Doppelbilder (Doppeltsehen): Ursachen und Therapien

Doppelbilder Hand

Unser Fachbeitrag behandelt die folgenden Themen:

  • Was ist eigentlich das Doppeltsehen?
  • Monokulare Diplopie: Doppelbilder auf einem Auge
  • Binokulare Diplopie
  • Ursachen des Doppeltsehens
  • Weitere wichtige Symptome
  • Diagnostik
  • Therapie, Verlauf und Prognose

Essentielles rund um die Sehstörung Diplopie (Doppelbilder)

Bei der sogenannten Diplopie (Doppeltsehen) handelt es sich um eine Sehstörung, die das Binokularsehen, sprich das Sehen mit beiden Augen in Mitleidenschaft zieht. 

Wie die Bezeichnung bereits vorschlägt nehmen die Betroffenen Doppelbilder wahr. Neben der daraus resultierenden Einschränkung des allgemeinen Sehvermögens ist auch die psychische Belastung, die mit diesem Phänomen einhergeht, enorm. 

Hilfe verspricht hier nur die umgehende Vorsprache beim Augenarzt, um der tieferliegenden Ursache auf den Grund zu gehen und somit schnellstmöglich mit einer gezielten Behandlung beginnen zu können. 

Dabei stellt sich dem Mediziner die Herausforderung, aus einer Fülle an potentiellen Auslösern, die im Einzelfall zutreffende Variante herauszufiltern.

Die folgenden Abschnitte dienen dem Versuch, Ihnen alle wesentlichen Informationen rund um das Phänomen „Doppeltsehen“ zu liefern. 

Dabei finden unter anderem mögliche Verursacher, diagnostische Verfahren, bewährte Behandlungsmethoden und viele andere in diesem Zusammenhang relevante Aspekte Berücksichtigung.

Die Diplopie kurz & knapp erklärt

Zu Beginn stellt sich natürlich zunächst einmal die Frage, was sich eigentlich genau hinter dem Doppeltsehen verbirgt. Zwar vermittelt die Bezeichnung bereits eine gewisse Vorstellung von den Beschwerden. Doch wie äussern sich diese genau und wie kommt es dazu?

Gehen wir einmal von dem Normalzustand aus. Ausschlaggebend ist hier, dass das Gehirn die von beiden Augen wahrgenommenen Sinneseindrücke in einem einzigen räumlichen Bild zusammenfasst. 

Kommt es bei diesem Prozess zu einer Störung, so werden diese Bilder in doppelter Ausführung wahrgenommen. Dies ist zumeist dann der Fall, wenn die Achsen des rechten und linken Auges nicht in dem vorgesehenen Verhältnis zueinander stehen. 

Ob es sich hierbei tatsächlich um den tieferen Grund handelt, kann mittels eines simplen Tests nachgeprüft werden: Wird ein Auge zugehalten, dann ist den Betroffenen in der Regel eine normale Wahrnehmung möglich.

Ob das Doppelbild in verkippter, vertikaler oder horizontaler Form in Erscheinung tritt, hängt von der jeweiligen Ursache sowie der Intensität der Beschwerden ab. Bereits an dieser Stelle ist darauf zu verweisen, dass die Liste der möglichen Ursachen lang ist.

Die verschiedenen Formen & damit einhergehende Ursachen des Doppeltsehens

Zusammengefasst handelt es sich bei der Diplopie also um die Wahrnehmung eines einzigen Gegenstandes in Form von zwei Bildern. 

Unterschieden wird dabei zwischen dem monokularen und dem binokularen Doppeltsehen. Zum besseren Verständnis soll im Folgenden etwas genauer auf beide Varianten eingegangen werden.

Das monokulare Doppeltsehen

Kommt es zu der Wahrnehmung von Doppelbildern, während lediglich ein Auge geöffnet ist, so spricht man in der Augenheilkunde vom monokularen Doppeltsehen. Dieses entsteht durch eine verzerrte Übertragung des Lichts auf die Retina (Netzhaut). 

Der Begriff „Doppeltsehen“ ist dahingehend irreführend, dass Bilder nicht nur in verdoppelter, sondern darüber hinaus in mehrfacher Fassung auftreten können. 

Dabei entspricht grundsätzlich eine Abbildung qualitativ dem jeweils wahrgenommenen Objekt, während die zweite sowie alle weitere Abbildungen in Schärfe und Kontrast eine mindere Qualität aufweisen und nicht selten leicht verschwommen sind.

Beispiele für Krankheitsbilder und Beschwerden, die mit einer monokularen Diplopie einhergehen sind der Graue Star, Pterygium, Keratokonus sowie Refraktionsfehler.

  • Bei einem Grauen Star, in der medizinischen Fachsprache auch Katarakt genannt, handelt es sich um eine Trübung der Augenlinse.
  • Der Begriff ‚Pterygium conjunctivae‘ beschreibt in der Augenheilkunde eine Wucherung des Bindehautgewebes, die sich bis auf die Hornhaut erstreckt.
  • Die Augenkrankheit Keratokonus wiederum führt zu einer zunehmenden Ausdünnung und kegelförmigen Verformung der Hornhaut des Auges.
  • Ist von einem nicht korrigierbaren Refraktionsfehler als potentielle Ursache die Rede, so handelt es sich zumeist um einen sogenannten Astigmatismus. Während sich hinter einem Refraktionsfehler eine unzureichende Bündelung von Lichtstrahlen auf der Netzhaut verbirgt, wird der Astigmatismus durch eine abnormale Krümmung der Hornhaut verursacht.
  • Weitere potentielle Auslöser für das monokulare Doppeltsehen sind eine verschobene Linse sowie auf der Netzhaut befindliche Narben.

Die binokulare Diplopie

Diese Form des Doppeltsehens tritt auf, wenn beide Augen geöffnet sind. Darüber hinaus machen sich die Beschwerden in der Regel erst bemerkbar, wenn die Augen stark in eine Richtung, sprich nach oben, unten, zur linken oder aber zur rechten Seite gedreht werden.

Sind das rechte und linke Auge nicht so aufeinander abgestimmt, dass sie denselben Gegenstand anvisieren, so verschmelzen die Sinneseindrücke nicht zu einem einheitlichen Ganzen. Vielmehr werden zwei Abbildungen wahrgenommen.

Wird ein Auge geschlossen, so ermöglicht dies hingegen, wie oben bereits angedeutet, eine normale Sicht ohne Doppelbilder.

Zu den Krankheitsbildern, die von binokularen Doppelbildern begleitet werden, zählen:

  • entzündliche Erkrankungen wie die Riesenzellarteriitis. Dabei handelt es sich um eine Vaskulitis (systemische Gefässentzündung), deren vorrangige Zielscheibe die Arteriae temporales, sprich die Schläfenarterien älterer Menschen sind.
  • Neurologische Erkrankungen wie die Myasthenia gravis, die eine belastungsabhängige Muskelschwäche beschreibt.
  • Augenmuskellähmungen, darunter die Abduzensparese, die durch eine Schädigung des 6. Hirnnervs zu einer Lähmung des Musculus rectus lateralis führt.

Ebenfalls in diese Kategorie gehört mit der sogenannten Trochlearisparese auch eine Verletzung des 4. Hirnnervs, die eine Lähmung des Musculusobliquus superiors nach sich zieht.

Die Okulomotoriusparese wiederum ist eine Störung des 3. Hirnnervs, die in einer vielschichtigen Beeinträchtigung von Wahrnehmungsfähigkeit und Augenbeweglichkeit resultiert.

  • Dekompensierendes Schielen: Bei diesen Formen des Strabismus handelt es sich um Störungen im Rahmen des gemeinsamen Sehens des rechten und linken Auges (Binokularsehen), die als dekompensierende Varianten oftmals erst bei Erwachsenen auftreten.

Die grosse Bandbreite potentieller Ursachen des Doppeltsehens im Überblick

Grundsätzlich können sämtliche Krankheiten, Beschwerden oder Verletzungen, die durch eine mechanische Beeinträchtigung der Augenbewegungen eine optimale Ausrichtung der Augen verhindern, für die Entstehung von Doppelbildern verantwortlich gemacht werden. 

Dazu zählen unter anderem Ablagerungen von abnormalem Gewebe in der Augenhöhle beispielsweise in Verbindung mit Morbus Basedow sowie eine Fraktur der Augenhöhle, die das Festklemmen eines Augenmuskels nach sich zieht.

Der Vollständigkeit halber soll hier der gesamte Katalog möglicher Auslöser inklusive bereits genannter Verursacher für das Auftreten von Doppelbildern aufgeführt werden:

  • Müdigkeit & Stress
  • Alkoholkonsum
  • Thrombosen
  • Durchblutungsstörungen
  • Schlaganfall
  • Strabismus (angeborenes Schielen)
  • Infektionen, darunter unter anderem Diphtherie und Meningitis
  • Entzündungen wie beispielsweise die Sehnervenentzündung sowie die Augenmuskelentzündung
  • Hirnnervenlähmungen (siehe oben)
  • Unfälle & Verletzungen im Kopfbereich, allen voran Schädelbasisfraktur und Blow-Out-Fraktur
  • Medikamente, Vergiftungen wie Botulismus bzw. Fleischvergiftung
  • Tumore, vor allem Hirn- und Augentumore
  • Polyneuropathie in Verbindung mit Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes mellitus
  • Nervenerkrankungen wie Mysthenia gravis und Multiple Sklerose

Angesichts der zum Teil ernsten Ursachen, die dem Phänomen des Doppeltsehens zugrunde liegen können, ist eine sofortige Kontrolle durch den Augenarzt anzuraten. 

Auf diese Weise lassen sich Beschwerden nicht nur rasch und zielgerichtet behandeln. Vielmehr profitieren Sie als betroffene Person auch auf seelischer Ebene von einer Abklärung der Symptomatik und finden im Idealfall wieder zu einem von Gesundheit, Wohlbefinden und allgemeiner Lebensqualität geprägten Dasein zurück.

Symptome als nicht zu ignorierende Warnsignale

In der Regel leiden Betroffene nicht nur unter Doppelbildern, zumal sich die auslösende Erkrankung durch eine Vielzahl an Krankheitszeichen bemerkbar macht. Beispiele sind:

  • ein Anschwellen der Augenlider
  • Schmerzen beim Bewegen der Augen
  • anhaltende Augenschmerzen
  • herabhängendes Oberlid (Ptose)
  • eingefallenes Auge
  • Hervortreten des Augapfels (Exophthalmus)
  • Vorstehen der Augen (Proptosis)
  • Verletzungen im Kopfbereich
  • Symptome, die auf eine Fehlfunktion des Nervensystems verweisen, darunter Kopfschmerzen, Probleme beim Sprechen, Verlust des Empfindens, Lähmung oder Schwächung

Leiden Sie unter einem oder mehreren dieser Krankheitszeichen, so ist Eile geboten. Suchen Sie im Idealfall die Notaufnahme auf und wenden Sie sich selbst, wenn es sich ‚lediglich‘ um Doppelbilder handelt, die nur kurzweilig auftreten, umgehend an einen Arzt.

Diagnosestellung: von der Anamnese bis hin zu bewährten bildgebenden Verfahren

Eine ausführliche Patientenbefragung (Anamnese), in der Aspekte wie Kranken- und Familiengeschichte, aktuelle Beschwerden etc. zur Sprache kommen, bildet das Fundament einer soliden Diagnose. 

Dabei wird auch auf die genaue Art der Doppelbilder sowie die Häufigkeit ihres Auftretens eingegangen. Ist beispielsweise nur ein Auge betroffen oder handelt es sich um beidseitige Beschwerden? 

Klingen sie in regelmässigen Abständen wieder ab oder ist ihr Verlauf konstanter Natur? Ergänzt wird die Anamnese um umfassende Untersuchungen der Augenbewegungen, die unter anderem in Zusammenarbeit mit qualifizierten Orthoptisten in der Sehschule erfolgen.

Im Anschluss werden sowohl Pupillenreaktion als auch Pupillengrösse einschlägigen Tests unterzogen. Bei Verdacht auf eine endokrine Orbitopathie (Erkrankung der Augenhöhle), Myasthenia gravis sowie andere neurologische Krankheitsbilder wird eventuell auch das Blut der Betroffenen kontrolliert. 

Den Abschluss bilden Verfahren wie die Computertomographie (CT) und die Magnetresonanztomographie (MRT). Diese dienen einer Bildgebung, die wiederum Abnormitäten nicht nur in der Augenhöhle, sondern auch im Gehirn, Schädel und in der Wirbelsäule erkenntlich macht.

Im Zentrum der Diagnosefindung steht jedoch eindeutig die Untersuchung der Augen. Mittels einer Spaltlampe und deren vergrössernden Eigenschaften werden die inneren Strukturen gründlich durchleuchtet

Als Einheit erleichtern die unterschiedlichen Untersuchungsergebnisse eine genaue Zuordnung der Beschwerden zu den möglicherweise als Auslöser fungierenden Grunderkrankungen. 

Kommt es beispielsweise in regelmässigen Abständen zum Doppeltsehen und lassen sich parallel dazu weitere Krankheitszeichen einer potentiellen Störung des Nervensystems feststellen, so ist die Wahrscheinlichkeit, dass diese auf Krankheitsbilder wie die Multiple Sklerose oder die Myasthenia gravis zurückzuführen sind, vergleichsweise hoch. 

Entsprechend werden hier Tests eingesetzt, die gezielt der Bestimmung dieser Grunderkrankung dienen.

Wird das Doppeltsehen hingegen von Symptomen wie Tränenfluss, Augenschmerzen, einem Hervorquellen der Augen sowie einer vergrösserten Schilddrüse begleitet, so folgt eine gezielte Untersuchung der Schilddrüse, um beispielsweise festzustellen, ob es sich bei der Grunderkrankung um Morbus Basedow handelt.

Wissenswertes zu Behandlung, Verlauf & Prognose

Im Idealfall verschwinden Doppelbilder von selbst. Wie bereits angesprochen empfiehlt sich dennoch eine vorsorgliche Rücksprache mit dem Augenarzt, um eventuell schwerwiegende Grunderkrankungen rechtzeitig zu erkennen und die erforderlichen Massnahmen einzuleiten. 

Werden keine ernsten Ursachen vermutet, so genügen oftmals regelmässige Kontrolluntersuchungen, die terminlich vom Arzt festgelegt werden und dazu dienen, potentielle Verbesserungen des Sehvermögens mitverfolgen bzw. im Bedarfsfall therapeutisch eingreifen zu können.

Abgesehen davon richtet sich die vom Arzt bestimmte Behandlungsmethode generell nach der festgestellten Ursache. Wird diese gezielt behandelt, so gehört auch das Symptom des Doppeltsehens mit etwas Glück schon bald der Vergangenheit an.

Tritt jedoch der gegenteilige Fall ein und bildet sich die Wahrnehmung von Doppelbildern selbst nach Ablauf von 9 bis 12 Monaten nicht zurück, so wird eine Prismenbrille eingesetzt. Handelt es sich um einen vergleichsweise grossen Schielwinkel, so hilft oftmals nur noch der operative Eingriff.

Ebenso wie die Art der Behandlung hängt auch die Prognose von der zugrunde liegenden Ursache ab. 

Wird beispielsweise ein Tumor festgestellt, so entscheidet in erster Linie der Behandlungserfolg dieser ernsten Grunderkrankung, ob die Betroffenen in Zukunft gute Chancen auf ein Sehen ohne Doppelbilder haben.

Abschliessend ist hier erneut der hohe Stellenwert zu betonen, den eine vorzeitige Diagnose und Behandlung für Krankheitsverlauf und Heilungschancen spielen.

Wenden Sie sich daher umgehend vertrauensvoll an Ihren Augenarzt in Opfikon bei Zürich Oerlikon. Denn neben modernsten Geräten und Hilfsmitteln der Augenheilkunde profitieren Sie hier auch von einer umfassenden Beratung über die bestmöglichen Methoden zur Linderung und Behandlung Ihrer Beschwerden.

Augenarzt Dr. Nagy Autor

Autor:
Dr. med. (H) Richard Nagy, Facharzt für Ophthalmologie, FMH, FEBO

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