kurz OCT genannt, handelt es sich um ein bildgebendes Verfahren, das eine detaillierte Schichtdarstellung des Glaskörpers, der Netzhaut, der Aderhaut sowie des vorderen Augenabschnittes ermöglicht.
  • Das sogenannte Refraktometer wiederum dient der Bestimmung der Brechungsverhältnisse der Augen.
  • Die Hornhauttopographie hat die möglichst exakte Darstellung der Form der Hornhaut zum Ziel. Das sogenannte Keratometer, auch Ophthalmometer genannt, kommt vor allem dann zum Einsatz, wenn es um die Bestimmung der Verläufe sowie der Oberflächenkrümmung der Cornea (Hornhaut) geht.
  • Fotografisch ablichten lässt sich die im hinteren Augenabschnitt befindliche Netzhaut mit der sogenannten Fundus- bzw. Netzhautkamera. Dieses Verfahren macht Sinn, wenn Augenprobleme bestimmt und potentielle krankhafte Veränderungen in diesem Bereich nachgewiesen und dokumentiert werden sollen.
  • Weitere essentielle Tests dienen unter anderem der Untersuchung der Augenbewegung. Dabei handelt es sich oftmals um einfache Aktivitäten wie Leseübungen sowie die Fixierung auf einen Punkt oder auf ein sich bewegendes Objekt.

Einige der wichtigsten Augenkrankheiten im Überblick

Die Liste der Beschwerden, die in das Fachgebiet eines Facharztes für Augenheilkunde gehören, ist lang. Im Folgenden sollen nur einige der das Auge betreffenden Krankheiten und Funktionsstörungen aufgeführt werden.

  • Erkrankungen der Augenlider und des Tränenapparates inklusive Tränendrüsen und Tränenwege: Beispiele sind die sogenannte Ptsosis bzw. Lidsenkung sowie Entzündungen, darunter Lidabszesse
  • Erkrankungen der Bindehaut, darunter Konjunktivitis und Bindehautriss
  • Verletzungen und Entzündungen der Lederhaut
  • Erkrankungen der Hornhaut, darunter Degenerationen, Entzündungen, Verätzungen und Verletzungen
  • Störungen des Tränenfilms wie das Trockene Auge
  • Erkrankungen der Iris (Regenbogenhaut): Beispiele sind Entzündungen wie die Iritis sowie Störungen der Pupille
  • Erkrankungen der Augenlinse wie Katarakte und Linsenluxation
  • Beeinträchtigungen des Glaskörpers beispielsweise in Form von Mouches volantes
  • Erkrankungen der Netzhaut, darunter Makuladegenerationen und Gefässverschlüsse
  • Krankheiten der Aderhaut
  • Funktionsstörungen der Augenmuskeln
  • Fehlsichtigkeiten, darunter Kurzsichtigkeit (Myopie), Weitsichtigkeit (Hyperopie), Hornhautverkrümmung (Astigmatismus bzw. Stabsichtigkeit) sowie Alterssichtigkeit (Presbyopie)

Das breite Spektrum der Behandlungen

Neben regelmässigen Vorsorgeuntersuchungen und allgemeinen Augenuntersuchungen inklusive Sehtest und individueller Beratung stehen dem Arzt weitere Tests und Verfahren zur Verfügung, um Augenleiden präzise bestimmen und letztendlich auch behandeln zu können.

In einem Satz ausgedrückt gehören dazu Augendruckmessungen, Untersuchungen des vorderen und hinteren Augensegmentes, Schieluntersuchungen, Schielbehandlungen sowie Augenoperationen.

Um nur einige Möglichkeiten des augenärztlichen Eingreifens bei verbreiteten Augenproblemen zu nennen:

  • Bei einer Netzhautablösung kommen als behandelnde Massnahmen eine Vitrektomie oder aber eindellende Operationen infrage.
  • Ischämiche Retiopathien können mithilfe von laser- oder kryotherapeutischen Verfahren behandelt werden.

Im Falle von okular bedingten Kopfzwangshaltungen sowie bei Erkrankungen wie Nystagmus und Schielen hat der Arzt die Wahl zwischen diversen Augenmuskeloperationen.

Messungen, Untersuchungen und diagnostische Verfahren in der Augenarztpraxis

Zusammengefasst gehören die folgenden Tests und Untersuchungen zu dem Arbeitsalltag eines Augenspezialisten:

  • Die Spaltlampenmikroskopie zur mikroskopischen Betrachtung der verschiedenen Augenabschnitte wurde ebenso wie die Perimetrie zur Gesichtsfeld-Untersuchung bereits angesprochen.
  • Die Tonomotrie beschreibt die Messung des Augeninnendrucks.
  • Im Rahmen der sogenannten Retinalen Gefässanalyse werden kleine Netzhautgefässe untersucht, um eventuell in anderen Organen stattfindende Gefässveränderungen nachzuweisen.
  • Die sogenannte Orthoptik dient der Überprüfung der Beweglichkeit und Stellung der Augen.
  • Eine Bestimmung der Sehschärfe erfolgt mithilfe der Visusprüfung.
  • Eventuelle Fehlsichtigkeiten lassen sich im Rahmen einer Refraktometrie feststellen.
  • Das Verfahren zur Untersuchung des sogenannten Kammerwinkels, der dem Abfluss von Kammerwasser dient, wird als Gonioskopie bezeichnet.
  • Bei der Fluoreszenzangiographie wiederum handelt es sich um ein Verfahren, das primär die Darstellung von Netzhautgefässen mithilfe von Fluorescein zum Ziel hat.
  • Die OCT (Optische Kohärenztomographie) wurde bereits angesprochen.
  • Die sogenannte Pachymetrie beschreibt die Messung der Hornhautdicke, die vor allem im Rahmen der Diagnosestellung des Grünen Stars (Glaukom) eine wichtige Rolle spielt.

Zusammengefasst beschäftigt sich die Augenheilkunde bzw. die Ophthalmologie mit der Bestimmung, Behandlung und Prävention von Augenerkrankungen. Um den Patienten nur die beste Beratung und Therapie zukommen zu lassen, bilden Themen wie die Entwicklung präventiver Massnahmen zur effektiven Vorbeugung von Augenkrankheiten, eine optimierte Diagnostik sowie innovative Behandlungsmethoden die Grundlage weiterführender Forschungsansätze.

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