arteriitis temporalis

Wie gefährlich ist Arteriitis temporalis?

Hierbei geht es um Gefässentzündung grosser bis mittelgrosser arterieller Blutgefässe im Kopfbereich. Ganz allgemein spricht man bei entzündeten Gefässen von Vaskulitis. Die Arterie im Bereich der Schläfe heisst Arteria temporalis. Wenn sie sich entzündet hat, liegt eine Arteriitis temporalis vor, was manchmal auch als Morbus Horton oder Riesenzellarteriitis (RZA) bezeichnet wird, da es sich hierbei in der Tat um relativ grosse Blutgefässe (Arterien) handelt.

Die akute Erkrankung Riesenzellarteriitis (RZA) ist nicht nur schmerzhaft, sondern auch gefährlich, weil die Schläfenarterie unter anderem dafür zuständig ist, das Auge mit Sauerstoff zu versorgen. Ist dies durch einen Entzündungsprozess eingeschränkt, kann es zu Komplikationen, Sehstörungen und sogar zu Erblindung kommen. Die Erkrankung führt dazu, dass sich Zellen der Gefässwand vermehren und schliesslich das betroffene Gefäss verengen. Arteriitis temporalis bedeutet daher einen augenärztlichen Notfall.

Warum entzünden sich Blutgefässe überhaupt?

Von den Beinvenen zum Beispiel wissen wir, dass die Venenklappen meistens aus genetischen Gründen unzureichend oder gar nicht mehr funktionieren mit der Folge, dass der Rückfluss des Blutes nach oben in Richtung Herz praktisch nicht mehr möglich ist. Insbesondere bei längerem Stehen staut sich das Blut in den Beinvenen und toxische Stoffwechselprodukte können nicht mehr abtransportiert werden. Der Körper reagiert mit einer Entzündung der geradezu heissen Adern.

Die Ursache der Riesenzellarteriitis ist meistens eine Autoimmunerkrankung, das heisst, es sind unsere eigenen Zellen des Immunsystems, die körpereigene Blutgefässe angreifen und so Durchblutungsstörungen auslösen. Interessanterweise tritt Morbus Horton oftmals im Verbund mit Polymyalgia rheumatica auf, einer rheumatologischen Erkrankung, die durch Becken- und Schulterschmerzen gekennzeichnet ist. Ungefähr 50 Prozent der Patienten, die unter Polymyalgia leiden, entwickeln zusätzlich eine Arteriitis temporalis. Einige Arbeiten deuten darauf hin, dass die Erkrankung durch Viren wie Windpocken oder Ringelröteln, aber auch durch Bakterien wie Mycoplasma pneumoniae oder Chlamydien ausgelöst werden könnte.

Typische Symptome beziehungsweise Beschwerden

Wenn ein Auge nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird, kann es zu Sehstörungen bei Patienten kommen. Schon Wochen zuvor werden diese häufig durch Kopf- oder Nackenschmerzen angekündigt. Auch das Kauen kann in diesem Fall zu Schmerzen führen. Irgendwann tritt dann ein plötzlicher, akuter Visusabfall bis hin zu komplettem Sehverlust ein. Die häufigsten Symptome einer Arteriitis temporalis hier nochmals in der Kurzübersicht:

  • Pulsierende oder bohrende Kopfschmerzen im Schläfenbereich
  • Einseitige akute Sehminderung, die sich bis zum vollständigen Verlust der Sehfähigkeit ausweiten kann
  • Schmerzen beim Kauen
  • Schmerzen bei der Berührung einer oder beider Schläfen
  • Müdigkeit oder depressive Verstimmung
  • Nachtschweiss
  • Fieber
  • Gewichtsverlust
  • Doppelbilder zweitweise
  • Beschleunigte Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG)

Wie wird die Arteriitis temporalis diagnostiziert?

Bei den oben genannten Symptomen sollten Sie umgehend einen Facharzt für Augenheilkunde, Bei den oben genannten Symptomen sollten Sie umgehend einen Facharzt für Augenheilkunde, Nervenkrankheiten (Neurologe) oder für rheumatische Erkrankungen (Rheumatologe) ansprechen. Zunächst werden die Schläfenarterien hinsichtlich eines eventuellen Druckschmerzes und Verhärtungen geprüft.

Der Augenarzt wird sich mittels Fundoskopie den Augenhintergrund ansehen, um zum Beispiel einen möglichen Sehnervinfarkt (anteriore ischämische Optikusneuropathie) auszuschliessen. Darüber hinaus zeigen der Blut-Test und eine erhöhte Blutsenkungsgeschwindigkeit, ob es überhaupt Anzeichen für entzündliche Prozesse im Körper gibt.

Mit einer Ultraschall-Untersuchung (Dopplersonografie) der Schläfenarterien können entzündliche Veränderungen oder Verhärtungen direkt sichtbar beziehungsweise hörbar gemacht werden. In manchen Fällen muss sogar per Biopsie eine Gewebeprobe von der Schläfenarterie genommen werden, damit im Labor eine histologische Untersuchung der Gewebeschnitte erfolgen kann.

Gibt es bestimmte Risikofaktoren für Riesenzellarteriitis?

Ein höheres Alter spielt auf jeden Fall eine Rolle. Für Autoimmunerkrankungen ist es typisch, dass Frauen stärker als Männer betroffen sind. Bei bestehender Polymyalgie rheumatica ist das Risiko besonders stark erhöht.

Behandlung der Riesenzellarteriitis

Da es sich um einen Notfall handelt und Erblindungsgefahr besteht, muss sofort eine Therapie eingeleitet werden. Dazu wird ein venöser Zugang für einen Tropf mit hoch dosiertem Kortison gelegt. Das Ziel ist hierbei, den Entzündungsprozess unmittelbar zurückzufahren, um noch rechtzeitig ein Übergreifen auf das zweite Auge zu verhindern. Anschliessend wird die Kortisontherapie mit Tabletten fortgesetzt.

Eine neuere Therapie auf Basis von Tocilizumab

Tocilizumab ist der Name eines Arzneimittels auf der Grundlage monoklonaler Antikörper. Diese richten sich gegen die Rezeptoren des Immunbotenstoffs Interleukin-6 (IL-6), der dafür bekannt ist, dass er Entzündungen im Körper befördert. Insofern kann grundsätzlich auch eine Riesenzellarteriitis erfolgreich mit Tocilizumab behandelt werden.

Der Vorteil ist hierbei, dass dadurch die Dosierung von Kortisonpräparaten deutlich reduziert werden kann. Bei eher milden Krankheitsverläufen kann die Therapie nach wenigen Jahren beendet werden, ansonsten muss sich der Patient auf eine lebenslängliche Einnahme von Medikamenten einstellen.

Wenn Riesenzellarteriitis nicht behandelt wird

In diesen Fällen ist eine irreversible Erblindung die schreckliche Konsequenz, da die Entzündung sehr oft auf das zweite Auge übergreift. Es besteht die Gefahr, dass sich noch weitere Blutgefässe im Gehirn entzünden und es dadurch zu einem Schlaganfall beziehungsweise Hirninfarkt kommt.

Zusammenfassung

Bei einer Arteriitis temporalis handelt es sich meistens um eine Entzündung der Schläfenarterie, die bei Nichtbehandlung zur totalen Erblindung führen kann. Daher liegt in diesem Fall ein augenärztlicher Notfall vor. Erste Anzeichen dafür sind starke Kopfschmerzen insbesondere an einer Schläfe, die sich beim Kauen oder Drehen des Kopfes intensivieren. Neben Sehstörungen können auch unspezifische Symptome wie Abgeschlagenheit oder Fieber auftreten.

Die Behandlung erfolgt meistens mit einer hoch dosierten Kortisoninfusion und/oder entzündungshemmenden Antikörper-Präparaten. Verursacht wird die Erkrankung in der Regel durch Autoimmunreaktionen, die möglicherweise durch eine genetische Disposition ausgelöst werden. Aber auch negative Umwelteinflüsse können eine Rolle spielen. Diskutiert wird zudem, ob frühere Infektionen mit Windpocken oder Röteln ebenfalls an einer Entzündung der Schläfenarterie beteiligt sein könnten.

Die Diagnose stützt sich vor allem auf die typischen Symptome und wird unterstützt durch Ultraschalluntersuchungen und eine Magnetresonanz- oder Positronenemissionstomografie der Schlagadern. Darüber hinaus erfolgen mikroskopische Untersuchungen von Gewebeproben der Schläfen-Schlagader.

Hinsichtlich der Prognose lässt sich zusammenfassend sagen, dass mehr als 30 Prozent der Betroffenen ohne Therapie erblinden, während die Beschwerden bei einer frühen Diagnose oftmals vollständig verschwinden und es nur selten zu Rückfällen kommt. In manchen Fällen müssen die Patienten allerdings dauerhaft Medikamente einnehmen. Klare Empfehlungen darüber, wie der Erkrankung vorgebeugt werden kann, gibt es leider nicht.