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Dr. Richard Nagy

Dr. med. (H) Richard Nagy, Facharzt für Augenheilkunde FMH, FEBO. Die Fachartikel auf meiner Webseite entsprechen dem aktuellen Stand der Wissenschaft! Alle Quellen finden Sie am Ende das jeweiligen Artikels.
Augenfarbe

Wie entsteht eigentlich die Augenfarbe? Hat die Augenfarbe Auswirkungen auf das Sehvermögen? Diese und weitere Fragen werden in diesem Ratgeber beantwortet.

Das menschliche Auge

Die Iris kontrolliert den Lichteinfall in das Auge. Bei Helligkeit verengt sich die Iris und bei Dunkelheit dehnt sie sich aus. Dieser Mechanismus dient dazu, um mehr sehen zu können in unterschiedlichen Lichtverhältnissen. Die Technik hat sich hieran inspirieren lassen, jede Kamerablende funktioniert nach diesem Prinzip. Die Iris wird auch als Regenbogenhaut bezeichnet und ist aufgrund der Melanin-Einlagerung für die Augenfarbe verantwortlich.

Was ist Melanin?

Melanin gibt es im Körper reichlich, denn es ist für die Tönung der Haut verantwortlich und eben auch für die Haare sowie für die Augenfarbe. Je nachdem wie viel Melanin sich in die Zellen einlagert, ergibt sich daraus eine andere Farbe. In dunkler Haut, dunklen Haaren oder braunen Augen findet sich somit viel Melanin. Eine geringere Konzentration des Pigments sorgt dafür, dass die Augenfarbe zum Beispiel auch in grün oder blau erscheint.

Dementsprechend wäre es wohl ein Zufall, welche Augenfarbe sich bildet. Dem ist aber nicht so, denn es ist zu beobachten, wie Menschen aus dem Norden eher eine hellere Augenfarbe haben. Insbesondere wird nachgesagt, dass im Norden hauptsächlich die Augenfarbe blau dominiert und tatsächlich gibt es einen Zusammenhang mit der UV-Strahlung.

Melanin schützt nämlich vor UV-Strahlung, dies bedeutet, dass Menschen aus Ländern mit viel Sonneneinstrahlung somit meist braune Augen haben oder eine dunklere Haut. Somit resultieren blaue Augen dadurch, wenn sehr wenig Melanin in den Zellen enthalten ist.

Ein biologischer Nachteil sind die blauen Augen aber nicht, auch wenn sie im Vergleich schlechter vor der Sonne geschützt sind. Diese Personen können nämlich mehr Vitamin D produzieren, da eben weniger Melanin in den Körperzellen enthalten ist. In den nördlichen Breitengraden ist das ein grosser Vorteil. 

Wenn eine Person aus den nördlichen Breitengraden in ein anderes Land auswandert oder einen Urlaub plant, dann ist dieser Vorteil aber nicht mehr gegeben. Dann geht es darum, dass sich mehr vor der Sonne geschützt wird. Die Augen sollten in solchen Fällen mit einer Sonnenbrille geschützt werden, da es sonst zu irreversiblen Schäden kommen könnte.

Kann die Augenfarbe weitervererbt werden?

Es ist zu beobachten, dass viele hellhäutige Menschen mit blauen Augen auf die Welt kommen, aber mit der Zeit verändert sich die Augenfarbe nochmals. Das liegt daran, dass im Mutterleib die Iris noch hellblau ist und erst mit der Zeit ihre Färbung erhält. Das Pigment Melanin entwickelt sich erst im späteren Leben und benötigt auch Zeit, bis es in jeder Zelle vollständig eingelagert werden kann.

Tatsächlich wird die Augenfarbe auch weitervererbt, denn die endgültige Augenfarbe ist genetisch festgelegt. Die Augenfarbe ergibt sich dabei aus den beiden Elternteilen. Die äusseren Merkmale bilden sich aus nennen sich Phänotyp und alles, was innerhalb der Gene gespeichert ist, nennt sich Genotyp. Der Genotyp setzt sich zusammen aus den Erbinformationen von Mutter und Vater. Das bedeutet, wenn beide Elternteil die Augenfarbe blau haben, dann besteht der Genotyp für das Kind aus Blau/Blau.

Dasselbe gilt auch bei allen anderen Augenfarben, wobei einzelne Farben durchaus dominanter sein können, das ist im Fallbeispiel Blau ebenfalls der Fall. Genauso kann es auch vorkommen, dass das Kind die Augenfarbe Blau erhält, obwohl beide Elternteile über braune Augen verfügen.

Augen mit mehr als zwei Augenfarben

Innerhalb der Vererbung gibt es bestimmte Regeln, aber dennoch gibt es keine Möglichkeit, unbedingt die Augenfarbe oder andere Bestimmungen vorherzusehen. Die Weitergabe von Genen kann sich nämlich auch ändern.

Bei Albinismus gibt es so eine Ausnahme, denn die Augen sind in diesen Fällen weder blau noch braun, sondern rot. Das resultiert daraus, dass Albinos keinerlei Pigmente (Melanin) besitzen. Der Augenhintergrund ist nämlich rot und wenn sich keine Pigmente bilden, können die sich nicht auf die Regenbogenhaut „legen“.

Dann gibt es noch andere Ausnahmefälle, welche umso seltener sind. Hier legen sich unterschiedliche Pigmente in beiden Augen ab, wodurch diejenigen unterschiedlich gefärbten Augen haben. Sollte das störend sein, dann können getönte Kontaktlinsen Abhilfe schaffen. Wir Augenärzte bezeichnen dies als Iris-Heterochromie (Pigmentierungsstörung).

Relativ häufig entsteht bei Menschen die zentrale Heterochromie, dies beschreibt den Farbunterschied innerhalb eines Auges. In der Mitte der Iris haben sie einen anders gefärbten Ring. Die Augen können in der Nähe der Pupille somit gelblich sein und in den anderen Bereichen bläulich.

Medizinische Risiken

Augenfarben machen nur selten einen Unterschied im Sehvermögen aus, aber es wurde festgestellt, dass Augenfarben ein medizinisches Risiko hervorheben könnten. So wurde festgestellt, dass die blaue Augenfarbe mit einem erhöhten Risiko bezüglich Augenkrebses verbunden ist.

Es handelt sich dabei um das bösartige Melanom der Aderhaut, dieser Tumor ist eine Variante des Hautkrebses. Dieser entsteht durch UV-Strahlung. In Bezug auf das fehlende Melanin ist dies auch kaum verwunderlich. Generell ist UV-Licht eine grosse Gefahr für Menschen mit blauen Augen. Jedoch gibt es auch einen Vorteil: Menschen mit blauen Augen leiden seltener am Grauen Star.

Fazit zu den Augenfarben

Die Augenfarbe ist eines der Merkmale, welche uns einzigartig machen und vielleicht sogar einen Wiedererkennungswert schaffen. Es handelt sich um ein so wichtiges Merkmal, dass dieses sogar im Pass angegeben wird.

In jedem Falle gilt es, dass die Augen gesund gehalten werden und regelmässig kontrolliert werden sollten. Routinekontrollen sollten regelmässig stattfinden, um auch die Sehkraft bemessen zu können, sodass sich auch keine Risiken im Strassenverkehr ergeben.