Pigmentierte Bindehaut-Tumoren

Augenarzt Dr. Nagy Autor

Autor: Dr. med. (H) Richard Nagy, Facharzt für Augenheilkunde, FMH FEBO​

Welche Themen beihalten die folgenden Absätze?

  • Was sind pigmentierte Bindehaut-Läsionen (Tumoren)?
  • Fragen und Untersuchungsmethoden beim Augenarzt
  • Bindehaut-Nävus
  • Rassische Melanose
  • Primär erworbene Melanose (PAM)
  • Bindehaut-Melanom
  • Wichtigkeit der Früherkennung
Bindehaut-Tumoren Nävus

Herausforderung Bindehaut-Tumoren: die fliessende Grenze zwischen gutartigen und bösartigen Gewebeveränderungen

Bei der Bindehaut, in der Augenheilkunde auch Konjunktiva genannt, handelt es sich um eine transparente Schleimhautschicht, die die reibungsfreie Flexibilität des Auges sicherstellt. 

Kommt es in diesem Bereich zu krankhaften Veränderungen, so kann dies gravierende Folgen für das Sehvermögen sowie die allgemeine Gesundheit der Betroffenen haben. 

Ein Beispiel sind die hier im Zentrum stehenden Bindehaut-Tumoren. Diese beschreiben, grob ausgedrückt, pigmentierte Läsionen, die ihren Ursprung in der Konjunktiva haben.

Tumoren der Bindehaut: ein Einstieg

Gewebeveränderungen bzw. Tumoren, die von der Bindehaut ausgehen, können sowohl gutartig, sprich benigne, als auch bösartig bzw. maligne sein.

In die Kategorie der benignen (gutartigen) Bindehaut-Tumoren gehört unter anderem der sogenannte Bindehaut-Nävus.

Eine frühzeitige Erkennung und gezielte Behandlung ist vor allem dann essentiell, wenn es sich um bösartige Tumoren der Konjunktiva wie das Bindehaut-Melanom handelt, zumal dieses bei einer fehlenden Diagnose und einer entsprechend ausbleibenden Therapie tödlich verlaufen kann.

Im Idealfall werden die Betroffenen selbst rechtzeitig auf die Bildung eines Bindehaut-Tumors aufmerksam. Schliesslich sind die Läsionen oftmals allein aufgrund ihrer Färbung deutlich sichtbar. Weitere typische Hinweise sind neben der Pigmentierung der betroffenen Bereiche beispielsweise auch matte, weissliche, durchsichtige sowie lachsfarbene Knoten. 

Darüber hinaus sind wiederholt auftretende Bindehautentzündungen, die selbst auf eine gezielte Therapie nur wenig ansprechen, keine Seltenheit.

Um primär die Gut- bzw. Bösartigkeit der jeweils vorliegenden Gewebeveränderungen zuverlässig bestimmen zu können, kann eine ambulante Biopsie (Gewebeentnahme) erforderlich werden.

Pigmentierte Bindehaut-Läsionen unter der augenärztlichen Lupe: Wissenswertes zur Vorsprache beim Arzt

Vorab ist hier kurz auf den Begriff der melanozytären bzw. pigmentierten Läsionen einzugehen. In der Dermatologie versteht man darunter einen Hautbereich, der in Bezug auf seine Färbung von seinem direkten Umfeld abweicht. 

In der Regel handelt es sich dabei um eine Brauntönung, die wiederum gemäss der Namensgebung auf die Melanozyten, sprich die Pigmentzellen der Haut, zurückzuführen ist.

Um pigmentierte Läsionen in der Bindehaut abzuklären, greift der Augenarzt in einem ersten Schritt auf die bewährte Anamnese zurück. Dabei gilt es, wichtige Fakten zur individuellen und familiären Krankengeschichte der Patienten aufzuarbeiten.

Konkret können Betroffene beim Arztbesuch unter anderem mit den folgenden Fragen rechnen:

  • In welchem Alter trat die Läsion zum ersten Mal auf?
  • In welchem Ausmass waren Sie in der Vergangenheit ungeschützt direkter Sonneneinstrahlung ausgesetzt?
  • Wie ist es um Ihre persönliche und familiäre Vorgeschichte von Hautkrebs bestellt?
  • Hat sich das Erscheinungsbild der Läsion in jüngster Zeit verändert?

Der zweite Schritt besteht in einer eingehenden Untersuchung der Bindehaut. Wichtig ist in diesem Zusammenhang neben dem genauen Standort auch die Dicke und Farbe der Läsion, da diese Faktoren genauere Aussagen zur Prognose zulassen. 

Um selbst kleine Läsionen im Tarsus oder Fornix zu finden, ist eine sorgfältige Überprüfung mit der Spaltlampe erforderlich. Dabei ist das Umdrehen der Augenlider ein Muss, um so selbst versteckte Stellen gut sehen zu können.

Läsionen im vorderen Segment lassen sich unter anderem durch bildgebende Verfahren wie Ultraschall sowie optische Kohärenztomographie (OCT) feststellen. 

Gerade im Rahmen der Differentialdiagnose erweist sich die OCT als unverzichtbar, da sie bei der Unterscheidung zwischen verschiedenen Augenleiden bzw. Formen von Bindehaut-Tumoren hilft. 

Ein Beispiel ist die Abgrenzung zwischen dem sogenannten Plattenepithelkarzinom (OSSN) und amelanotischen Melanomen auf der Augenoberfläche. Letzteres ist von einem vergleichsweise dünnen Epithel und einer subepithelialen Läsion gekennzeichnet. 

Für das Plattenepithelkarzinom wiederum ist neben anderen Faktoren ein verdicktes Epithel charakteristisch. Das Ultraschallverfahren wird unter anderem für die genaue Bestimmung der Tiefe der Läsion eingesetzt.

Bindehaut-Nävus als verbreitetste Variante in der Kategorie der Läsionen der Bindehaut

An der Spitze der Tumore der Bindehaut, die am häufigsten vorkommen, ist der sogenannte Bindehaut-Nävus zu finden. 

Unter diesem Fachterminus werden Läsionen zusammengefasst, die bereits in der Kindheit auftreten und im Allgemeinen als harmlos eingestuft werden, zumal sie in der Regel ein Leben lang unverändert bleiben. Angesiedelt sind sie in erster Linie in Limbusnähe, genauer an der interpalpebralen Bindehaut.

In Bezug auf ihr Erscheinungsbild durchlaufen Nävi der Bindehaut oftmals eine Entwicklung von einer nicht pigmentierten Masse hin zu einem sichtbaren Leberfleck im Auge. Vor allem die Pubertät und die Schwangerschaft sind Lebensphasen, in denen derartige optische Veränderungen festgestellt werden können.

Die Spaltlampenuntersuchung liefert Aufschluss über die jeweils vorliegende Ausprägung des Bindehaut-Nävus.

Betroffene, die eine derartige Verfärbung feststellen, sollten zwecks Abklärung zeitnah einen Augenarzt aufsuchen, da sich hinter einem scheinbar harmlosen Nävus ein bösartiges Melanom verbergen kann. 

Auch eine spätere Entwicklung hin zu einem malignen Tumor ist denkbar, so dass regelmässige augenärztliche Kontrolluntersuchungen anzuraten sind. Bei einer stabilen Variante werden Check-ups im jährlichen Turnus empfohlen. 

Ein sofortiger Arztbesuch wird fällig, wenn sich der Nävus vergrössert oder er in anderer Weise sein Erscheinungsbild ändert. Häufig sind Faktoren wie ein deutliches Wachstum sowie eine Intensivierung der Farbe Gründe, um die Läsion zu entfernen.

Die rassisch bedingte Melanose (CAM): ein weiteres Beispiel für eine gutartige Läsion der Bindehaut

Die im englischen Sprachgebrauch als „racial melanosis“ bezeichnete rassische Melanose, kurz CAM genannt, tritt in den meisten Fällen beidseitig auf. 

Damit unterscheidet sie sich von dem bereits beschriebenen, in der Regel einseitigen Bindehaut-Nävus. Betroffen sind vor allem Menschen mit einer dunklen Pigmentierung. Zu finden ist diese Läsion-Variante häufig in der Region um den Limbus herum, der die Grenze zwischen der Lederhaut und der Hornhaut im Auge bildet.

Bei einer Untersuchung mit der Spaltlampe wirkt die Pigmentierung eher flach, denn zystisch. Im Vergleich zu dem zumeist lebenslang unverändert bleibenden Erscheinungsbild eines Bindehaut-Nävus ist das Wachstum der rassischen Melanose in Verbindung mit dem natürlichen Alterungsprozess nichts Ungewöhnliches. Darüber hinaus tritt sie oftmals nicht nur punktuell, sondern grossflächig auf.

Auch hier empfiehlt sich eine jährliche Kontrolluntersuchung, da Menschen mit einer dunklen Pigmentierung schneller zu der Entwicklung von Melanomen neigen, selbst wenn die rassische Melanose ursprünglich als ungefährlich eingestuft wurde.

Erhöhtes Risiko für hellhäutige Menschen ab dem mittleren Lebensjahr: die primär erworbene Melanose

Diese im Englischen als „Primary Acquired Melanosis“, kurz PAM genannt, bezeichnete Melanose ist primär erworben. In puncto Pigmentierung sind braune bis goldgelbe Farbnuancen mit unklarer Abgrenzung charakteristisch. 

Fleckig und flächig sind weitere zutreffende Attribute für das Erscheinungsbild der in der Regel einseitig auftretenden, primär erworbenen Melanose. Erkennen lassen sich diese Merkmale besonders deutlich durch den Einsatz einer Spaltlampe.

Mit Blick auf die Abgrenzung zu anderen Tumoren der Bindehaut wie beispielsweise dem Nävus ist das Alter, in dem die Betroffenen zum ersten Mal eine Pigmentierung wahrgenommen haben, ausschlaggebend. 

Denn da es sich bei der PAM vornehmlich um einen Tumor handelt, von dem mittlere bis ältere Jahrgänge betroffen sind, verweist ein Auftreten in jungen Jahren eher auf einen Nävus. 

Zusätzliche Klarheit verschafft die klinische Untersuchung. Denn während ein Nävus zumeist gut abgegrenzt und vergleichsweise dick ist und darüber hinaus in Form von Zysten auftritt, ist die primär erworbene Melanose als diffuses intraepitheliales Krankheitsbild eher dünn und weniger gut umschrieben.

Zu unterscheiden ist ausserdem zwischen einer PAM mit und ohne Atypie. Während eine PAM ohne Atypie, sprich ohne ein Abweichen von der Norm in der Regel als harmlos angesehen wird, kann sich das Pendant mit Atypie zu einem bösartigen Melanom entwickeln. 

Um hier rasch und zuverlässig die jeweils vorliegende Variante bestimmen und die erforderlichen Schritte einleiten zu können, greift der Augenarzt zumeist auf eine histologische Analyse, die die Untersuchung von Gewebe zum Inhalt hat, zurück.

Die Art der Behandlung hängt von der jeweiligen Grösse und Ausprägung der Läsion ab. Sind diese nur geringfügiger Natur, so wird bei stabilem Zustand ein jährliches Check-up empfohlen. 

Bei ausgeprägteren Fällen wiederum ist die Therapie radikaler, da die Gefahr einer Umwandlung in ein Melanom entsprechend gross ist. Im Falle einer Verdickung, Knotenbildung und/oder Vaskularität der Läsion wird ein chirurgischer Eingriff mit Ziel der vollständigen Entfernung der Läsion durchgeführt. 

Vergleichbares gilt für eine mittelgrosse PAM. Nach erfolgter Operation werden die Ränder zudem einer kyrotherapeutischen Massnahme unterzogen. 

Grosse Läsionen bedürfen gleichermassen der operativen Entfernung potentiell riskanter Areale sowie einer Gewebeentnahme bei allen Quadranten inklusive der Bereiche, die nicht klinisch betroffen sind.

Diagnose Bindehaut-Melanom: der maligne Bindehaut-Tumor mit Seltenheitswert

Zwar trifft diese bösartige Variante der Tumore der Konjunktiva zum Glück nur wenige Menschen. Jedoch lässt sich hinsichtlich der Anzahl der jährlichen Erkrankungen eine steigende Tendenz verzeichnen. 

Als Verursacher wird neben einer erworbenen Melanosis auch ein Bindehautnävus angesehen. Darüber hinaus ist eine Entstehung ohne erkennbare Ursache denkbar.

Zu den prägnantesten Symptomen eines Bindehaut-Melanoms zählen knotige und unscharf begrenzte Veränderungen der Konjunktiva mit diffusen Pigmentierungen.

Eine besondere Gefahr geht von der überdurchschnittlich hohen Metastasierungs- sowie Rezidivrate des Bindehaut-Melanoms aus. In Bezug auf die Therapie bedeutet dies grundsätzlich die Notwendigkeit einer sorgfältigen Exzision (Entfernung) sowohl des erkrankten Gewebes als auch eines grosszügigen Randes gesunder Areale. 

Bestrahlung und Chemotherapie sind ergänzende Massnahmen, die zugleich der abschliessenden Behandlung als auch der Vorbeugung dienen. Hinzu kommen regelmässige Kontrollen, um eine erneute Tumorbildung zu verhindern.

Tumoren der Bindehaut: eine frühzeitige Diagnose als Fundament einer guten Prognose

Dass Gewebeveränderungen der Bindehaut nicht zuletzt aufgrund ihrer Wandelbarkeit selbst im scheinbar harmlosen Zustand für die Patientinnen und Patienten ein grosses gesundheitliches Risiko in sich bergen, wurde in diesem Beitrag sicherlich gebührend betont.

Entsprechend sollten Sie sich als betroffene Person selbst bei dem kleinsten Anzeichen einer pigmentierten Läsion im Auge umgehend an Ihren Augenarzt in Zürich Opfikon wenden, um einen potentiell bösartigen Tumor rechtzeitig erkennen und behandeln zu können.

Augenarzt Dr. Nagy Autor

Autor:
Dr. med. (H) Richard Nagy, Facharzt für Ophthalmologie, FMH, FEBO

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