Farbsehstörungen (Farbenblindheit)

Ishihara-Test

Hintergründe, Arten und Behandlungsoptionen

Farbsehstörungen führen dazu, dass bestimmte Farben nicht ausreichend wahrgenommen bzw. voneinander unterschieden werden können. Letzteres ist beispielsweise bei der sogenannten Grün- oder Rotblindheit der Fall. 

Ihren Ursprung haben diese Beschwerden, die für die Betroffenen oftmals in einer starken Beeinträchtigung der Lebensqualität resultieren, in einer Störung der Sehzellen.

Auf die möglichen Ursachen, die verschiedenen Varianten von Farbsehstörungen, ihre Symptomatik sowie eventuelle Massnahmen zur Korrektur und Wiederherstellung einer normalen Farberkennung soll in den folgenden Abschnitten eingegangen werden.

Farbenblindheit, Farbsehschwäche & Co.: Begriffsklärung und Differenzierung

Das wichtigste Kriterium für eine Farbsehstörung wurde bereits angesprochen: Die Betroffenen haben Schwierigkeiten bei der Farbwahrnehmung. Umgangssprachlich werden bei diesem Phänomen gleich mehrere Begriffe in einem Atemzug genannt. 

Jedoch unterscheidet die Fachwelt in erster Linie zwischen Farbenblindheit und Farbenschwachsichtigkeit. Als wichtigster Anhaltspunkt für die Differenzierung gilt hier die jeweils vorliegende Ausprägung der Beschwerden.

Bei sogenannten Farbsinnstörungen wie der Farbenschwachsichtigkeit werden Farben nur unzureichend wahrgenommen, bei einer Farbenblindheit hingegen, wie der Begriff bereits vorschlägt, gar nicht.

Ein Grossteil der Farbsehstörungen ist angeboren. Mit Blick auf die Geschlechterverteilung der Patienten zeigt sich deutlich, dass Männer weitaus häufiger betroffen sind.

Die verschiedenen Arten von Farbsehstörungen

Abgesehen von der bereits angesprochenen Farbsehschwäche ist auch die sogenannte Farbblindheit weit verbreitet. 

Zur besseren Einordnung wird hier zwischen drei Untergruppen, der Achromasie, der Monochromasie sowie der Dichromasie unterschieden, die in Bezug auf die Ausprägung sowie die Symptomatik voneinander abweichen.

Achromasie

Bei dieser Variante handelt es sich um eine vollkommene Farbenblindheit, die sich in der ausschliesslichen Wahrnehmung der Farben Schwarz, Weiss sowie mehrerer Grautöne niederschlägt.

Monochromasie

Bei der Monochromasie ist die Farbenblindheit nicht so stark ausgeprägt wie bei der Achromasie, jedoch sind die Betroffenen nur imstande, eine einzige Farbe deutlich wahrzunehmen.

Dichromasie

Auch bei der Dichromasie liegt keine vollständige Farbenblindheit vor. Vielmehr spricht man hier nicht von ungefähr von einem sogenannten Zweifarbensehen, äussert sich diese Augenkrankheit doch in erster Linie durch die Verwechslung zweier Farben. 

Je nachdem, welche Farben beteiligt sind, wird die vorliegende Dichromasie der Untergruppe Rotblindheit, Grünblindheit oder Blaublindheit zugeordnet.

  • Die Protanopie (Rotblindheit): Das Fehlen bestimmter Sinneszellen im Auge, die als L-Zapfen bezeichnet werden, führt zu der hier vorliegenden Variante der sogenannten Rot-Grün-Blindheit. Konkret bedeutet dies, dass die Betroffenen die Farbe Rot mit der Farbe Grün verwechseln.
  • Die Deuteranopie (Grünblindheit): Bei dem zweiten Typ der Rot-Grün-Blindheit wird das Fehlen der M-Zapfen für die Farbsehstörung verantwortlich gemacht. Da die Farbe Grün nicht wahrgenommen wird, wird diese mit der Farbe Rot verwechselt.
  • Die Tritanopie (Blaublindheit): Diese Form wird auch Blau-Gelb-Blindheit genannt, da das Fehlen der S-Zapfen eine Verwechslung der Farbe Blau mit der Farbe Gelb hervorruft.

Hinweis: Ergänzt wird dieses Trio um die sogenannte anomale Trichromasie, die eine Art Sonderform der Dichromasie darstellt, da kein Zapfen fehlt, jedoch bei einem ein falsches Spektrum nachgewiesen werden kann.

Das Resulat ist das sogenannte anomale Dreifarbensehen, das sich in der Regel nicht in einer Verwechslung der Farben, sondern in einer Farbenschwachsichtigkeit widerspiegelt. 

Auf den Punkt gebracht unterscheidet man zur Abgrenzung von den drei vorab genannten Varianten zwischen den folgenden Formen:

  • Die Protanomalie (Rotschwäche): Die Farbe Rot wird schlechter wahrgenommen als andere Farben.
  • Die Deuteranomalie (Grünschwäche): Die Farbe Grün lässt sich nur in geschwächter Ausprägung wahrnehmen.
  • Die Tritanomalie (Blauschwäche): Die Farbe Blau wird im Vergleich zu anderen Farben schlecht gesehen.

Hinweis: Zu einer Verwechslung der Farben wie im Falle der oben aufgeführten Farbenblindheit kann es in seltenen Fällen bei unvorteilhaften Bedingungen wie grundsätzlich eingeschränkten Lichtverhältnissen auch bei der Farbenschwachsichtigkeit kommen.

Die unterschiedlichen Zapfentypen und ihre Rolle bei der Farberkennung

Dass die Zapfen bei der korrekten Wahrnehmung und Unterscheidung der Farben offenbar eine unverzichtbare Aufgabe übernehmen, ist in dem vorangegangenen Absatz bereits angeklungen.

Verantwortlich sind die in den drei Zapfen befindlichen Farbpigmente, die nach der Reizung durch einfallende Lichtstrahlen im Gehirn für unterschiedliche Farbempfindungen sorgen. Dabei entscheidet die Wellenlänge der Lichtstrahlen über das Ausmass der Reizung.

Die in der Netzhaut des Auges befindlichen Zapfen fungieren also als Fotorezeptoren, die für die Farbunterscheidung zuständig sind. Im Einzelnen handelt es sich dabei um:

  • die L-Zapfen, auch ‚Long wavelength receptors‘ genannt, für lange Wellenlängen
  • die M-Zapfen bzw. ‚Medium wavelength receptors‘, für mittlere Wellenlängen und
  • die S-Zapfen für kurze Wellenlängen, im Englischen unter dem Begriff ‚Short wavelength receptors‘ bekannt.

Anmerkungen zur Häufigkeit und zu potentiellen Risikogruppen

  • Dass mehr Männer unter Farbsehstörungen bzw. Farbenblindheit leiden als Frauen, wurde bereits angesprochen.
  • Sehr selten kommmt es zu Störungen im Blaubereich sowie einer vollkommenen Farbenblindheit.
  • Bei rund 10 Prozent der Patienten mit Farbsehstörungen bzw. Farbenblindheit handelt es sich um eine Rotschwäche, bei 15 Prozent um eine Rotblindheit.
  • Etwa 25 Prozent haben mit einer Grünblindheit zu kämpfen, während sich die sogenannte Grünschwäche mit rund 50 Prozent der Fälle als die verbreitetste Form der Farbsehstörung erweist.

Ursachen: Angeborene und erworbene Formen von Farbsehstörungen

Zwar werden Farbsehstörungen in erster Linie auf eine geschlechtsgebundene Vererbung zurückgeführt, jedoch sind auch erworbene Varianten, die beispielsweise in Begleitung von Krankheiten oder Schäden der Retina (Netzhaut) oder des Nervus opticus (Sehnervs) auftreten, bekannt.

Die erworbene Form ist oftmals an einem reduzierten Gesichtsfeld für Farben erkennbar, das sowohl an nur einem Auge als auch beidseitig auftreten kann. In Verbindung mit der Augenkrankheit grauer Star (Katarakt) wird besonders häufig die Farbe Blau in geschwächter Form wahrgenommen.

Symptomatik: Wie sich eine Farbfehlsichtigkeit äussert

Die Anzeichen, die auf eine Farbsehstörung hindeuten, werden von mehreren Faktoren beeinflusst. Dazu zählen unter anderem die zugrundeliegende Ursache sowie die Form der Störung. 

Liegt eine Farbsehschwäche vor, so macht sich dies generell in dem Unvermögen, verschiedene Farben auseinanderzuhalten, bemerkbar.

Bei der Rot-Grün-Blindheit und der Grünschwäche beispielsweise werden grüne Töne als gräulich wahrgenommen. Leiden die Betroffenen unter einer Achromasie, sprich einer vollständigen Farbenblindheit, so können sie nur Unterschiede in Helligkeitsabstufungen erkennen.

Ergänzt werden diese Symptome um weitere Sehprobleme, wenn die Farbstörung beispielsweise durch eine Krankheit ausgelöst wurde.

Besonders häufig treten dabei Beschwerden wie eine verminderte Sehschärfe, eine erhöhte Lichtempfindlichkeit sowie eine grundsätzliche Gesichtsfeldverkleinerung auf.

Farbsehstörung Test

Die verschiedenen Methoden der Diagnosestellung

Um eine Farbsehstörung eindeutig bestimmen zu können, greift der Augenarzt nach einem klärenden Gespräch, dass der Schilderung der Beschwerden durch den Patienten dient, auf die sogenannten Isahara-Tafeln zurück. Dabei handelt es sich um Farbtafeln, anhand derer der Farbensinn der Betroffenen geprüft werden kann.

Vermag der Patient die auf den Tafeln befindlichen Zahlen, die sich aus unterschiedlichen Farbflecken zusammensetzen, nicht oder nur inkorrekt zu erkennen, so ergibt sich aus den fehlerhaft gelesenen Zahlenproben die jeweils vorliegende Art der Farbsehstörung.

Ebenfalls im Rahmen der Diagnosefindung von Farbsehstörungen eingesetzt wird das sogenannte Anomaloskop. Hierbei geht es um die korrekte Mischung von Farben mit dem Ziel, diese einem vorgegebenen Ton anzugleichen.

Der Patient sieht durch ein Rohr auf eine Prüfscheibe, deren eine Hälfte von eben dieser zu imitierenden Farbe bedeckt ist. Seine Aufgabe besteht nun darin, die noch farblose zweite Hälfte für das Mischen der Farben zu nutzen, die das gewünschte Farbergebnis erbringen.

Handelt es sich beispielsweise um die Farbe Gelb, so müssen die Farben Rot und Grün so gemischt werden, dass das Resultat möglichst genau mit dem als Vorlage fungierenden Gelbton übereinstimmt. 

Genaue Schlüsse auf die Art der Farbsehstörung lassen sich ziehen, wenn der Patient zu viel von einer der zur Option stehenden Farben verwendet.

Ein drittes Mittel, das die Diagnosestellung erleichtert, ist der sogenannte Farnsworth-Test, auch unter dem Begriff Panel-D-15-Test bekannt.

Hier besteht die Aufgabe des Patienten darin, 15 Farbproben in einer bestimmten Farbreihe anzuordnen. Kommt es in den unterschiedlichen Zonen des Farbkreises zu Verwechslungen, so lässt sich dieses sehr wahrscheinlich auf eine Farbsehstörung zurückführen. 

Bei einer Grünschwäche (Deuteranomalie) werden in der Regel Purpur und Blaugrün verwechselt. Patienten mit einer Rotsehschwäche (Protanomalie) hingegen haben Schwierigkeiten, zwischen Purpur und Blau zu unterscheiden.

Der Farnsworth-Test hat sich bei der Bestimmung von mittleren bis sehr ausgeprägten Farbsehstörungen bewährt.

Wissenswertes zur Therapie von Farbsehstörungen

Geht es um die einzuleitenden therapeutischen Schritte, so ist die Frage nach dem Ursprung der Beschwerden ausschlaggebend.

Handelt es sich um eine angeborene Farbsehstörung, so gibt es keine Möglichkeiten der Behandlung. In einigen Fällen können die Symptome jedoch gelindert werden. Bei einer Rot-Grünschwäche beispielsweise kann eine eigens zu diesem Zweck konstruierte Brille für ein farbintensiveres Bild sorgen.

Auch Beschwerden wie eine erhöhte Blendeempfindlichkeit, die vor allem in Verbindung mit einer vollständigen Farbenblindheit auftritt, können durch den Einsatz von starken, getönten Brillengläsern vermindert werden.

Wird die Farbsehstörung erworben und ist sie entsprechend auf eine andere Erkrankung, die beispielsweise den Sehnerv oder die Netzhaut in Mitleidenschaft zieht, zurückzuführen, so gilt es, gezielt diese Grunderkrankung zu behandeln.

Verlauf und Prognose

Die vererbte Variante ist von einem konstanten Verlauf gekennzeichnet. Eine Intensivierung der Symptome tritt folglich nicht ein. Zudem ist in Verbindung mit angeborenen Farbsehstörungen keine Beeinträchtigung anderer essentieller Aufgaben und Funktionen des Auges zu befürchten.

Aussagen zu Verlauf und Prognose lassen sich bei Farbsehstörungen, die aufgrund von Krankheiten entstanden sind, nur mit Blick auf die Grunderkrankung treffen.

Warum eine Abklärung durch den Augenarzt essentiell ist: ein Fazit

Im Vergleich zu vielen anderen Augenbeschwerden erscheinen Farbsehstörungen auf den ersten Blick vielleicht nicht als augenärztlicher Notfall, zumal sie ohne unangenehme Symptome wie Schmerzen, Rötungen und Entzündungen auftreten und langfristig keine grossen Risiken für die restliche Sehleistung darstellen.

Dennoch ist hier zu betonen, dass Sie sich bei den ersten Anzeichen einer Farbsehstörung möglichst schnell mit Ihrem Augenarzt in Verbindung setzen sollten. 

Zwar führt eine Verzögerung, so es sich nun denn um eine angeborene Variante handelt nicht zwangsläufig zu einer Verschlechterung Ihres Sehvermögens. Jedoch ist eine möglichst genaue Diagnosestellung in jedem Fall erforderlich, um möglicherweise ernstere Ursachen auszuschliessen.

Zudem vermag Ihnen nur Ihr Augenarzt wirkungsvolle Tipps mit auf den Weg zu geben, wie Sie in Zukunft mit der Einschränkung, die beispielsweise eine konstante, unheilbare Farbsehstörung mit sich bringt, umgehen können, ohne in Bezug auf Ihre Lebensqualität grössere Einbussen hinnehmen zu müssen.

Zu guter Letzt erweist sich eine möglichst rasche Diagnosestellung nicht nur in Bezug auf Ihr eigenes Wohlbefinden, sondern auch mit Blick auf die Sicherheit anderer als zwingend erforderlich. 

Arbeiten Sie beispielsweise als Lokomotivführer, Busfaher, Elektroniker oder Pilot, so können Einschränkungen in der Farberkennung fatale Folgen haben.

Wenden Sie sich daher nach Möglichkeit noch heute an Ihren Augenarzt in Zürich Opfikon, um bereits bestehende Symptome zu klären oder durch die Durchführung einschlägiger Farbtests einfach nur die Gewissheit zu haben, dass Ihre Fähigkeit, Farben wahrzunehmen, im normalen Bereich liegt.

Augenarzt Dr. Nagy Autor

Autor:
Dr. med. (H) Richard Nagy, Facharzt für Ophthalmologie, FMH, FEBO

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