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Dr. Richard Nagy

Dr. med. (H) Richard Nagy, Facharzt für Augenheilkunde FMH, FEBO. Die Fachartikel auf meiner Webseite entsprechen dem aktuellen Stand der Wissenschaft! Alle Quellen finden Sie am Ende das jeweiligen Artikels.
Anisokorie

Durch die Anpassung der Pupillengrösse kann gesteuert werden, wie viel Licht ins Auge zur Netzhaut fällt. Die Anisokorie beschreibt dabei den Unterschied im Durchmesser der Pupillen zwischen den beiden Augen. In kleinem Ausmass hat etwa 20 Prozent der gesunden Menschen eine solche Pupillendifferenz, dies hat jedoch meist pathologische Ursachen.

Was könnte die Ursache einer Anisokorie sein?

Zwischen Gehirn und den Muskeln findet eine Signalübertragung statt, welche die Pupillenreaktion steuert. Sollte dieser Vorgang gestört sein, dann kommt es zu einer Verkrampfung der Muskulatur oder einer einseitigen Lähmung. Dies führt insgesamt zu einer Anisokorie, dessen Auslöser folgende sein könnten:

  • Erhöhter Hirndruck: Krankheitsbedingt könnte zu viel Wasser in das Gehirn gelangen, dadurch steigt der Hirndruck und dies könnte eine Anisokorie auslösen. Ein erhöhter Hirndruck muss unbedingt behandelt werden, da hieraus sich irreversible Schäden auftreten könnten.
  • Schlaganfall: Eine der häufigsten Todesursachen in der Schweiz sind Schlaganfälle und diese entstehen durch eine unzureichende Durchblutung im Gehirn, da Gefässe entweder bluten oder verstopft sind. Bei einem Schlaganfall sterben Hirnzellen ab, weshalb so schnell wie möglich reagiert werden muss. In diesem Zusammenhang kann es auch zu einer Anisokorie kommen.
  • Erhöhter Augeninnendruck: Das Risiko für einen grünen Star (Glaukom) erhöht sich durch einen zu hohen Augeninndendruck. Dieser kann den Sehnerv schädigen.
  • Nervenschädigung: Das Horner-Syndrom lähmt den Augenmuskel, dies hat in der Regel immer Auswirkungen auf die Pupillen.
  • Hirntumor: Die Pupillenfunktion kann durch eine Krebserkrankung im Gehirn auch die Pupillenfunktion einschränken, da der Tumor Platz im Gehirn einnimmt, wodurch es zu diversen Störungen in den Verbindungen zwischen Auge und Gehirn kommen kann.
  • Hirnhautentzündung: Diese äußerst gefährliche Infektion muss unbedingt von einem Arzt behandelt werden, hierbei ist die Anisokorie ein Begleitsymptom.
  • Epilepsie: Wenn es zu einem epileptischen Anfall kommt, dann entsteht eine zeitlich begrenzte Entladung von Gehirnnervenzellen. Je nachdem welche Zellen im Körper betroffen sind, könnte der Körper anders reagieren. Die Augen sind zumeist davon auch betroffen und es kommt zur Entstehung einer Anisokorie.
  • Aneurysma: Aneurysmen treten für gewöhnlich durch Erkrankungen wie die Arteriosklerose auf oder durch Bluthochdruck und müssen operativ behandelt werden. Es handelt sich hierbei um eine Gefässerweiterung, welche auch die Gefässwand aufreissen kann. Hierbei kann auch das Auge betroffen sein.

Welche Arten von Anisokorie gibt es?

Insgesamt gibt es vier Hauptarten von Anisokorie:

  • Einfache Anisokorie
  • Pathologische Anisokorie
  • Mechanische Anisokorie
  • Pharmakologische Anisokorie

Einfache Anisokorie

Die einfache Anisokorie ist die häufigste Art, denn allein 20 Prozent der gesunden Weltbevölkerung hat eine solche Erkrankung, diese wirkt sich aber nicht nachteilig ist und gilt damit als harmlos. Es wird weiterhin normal auf Licht reagiert, jedoch ist die Pupillengrösse etwa einen Millimeter grösser oder kleiner. Die genaue Ursache dafür ist noch unbekannt und manchmal verschwindet diese auch wieder von selbst.

Pathologische Anisokorie

Es handelt sich bei der pathologischen Anisokorie um ungleiche Pupillen, welche aus einer Erkrankung stammen, so zum Beispiel durch das Horner-Syndrom, Iritis, einer tonische Adie-Pupille oder einer Lähmung des dritten Hirnnervs. Zusammengefasst entsteht diese zum Beispiel durch einen Schlaganfall, einer Augeninfektion oder durch ein Trauma.

Mechanische Anisokorie

Die mechanische Anisokorie ist auf eine Schädigung der Iris oder der Struktur zurückzuführen, dadurch resultieren die ungleichen Pupillengrössen. Die Ursachen dafür sind zum Beispiel Komplikationen bei einer Augen-OP, Augentraumata, akutes Spitzwinkelglaukom oder einer Entzündung wie zum Beispiel Uveitis und Iritis.

Es kann auch zu angeborenen Anomalien in der Struktur der Iris kommen, diese werden ebenfalls als mechanische Anisokorie angesehen:

  • Kolobom: Eine seit der Geburt vorhandene Lücke in der Iris, wodurch es zur „Katzenaugen-Optik“ kommt.
  • Aniridie: Vollständige oder teilweise Fehlen der Iris im Auge.
  • Ektopische Pupille: Erbliche Erkrankung, welche die Verschiebung der Pupille oder eine Dislokation der Linse verursacht.

Pharmakologische Anisokorie

Eine ungleiche Pupillengrösse kann aber genauso auch eine Nebenwirkung eines Medikaments sein, dies wird dann als pharmakologische Anisokorie bezeichnet. Unter anderem sind es zum Beispiel selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer, welche zur Behandlung von Depressionen eingesetzt werden.

Jedoch sind es meistens auch Medikamente, welche gegen Reisekrankheit, Übelkeit oder nach einer Chemotherapie eingesetzt werden. In der Packungsbeilage kann entnommen werden, ob auch das eigene Medikament wahrscheinlich zur Anisokorie führt.

Was tun bei Anisokorie?

Wenn bemerkt wird, dass die Pupillen ungleich gross sind, dann sollte sofort ein Augenarzt kontaktiert werden. Die Dringlichkeit erhöht sich, wenn folgende Symptome zusätzlich bemerkt werden:

  • Doppeltsehen
  • Hängendes Augenlid
  • Verlust der Sehkraft
  • Augenschmerzen
  • Kopfschmerzen
  • Nackenschmerzen

Wenn die Anisokorie gering ist, dann sollten die Pupillen nur eine minimale Abweichung haben, hierbei besteht kein Grund zur Sorge. Jedoch sollte auch in diesem Falle weiterhin der Arzt aufgesucht werden, damit geprüft werden kann, ob denn auch tatsächlich alles in Ordnung ist.

Sollte eine Anisokorie festgestellt sein, dann kann der Optiker nach photochromen Gläsern gefragt werden, diese verdunkeln nämlich bei Sonnenlicht automatisch und damit lindern sie auch die Lichtempfindlichkeit, wodurch die Augen vor schädlichen UV-Strahlen oder dem energiereichen Blaulicht geschützt werden.

Anisokorie: Diagnose und Behandlung

Die Anisokorie ist stets symptomlos, es kommt lediglich zu ungleichen Pupillengrössen. Ein Augenarzt wird daher zuerst Tests durchführen, um die Pupillenreaktion aufzuzeigen, diese Tests bleiben vom Patienten unbemerkt. Sollte eine Anisokorie bestehen, dann ist zu bemerken, dass die Pupillen sich langsamer weiten und entspannen als es bei gesunden der Fall ist.

An und für sich ist eine Anisokorie somit ungefährlich, allerdings müsste geprüft werden, ob die Anisokorie eventuell durch eine Erkrankung stammt. Bei der Therapie muss daher geklärt werden, welche Ursache die Anisokorie hat.

Die Behandlung erfolgt dann durch Augentropfen oder auch mit einer Operation. Fachspezialisten aus anderen medizinischen Gebieten müssten gegebenenfalls hinzugezogen werden, um zum Beispiel eine Epilepsie zu behandeln. Die Anisokorie verschwindet, sobald die eigentliche Ursache (Grunderkrankung) therapiert worden ist.