Migräne: Ursachen, Symptome und neue Therapien

Augenarzt Dr. Nagy Autor

Autor: Dr. med. (H) Richard Nagy, Facharzt für Augenheilkunde, FMH FEBO​

Inhalt:

  • Was ist Migräne?
  • Die ersten Erfahrungen mit den Anfällen
  • Begriffserklärung, Häufigkeit und weitere wichtige Fakten
  • Akuter Migräneanfall
  • Ursachen, Auslöser und Trigger
  • Die verschiedenen Gesichter der krampfartigen Kopfschmerzen
  • Anamnese und Kopfschmerztagebuch
  • Behandlungsmethoden
  • Neues Medikament: Erenumab
  • Zusammenfassung
Migräne Kopfschmerzen

Haben Sie manchmal einseitige, pochende Kopfschmerzen? Sehen Sie vor den Kopfschmerzen einen verschwommenen Fleck mit beiden Augen? Sie könnten eine Migräne haben. Wir erklären Ihnen was Migräne ist und was Sie dagegen tun können!

Was ist eigentlich Migräne?

Auch in der Schweiz entwickelt sich Migräne zunehmend zu einer Volkskrankheit mit einer stetig wachsenden Anzahl Betroffener. Gegenwärtig wird davon ausgegangen, das bereits jede fünfte Person von den zum Teil unerträglichen Kopfschmerzen betroffen ist. Tendenz steigend. 

Kein Wunder also, dass mit der Krankheit und ihren Symptomen auch der Informationsbedarf zunimmt. Entsprechend versteht sich dieser Beitrag als kleiner Versuch, unter anderem Fragen nach der Entstehung, den Ursachen und den Behandlungsmöglichkeiten auf den Grund zu gehen.

Wenn der Schmerz überhand nimmt: erste Erfahrungen mit Migräneanfällen

Pulsierend, pochend, willkürlich, unberechenbar und heftig: So lauten nur einige der Attribute, die die in Intervallen auftretenden Migräneanfälle treffend beschreiben. 

Oftmals konzentriert sich der Schmerz nur auf eine Seite, jedoch besteht beständig die Gefahr einer Ausstrahlung auf andere Bereiche. 

In den meisten Fällen ist der Schmerz so heftig, dass Betroffene ihren gewohnten Aufgaben nicht mehr nachgehen können. Verstärkt wird der Zustand noch durch weitere Symptome, die sich unter anderem in einer besonderen Überempfindlichkeit gegenüber Ausseneinflüssen äussern. 

So können Geräusche und Gerüche jeglicher Art ebenso wie Licht zu Übelkeit und Erbrechen führen.

Hinzu kommen Faktoren, die als sogenannte Trigger fungieren, indem sie den Ausbruch eines Migräneanfalles initiieren. Allgemeingültige Regeln, die als Richtlinie für alle Betroffenen dienen können, scheint es bei der unangenehmen Kopfschmerzerkrankung noch nicht zu geben. 

Lediglich Anhaltspunkte und Erfahrungswerte weisen neuen Patienten den Weg, wie sie am besten mit ihrer Krankheit umgehen können.

Welche der möglichen Auslöser und Trigger im Einzelfall zum Tragen kommen, kann oftmals nur von den Patienten selbst in einem langen Prozess der Beobachtung und Bewusstwerdung festgestellt werden. 

Vergleichbares gilt für die unterschiedlichen Massnahmen der Linderung, auf die jeder einzelne Patient anders reagiert.

Begriffsklärung, Häufigkeit und weitere wichtige Fakten

Der Begriff Migräne, im Französischen ‚migraine‘ genannt, geht auf das mittellateinische Wort ‚hemigrania‘, das einen einseitigen Kopfschmerz beschreibt, zurück. 

Eine ähnliche Bedeutung schlägt das altgriechische Wort ‚hemi-kranion‘ vor, das übersetzt in etwa ‚halbe Gehirnschale, halbschädliger Schmerz, Migräne‘ lautet.

Auffällig ist, dass von der neurologischen Erkrankung etwa dreimal soviel Frauen wie Männer betroffen sind. In der Kindheits- und Jugendzeit hingegen leiden genauso viel Jungen wie Mädchen unter Migräne.

In der Medizin unterscheidet man zwischen primären und sekundären Kopfschmerzen. Letztere beschreiben Kopfschmerzen als Symptom bzw. Folge einer Erkrankung. Da bei der Migräne der Schmerz die Krankheit selbst ist, spricht man hier von primären Kopfschmerzen.

Für die Symptomatik und den Verlauf der hier zur Diskussion stehenden Kopfschmerzerkrankung ist vor allem die hohe Vielfalt charakteristisch. Entsprechend kann sich dieses Krankheitsbild in einer Fülle unterschiedlicher Erscheinungsformen und Krankheitszeichen niederschlagen.

Ein konstantes Element bei vielen Migräneanfällen ist sicherlich, dass diese häufig plötzlich und unerwartet auftreten und in regelmässigen Abständen wiederkehren. 

Auch die eingangs erwähnte Beschaffenheit der Schmerzen, die primär halbseitig auftreten und von pochender Natur sind, bleibt gleich. Weitere Symptome sind jedoch je nach Patient und Art der Erkrankung unterschiedlich ausgeprägt oder treten zum Teil gar nicht in Erscheinung.

Abgesehen von den bereits aufgeführten Krankheitszeichen wie Erbrechen, Geräusch- und Lichtempfindlichkeit kann es auch zu einer sogenannten Migräneaura kommen, Betroffen sind bis zu 20 Prozent aller Migränepatienten.

Die Migräneaura äussert sich in Form von dynamischen Wahrnehmungsstörungen. Besonders verbreitet ist die Beeinträchtigung der Sehleistung, die sich beispielsweise in einer Wahrnehmung von gezackten Linien oder einem beständigen Flackern vor den Augen niederschlagen kann.

Die unterschiedlichen Verlaufsformen der Migräneaura allein verdeutlichen einmal mehr die Vielgestaltigkeit der Kopfschmerzerkrankungen. Mehr zum Stichwort Migräneaura erfahren Sie weiter unten in dem Abschnitt ‚Migräne mit Aura‘.

Krampfartige Migräne

Migräneanfall akut: ein Überblick über die vier möglichen Phasen

Äussert sich ein Migräneanfall in Form eines klassischen Verlaufes?

Als Antwort auf die einleitende Frage ist diesem Kapitel ein klares Nein vorauszuschicken. Zwar lässt sich eine grobe Einteilung in verschiedene Phasen beobachten, diese kann jedoch von Person zu Person Schwankungen unterliegen. 

Unterschiede sind unter anderem in der Gewichtung der einzelnen Stadien, dem gesamten Verlauf sowie dem Auftreten bzw. vollständigen Ausbleiben von Symptomen festzustellen. Auch die Länge und Intensität der Migräneattacke kann bei jedem Patienten anders ausfallen.

Ein Migräneanfall lässt sich in verschiedene Phasen unterteilen. Jedoch ist auch hier darauf hinzuweisen, dass es dabei oftmals zu Abweichungen kommt und viele Patienten beispielsweise nur einen Teil der Phasen durchlaufen.

Die Prodomal- bzw. Vorbotenphase

Eher selten macht sich die Migräne durch sogenannte Vorboten bemerkbar. In Zahlen ausgedrückt durchläuft nur einer von drei Patienten die sogenannte Prodromalphase bzw. Vorbotenphase. 

Konkret kündigt sich diese etwa ein bis zwei Tage vor dem eigentlichen Migräneanfall in Form der sogenannten Prodromi bzw. Vorboten an. 

Dabei handelt es sich um Symptome, die gleichermassen bei jedem Betroffenen anders ausfallen können. Verdauungsstörungen, Müdigkeit und Abgeschlagenheit befallen besonders viele Patienten. 

Andere wiederum verspüren einen plötzlichen Heisshunger auf Schokolade oder andere Süssigkeiten. 

Eine erhöhte Reizbarkeit, Konzentrationsstörungen sowie eine zunehmende Überempfindlichkeit gegenüber Licht und Lärm zählen ebenfalls zu den häufig als Vorboten in der Prodomalphase agierenden Symptomen.

Die Auraphase

Von dem zweiten Stadium eines Migräneanfalles ist im Durchschnitt einer von fünf Patienten betroffen. 

Zu den primären Symptomen zählen die plötzlich auftretenden Sehstörungen oder andere Formen der Beeinträchtigung der Wahrnehmungsfähigkeit. Letztere können unter anderem Gefühle der Taubheit sowie ein undefinierbares Kribbeln im Gesicht, in den Beinen oder Armen umfassen. 

Auch Störungen des Geruchssinns, eine plötzliche Orientierungslosigkeit sowie Gleichgewichtsprobleme und Schwindel sind für die zweite Phase eines Migräneanfalles bezeichnend. 

Beeinträchtigungen auf visueller Ebene können sich in Form einer verschwommenen oder verzerrten Sicht oder einer Reduktion des Gesichtsfeldes äussern.

An dieser Stelle ist die Empfehlung auszusprechen, dass Sie bei länger anhaltenden Sehstörungen schnellstmöglich Ihren Augenarzt konsultieren sollten. 

Nur so lässt sich feststellen, ob es sich bei Ihren Beschwerden tatsächlich um ein Migräne-Symptom oder aber um eine zugrundeliegende Augenkrankheit handelt.

Die Auraphase erstreckt sich in den meisten Fällen auf maximal eine Stunde. Eines der auffälligen Merkmale in diesem Stadium besteht darin, dass sich die Symptome in diesem Zeitraum beständig wandeln können. 

Entsprechend können die genannten Beschwerden innerhalb der 60 Minuten an unterschiedlichen Körperstellen in Erscheinung treten und um weitere Symptome ergänzt werden.

Die Kopfschmerzphase

In der dritten Phase setzen nun endlich die Kopfschmerzen ein. Hier wird erneut deutlich, warum die Migräne als einseitiger Kopfschmerz bezeichnet wird. Schliesslich beschränkt sich der Schmerz bei zwei von drei Patienten auf eine Hälfte des Kopfes. 

Betroffen ist dabei primär die Region hinter Auge, Schläfe und Stirn. Zu den bereits genannten Symptomen, die den pulsierenden Schmerz ergänzen, allen voran Übelkeit, Schwindel und Erbrechen, kommen auch Appetitlosigkeit und eine erhöhte Lärm- und Lichtempfindlichkeit. 

Da selbst die kleinste Bewegung zu einer Verstärkung der Symptomatik führt, zählt neben der Wahl einer ruhigen und dunklen Umgebung auch das Einnehmen einer entspannten Liegeposition zu einer der ersten Massnahmen, die in dieser Phase Linderung versprechen.

Im Idealfall dauert dieses Stadium nur eine Stunde. Jedoch können sich die Kopfschmerzen auch über mehrere Stunden oder sogar Tage hinziehen. 

Bei einer chronischen Migräneerkrankung ist der Leidensdruck für die Betroffenen besonders hoch, da die Kopfschmerzen ohne Unterbrechung länger als drei Tage anhalten können.

Die Rückbildungsphase

Die vierte und letzte Phase ist, wie die Bezeichnung bereits vorschlägt, von einem langsamen Nachlassen der Symptome geprägt. Zeitlich werden für dieses Stadium maximal 24 Stunden angesetzt, bis der Migräneanfall vollständig abgeklungen ist. 

Im Anschluss an eine jener heftigen Kopfschmerzattacken, die ein Synonym für das Krankheitsbild der Migräne sind, leiden die Betroffenen zumeist unter Abgeschlagenheit, Erschöpfung und Müdigkeit. 

Daher kann es eine Weile dauern, bis sie wieder vollständig zu Kräften kommen und für die Anforderungen des Alltags ausreichend gewappnet sind.

Einseitige Kopfschmerzen

Ursachen, auslösende Faktoren, Trigger im Diskurs und neue Erkenntnisse

Geht es um Ursachen und Heilungschancen der Migräne, so müssen Forscher bis dato noch passen. Bekannt sind lediglich Massnahmen, die vorherrschende Symptome wie Kopfschmerzen und Übelkeit auf einem erträglichen Level halten. 

Entsprechend sind in diesem Abschnitt gegenwärtig primär auslösende Faktoren, die das Entstehen eines Migräneanfalles beschleunigen können, zu finden. Experten sprechen hier von sogenannten Triggern bzw. Schlüsselreizen. 

Dabei handelt es sich in erster Linie um Umweltfaktoren sowie unvorteilhafte Lebens- und Arbeitsgewohnheiten.

Genetische Faktoren

Gleichwohl es zu diesem Thema noch keine eindeutigen wissenschaftlichen Ergebnisse gibt, scheint die Kopfschmerzerkrankung vererbbar zu sein. 

Diese Vermutung ist auf die Beobachtung zurückzuführen, dass das Krankheitsbild oftmals in ein und derselben Familie über mehrere Generationen hinweg immer wieder auftaucht. 

Dabei scheinen sich bestimmte Formen von Genveränderungen auf die Erregbarkeit der Nerven auszuwirken bzw. hier zu Störungen zu führen, die wiederum die Entstehung einer Migräne verursachen oder zumindest begünstigen können. 

Betroffen sind dabei vor allem Familien, bei denen eine Migräne mit Aura zu finden ist.

Stress als Auslöser

Stress und Migräne ist ein Begriffspaar, das nach Ansicht von Forschern in diesem Kontext auch inhaltlich in engem Zusammenhang zu sehen ist. 

Dass stressintensive Phasen zu der Entstehung eines Migräneanfalles beitragen können, scheint dabei unbestritten. 

Schliesslich sorgt ein Zuviel an Anforderungen und ein Defizit an Schlaf und Entspannung unweigerlich für eine Schwächung des menschlichen Organismus und für eine gleichzeitige erhöhte Sensibilität und Anfälligkeit für zusätzliche negative Reize. 

Ein unregelmässiger Schlaf-Wach-Rhythmus, der entweder von einem Übermass oder aber einem Mangel an Schlaf geprägt ist, kann langfristig ebenfalls zu der Entstehung eines Migräneanfalles beitragen.

Exkurs Wochenendmigräne

Ein weiteres Beispiel für die Unberechenbarkeit dieser Krankheit ist die sogenannte Wochenendmigräne, von der die Betroffenen erst dann heimgesucht werden, wenn eigentlich wieder Ruhe in ihrem Arbeits- und Privatleben eingekehrt ist. 

Experten sprechen hier von einer Poststress-Entspannungsphase, die jedoch, wie die Erfahrung Betroffener bestätigt, keine Garantie für das Ausbleiben einer Kopfschmerzattacke ist.

Hormonelle Schwankungen: ein nicht zu unterschätzender Trigger bei Frauen

Bei weiblichen Patienten spielen zudem hormonelle Schwankungen eine wichtige Rolle. Besonders gefährdet scheinen Frauen zu sein, die sich entweder auf das Ende der lutealen Phase des Monatszyklus zubewegen oder sich in der einnahmefreien Zeit von empfängnisverhütenden oralen Kontrazeptiva befinden. 

Hormonpräparate, die primär für die Einnahme in den Wechseljahren bestimmt sind, werden von vielen betroffenen Frauen ebenfalls als Schlüsselreiz für einen Migräneanfall angesehen.

Lebens- und Genussmittel

Auch in diesem Abschnitt wird auf Erfahrungswerte von Betroffenen zurückgegriffen. Konkret bedeutet dies, dass rund zwei Drittel aller Menschen, die unter Migräneerkrankungen leiden, die heftigen Kopfschmerzattacken mit dem Verzehr bestimmter Speisen und Lebensmittel in Verbindung bringen.

Angeführt wird die Liste der Genuss- und Lebensmittel, die als Trigger für einen Migräneanfall identifiziert werden, unter anderem von Käse, Schokolade, Kaffee und Rotwein. 

Grundsätzlich können jedoch alle Lebensmittel, die Tyramin, Glutamat, Serotin und/oder Histamin enthalten, als Risikofaktor eingestuft werden.

Möchten Sie Ihren Körper optimal in seiner Funktionsweise unterstützen, so sollten Sie sich stattdessen für eine gesunde, vollwertige und nährstoffreiche Ernährungsweise entscheiden.

Sonstiges

Gefässerweiternde Arzneimittel, in der Medizin als Vasodilatoren bezeichnet, Wetterschwankungen und klimatische Veränderungen können ebenso wie Gerüche als Triggerfaktoren fungieren. 

Zumeist ist jedoch ein Zusammenspiel aus mehreren ungünstigen Faktoren für die Auslösung eines Migräneanfalles verantwortlich.

Stichwort Kopfschmerztagebuch

Zählen Sie zu der kontinuierlich wachsenden Gruppe Betroffener und möchten Sie den in Ihrem Fall dominierenden Schlüsselreizen auf den Grund gehen, so empfiehlt sich das Führen eines sogenannten Kopfschmerztagebuches. 

In diesem verzeichnen Sie ganz einfach, wann und in welchem Umfang es zu einem Migräneanfall kommt. 

Haben Sie sich beispielsweise kurz vor der schmerzhaften Attacke an einer Ihrer Lieblingsspeisen gütlich getan? Oder rauben Ihnen seit geraumer Zeit Stress und Anspannung den Schlaf? 

Nehmen Sie gegenwärtig keine Verhütungsmittel ein? Oder macht Ihnen das Wetter mit seinen beständig hohen Temperaturschwankungen zu schaffen?

Im Laufe der Zeit werden Sie anhand der regelmässigen Tagebucheinträge ein Muster erkennen, das den Migräneanfall in unmittelbaren Bezug zu äusseren Auslösern setzt. 

Haben Sie diese erst einmal identifiziert, so wird es Ihnen in Zukunft leichter fallen, die in Ihrem Fall verantwortlichen Trigger, seien es nun Genussmittel oder ein Mangel an Schlaf, zu meiden oder im Bedarfsfall für einen adäquaten Ausgleich zu sorgen und in Bezug auf andere äussere Schlüsselreize entsprechende Vorsorgemassnahmen zu treffen.

Krampfartige Kopfschmerzen

Die verschiedenen Gesichter einer Migräne

Möchte man bezüglich der Symptomatik der Migräne eine etwas genauere Klassifizierung vornehmen, so ist ein Blick auf die unterschiedlichen Gestalten, in der sich dieses Krankheitsbild zeigen kann, unausweichlich.

Auf den Punkt gebracht unterscheidet man zwischen den im Folgenden aufgelisteten Varianten:

  • Migräne mit Aura
  • Migräne ohne Aura
  • Augenmigräne
  • retinale Migräne
  • ophthalmoplegische Migräne
  • Migräne bei Kindern

Was es mit diesen Untergruppen genau auf sich hat und welche Krankheitszeichen für sie typisch sind, erfahren Sie in diesem Kapitel, in dem sich alles um die vielfältigen Erscheinungsbilder einer Migräne dreht.

Einleitendes zum Thema Migräne mit versus Migräne ohne Aura

In Verbindung mit den unterschiedlichen Phasen einer Migräne wurde bereits die Existenz einer Migräne mit Aura angedeutet. Weist ein Migräneanfall die sogenannte Auraphase auf, so handelt es sich dabei logischerweise um eine Form der Migräne mit Aura. 

Fehlt dieses Stadium so spricht man von einer Migräne ohne Aura.

Eine Migräne mit Aura wird von Experten auch als sogenannte ‚klassische Migräne‘ bezeichnet. Bei einer Migräne ohne Aura spricht man hingegen von einer ‚gewöhnlichen Migräne‘.

Das Krankheitsbild einer gewöhnlichen Migräne lässt sich bei etwa vier von fünf Migränepatienten feststellen.

Ein Grossteil der restlichen Betroffenen leidet unter einer klassischen Migräne bzw. einer Migräne mit Aura.

Weitaus seltener sind die restlichen potentiellen Migräne-Formen, auf die im Folgenden etwas genauer eingegangen werden soll.

Neurologische Symptome als wichtigstes Merkmal einer Migräne mit Aura

Für die Migräne mit Aura ist die sogenannte Auraphase bezeichnend. Wie oben bereits ansatzweise beschrieben lässt sich diese ganz leicht an dem Auftreten von primär neurologischen Störungen erkennen.

In die Rubrik der Sehstörungen gehören beispielsweise Halluzinationen, zackenförmige Lichtimpressionen sowie grell leuchtende Blitze. Ergänzt werden diese von einer breiten Palette an unterschiedlichen Empfindungs- und Sprachstörungen. 

Ein vermehrtes Auftreten von Lähmungen ist ein weiteres Charakteristikum für eine Migräne mit Aura, häufig auch einfach nur ‚begleitende‘ Migräne genannt.

In den meisten Fällen klingt ein Migräneanfall mit Aura nach etwa einer Stunde ab. Jedoch kann es auch hier zu Abweichungen bzw. variierenden Verläufen kommen.

Der Vollständigkeit halber ist in diesem Kontext ausserdem auf zwei Sonderformen der Migräne einzugehen.

Bei der Basialarismigränehandelt es sich um eine Variante der Migräne mit Aura, die mit besonders heftigen Krankheitszeichen einhergeht. 

Neben Sehstörungen und Schmerzen am Hinterkopf sind Symptome wie Geräusche im Ohr und Unsicherheit beim Gehen keine Seltenheit.

Die sogenannte ‚Migraine sans Migraine‘ wiederum bezeichnet eine Migräne mit Aura aber ohne Kopfschmerzen.

Die ‚einfache‘ Migräne bzw. Migräne ohne Aura

Bei dieser Variante handelt es sich um eine Migräne-Form, die einem Grossteil der Patienten zu schaffen macht.

Das wichtigste Symptom sind die sich langsam auf einer Seite des Kopfes ausbreitenden Schmerzen gekoppelt mit einer erhöhten Sensibilität gegenüber Licht und Geräuschen.

Entsprechend ziehen sich Menschen, die unter der ‚einfachen‘ Variante der Migräneerkrankungen leiden, bei den ersten Anzeichen eines Anfalls rasch in ein verdunkeltes und ruhiges Zimmer zurück, bis das Schlimmste überstanden ist.

Die Dauer eines Migräneanfalles ohne Auraphase beläuft sich auf 4 bis 72 Stunden.

Die Augenmigräne in Abgrenzung zur Migräne mit Aura

Wie die Überschrift dieses Abschnittes bereits vorschlägt, ist die sogenannte Augenmigräne nicht mit der bereits beschriebenen Migräne mit Aura zu verwechseln.

Vielmehr nimmt diese in der Kategorie der Migräneerkrankungen eine vollkommen eigenständige Sonderstellung ein, die besonders leicht an ihrem plötzlichen und unerwarteten Auftreten zu erkennen ist.

Augenmigräne-Anfälle halten oftmals nur wenige Minuten an und äussern sich in heftigen Sehstörungen, die neben den klassischen Gesichtsfeldausfällen auch mit einem intensiven Flackern, Flimmern und Blitzen einhergehen.

Dabei treten die Attacken dieser Migräne-Sonderform nicht notgedrungen gemeinsam mit den legendären einseitigen Kopfschmerzen einer klassischen Migräne auf. 

Auch in Bezug auf die Dauer und die Intensität der jeweiligen Symptome zeigt sich eine grosse Bandbreite an potentiellen alternativen Szenarien.

Eine Abgrenzung zu anderen Migräne-Formen, allen voran die Migräne mit Aura, gestaltet sich als ausgesprochen einfach, da für die Augenmigräne eine überproportional hohe Augenbeteiligung charakteristisch ist. 

Im Gegensatz dazu sind die in Verbindung mit einer Migräne mit Aura auftretenden Sehstörungen in der Regel lediglich als Vorboten des eigentlichen Symptoms, das sich in Form von Kopfschmerzen manifestiert, zu verstehen.

Geht man der Frage nach den potentiellen Ursachen eines Augenmigräne-Anfalls auf den Grund, so wird man wie bei anderen Migräneerkrankungen nur wenig Erfolg haben. 

Denn auch hier erweist sich der Forschungsstand noch als ausgesprochen dürftig. Bekannt ist lediglich, dass es sich bei der Augenmigräne um eine neurologische Erkrankung handelt.

Retinale Migräne bzw. Migräne mit Netzhautbeteiligung

Das wohl wichtigste Merkmal einer retinalen Migräne besteht darin, dass ein Teil der Symptome in direktem Bezug zum Auge steht. 

Betroffen ist hier in erster Linie die Retina, die Laien auf dem Gebiet vielleicht eher unter dem Begriff Netzhaut bekannt sein wird.

Entsprechend äussert sich eine retinale Migräne vor allem in einer drastischen Beeinträchtigung der Wahrnehmung von visuellen Reizen. 

Besonders verbreitet sind hier unter anderem Gesichsfeldausfälle, ein beständiges Flimmern primär auf einem Auge bis hin zu einem temporären Verlust der Sehleistung auf dem betroffenen Auge.

Neben diesen Symptomen, die eigens in Verbindung mit einer retinalen Migräne auftreten, kann es natürlich auch zu den vorab aufgeführten Befindlichkeitsstörungen kommen, die mit einer einfachen Migräne einhergehen.

Wie bei allen Beschwerden, die primär die Augen betreffen, sollte auch hier ein Augenarzt hinzugezogen werden. 

Diese Massnahme dient in erster Linie der Klärung, dass es sich bei den auftretenden Sehstörungen tatsächlich um ein vorübergehendes Symptom der Migräneerkrankung und keinesfalls um eine ernstzunehmende Augenkrankheit handelt.

Die ophthalmoplegische Migräne

Bei der Migräne mit Augenmuskellähmung, in der Augenheilkunde ausserdem unter dem Begriff ophthalmoplegische Migräne bekannt, handelt es sich gleichermassen um eine Sonderform. 

Angesichts der typischen Symptome, von denen diese Migräneerkrankung begleitet wird, ist hier ebenso wie bei der retinalen Variante von einer erhöhten Beanspruchung der Augen zu sprechen. 

Folglich fällt auch diese Migräneerkrankung allein aufgrund ihrer begleitenden Symptomatik nicht nur im Falle von Komplikationen in den Zuständigkeitsbereich eines Augenarztes.

Zu den kennzeichnenden Symptomen zählen eine Erweiterung der Pupillen, ein Herabhängen des oberen Augenlides, in der Medizin Ptosis genannt, sowie das Sehen von Doppelbildern.

Diese Krankheitszeichen werden durch eine Beeinträchtigung der Beweglichkeit der Augen, die wiederum durch eine Lähmung der Hirnnerven entsteht, ausgelöst.

Stellen Sie diese Symptome bei sich oder einem Ihrer Angehörigen fest, so sollten Sie sich unverzüglich an Ihren Augenarzt wenden, um ernstere Ursachen wie beispielsweise eine Hirnblutung auszuschliessen.

Migräne bei Kindern und Jugendlichen

Untersuchungen ergeben, dass heute bereits rund vier bis fünf Prozent aller Kinder vor Eintritt in die Pubertät unter einer Migräneerkrankung leiden.

Weitere Fakten zu dem Thema lassen sich wie folgt zusammenfassen:

  • Migräneanfälle bei Kindern und Jugendlichen weisen gravierende Unterschiede zu ihrem bei Erwachsenen auftretenden Pendant auf.
  • In der Regel sind sie erheblich kürzer, dauern jedoch im Durchschnitt mindestens eine Stunde.
  • Kinder und Jugendliche entwickeln während eines Migräneanfalles häufig eine überdurchschnittlich hohe Geruchsempfindlichkeit.
  • Verbreitet sind ausserdem Symptome wie Schwindel, Übelkeit, Erbrechen und Gleichgewichtsstörungen.
  • Im Gegensatz zu dem überwiegend einseitigen Schmerz bei erwachsenen Patienten erstreckt sich dieser bei Kindern häufig über beide Seiten des Kopfes.
  • Ein Migräneanfall, der gänzlich ohne Kopfschmerzen verläuft, ist auch bei Kindern denkbar.
  • Ein weiteres potentielles Szenario ist das Vorhandensein einer Aura, die sich in Form der bereits beschriebenen neurologischen Störungen äussert.
  • Wichtiger Hinweis: Da besonders kleine Kinder ihre Beschwerden noch nicht deutlich artikulieren können, sollten Erwachsene auf einschlägige Warnsignale achten. Wird Ihr Kind beispielsweise aussergewöhnlich still und zieht sich zurück, so kann dies ein Zeichen für einen Migräneanfall sein.

Anamnese, Kopfschmerztagebuch & Co.: die unverzichtbaren Bestandteile einer Diagnose

Angesichts der noch in den Kinderschuhen steckenden Migräne-Forschung verwundert es wenig, dass es sich bei der Diagnose dieses Krankheitsbildes oftmals um eine langwierige Angelegenheit handelt.

Die Grundlage bilden dabei die Beschwerden der Betroffenen. Abgesehen von den im direkten Gespräch mit dem Patienten gelieferten Antworten greift der Arzt auch auf die sogenannte Anamnese, sprich eine Erhebung der Krankheitsgeschichte als Fundus für mögliche Ursachen, Auslöser, Veranlagungen und Tendenzen zurück.

Als besonders hilfreich erweist sich in diesem Kontext das bereits angesprochene Kopfschmerztagebuch, das im Idealfall Informationen über die Dauer, Intensität und Symptomatik sowie potentielle Trigger der einzelnen Migräneattacken liefert. 

Ein wichtiges Hilfsmittel sowohl bei der Diagnose als auch bei der anschliessenden Kommunikation zwischen Arzt und Patient bildet zudem der sogenannte Migraine Disability Assessment Fragebogen, der Aussagen über die durch die Migräne verursachten Beeinträchtigungen enthält. 

Messbar werden diese mithilfe des sogenannten Migraine Disability Assessment Scores, kurz MIDA genannt.

Primär um andere Krankheiten auszuschliessen, werden im Verlauf der diagnostischen Bemühungen auch grundlegende physische Untersuchungen und, falls notwendig, apparative Untersuchungsmethoden und Laborergebnisse eingesetzt.

Dabei geht es in erster Linie darum, festzustellen, ob es sich bei dem Symptom Kopfschmerz um eine primäre Kopfschmerzerkrankung wie der Migräne handelt oder lediglich, wie eingangs bereits beschrieben, um ein Krankheitszeichen, das in Verbindung mit einer anderen Krankheit auftritt. 

Entzündungen, Traumata und Tumore beispielsweise gehen allesamt mit Kopfschmerzen einher.

Neurologische Untersuchungen dienen gleichermassen dazu, typische Migräne-Symptome, die vor allem bei den Migräne-Formen Augenmigräne und Migräne mit Aura auftreten, von ernsten Grunderkrankungen abzugrenzen.

Handelt es sich um eine primäre Kopfschmerzerkrankung, so greift der Arzt auf die Anamnese zurück, die sich bei der Bestimmung der im aktuellen Fall vorliegenden primären Kopfschmerzerkrankung als unverzichtbar erweisen kann. 

Kommt es beispielsweise durch körperliche Betätigung zu einer Intensivierung der Symptome, so verweist dies eher auf eine Migräne als beispielsweise auf einen Cluster-Kopfschmerz.

Schmerzmittel einnehmen

Migräne-Anfälle lindern und effektiv vorbeugen: Ratschläge & Tipps

Zwar gibt es bis dato noch keine Therapieform, die eine endgültige Heilung von Migräneerkrankungen verspricht, jedoch haben sich zahlreiche Massnahmen als beschwerdenlindernd bewährt. Langfristig empfiehlt sich die Kombination mehrerer Methoden.

Medikamentöse Behandlungen

Im akuten Fall kann die Selbstmedikation Erleichterung schaffen. Empfehlenswert sind hier vor allem die sogenannten Kombinationspräparate aus Coffein, Paracetamol und Acetylsalicylsäure.

Alternativ können natürlich auch Medikamente wie Ibuprofen und Paracetamol erworben werden, die zwar nur auf jeweils einem der genannten Wirkstoffe basieren, jedoch gleichermassen eine erste Linderung der Schmerzen herbeiführen können.

Sogenannte Antiemetika wiederum erweisen sich als sinnvoll, wenn der Kopfschmerz von Symptomen wie Übelkeit und Erbrechen begleitet wird. Diese Präparate sind verschreibungspflichtig und sollten vor dem eigentlichen Schmerzmittel eingenommen werden.

Handelt es sich um einen schweren Migräneanfall, so finden Triptane wie Naratriptan und Sumatriptan Verwendung.

Ergänzende akuttherapeutische Schritte

  • Zeigen sich die ersten Anzeichen eines Migräneanfalles, so sollten Sie als betroffene Person sämtliche Umwelteinflüsse, die die Symptomatik verstärken können, meiden. Dazu zählen Lärm, Licht und intensive Gerüche.
  • Ziehen Sie sich am besten in einen ruhigen, abgedunkelten Raum zurück und reiben Sie Stirn und Schläfen mit einem milden Pfefferminzöl ein.
  • Kalte Kompressen und viel Schlaf erweisen sich ebenfalls als wohltuend und können Ihnen über die schlimmste Phase der Migräneattacke hinweghelfen.
  • Entspannungsübungen wie autogenes Training, progressive Muskelentspannung oder einfach nur intensives und bewusstes Atmen können gemeinsam mit einer bequemen Liegeposition und einem ruhigen Umfeld Erleichterung schaffen.

Prophylaxe

Eine endgültige Garantie gibt es in Bezug auf eine effektive Vorbeugung von Migräneanfällen zwar nicht, jedoch wird einigen Medikamenten eine hemmende Wirkung nachgesagt. 

Dazu zählen beispielsweise Topiramat, Valproinsäure, Flunarizin sowie die Betablocker Propranolol Metoprolol und Erenumab.

Neben der medikamentösen Prophylaxe ist es sinnvoll, die am eigenen Krankheitsverlauf massgeblich beteiligten Trigger auszuschliessen. 

Dabei ist es irrelevant, ob es sich nun um Stress, bestimmte Nahrungs- und Genussmittel oder einen unregelmässigen Schlaf-Wach-Rhythmus handelt.

Ein insgesamt gesunder Lebensstil, der neben einer ausgewogenen Ernährung auch regelmässige Bewegungsübungen an der frischen Luft sowie ausreichend Schlaf- und Entspannungsphasen umfasst, erweist sich nicht nur als sinnvolle Massnahme der Vorbeugung. 

Vielmehr profitieren Sie auf diese Weise auch in der beschwerdefreien Zeit von mehr Energie, Gesundheit und Wohlbefinden und gehen die Herausforderungen, die Beruf und Privatleben an Sie stellen, weitaus gelassener an.

Neues Medikament für die Vorbeugung: Erenumab

Erenumab ist ein neues Medikament, das zu den monokolanen Antikörpern gehört. Mit diesem neuen Medikament können bei Erwachsenen Migräneanfällen effektiv vorgebeugt werden. 

Seit 2018 darf dieses Medikament in den europäischen Ländern und in Nordamerika verwendet werden.

Erenumab bindet sich an den CGRP-Rezeptor und hemmt seine Wirkung. CGRP (Calcitonin Gene-Related Peptid) ist ein Eiweiss, das für Gefässerweiterung und Entstehung von Entzündungen im Zentralnervensystem verantwortlich. Durch die direkte Hemmung dieses Proteins wird die Migräneanfall nicht ausgelöst.

Das Medikament wird einmal im Monat unter die Haut injiziert. Unerwünschte Wirkungen des Erenumab können Juckreiz, Krämpfe in den Muskeln, Übelkeit, Hautausschläge und Verstopfung sein.

Zusammenfassung

Migräne ist eine häufige Erkrankung auf der ganzen Welt. Diese bohrende, starke, zumeist einseitige Kopfschmerzen können sehr viel Leiden verursachen.

Wenn ein Anfall auftritt, muss sofort gehandelt werden, damit die Kopfschmerzen und die anderen Beschwerden möglichst schnell gelindert werden können.

Abschliessend ist anzumerken, dass ein rechtzeitiger Arztbesuch grundsätzlich immer die beste Vorsorgemassnahme ist. Leiden Sie beispielsweise unter plötzlichen Sehstörungen, so sollten Sie sich an Ihren Augenarzt wenden.

Unser Augenarzt im Lux Augenzentrum bei Oerlikon und Seebach steht Ihnen immer zur Verfügung.

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