Gesichtsfelduntersuchung (Perimetrie)

Wichtigste Themen im Überblick:

  • Was ist eine Gesichtsfelduntersuchung?
  • Was bedeutet das Blickfeld im Alltag?
  • Wozu braucht man die Gesichtsfeldmessung?
  • Statische Perimetrie
  • Kinetische Perimetrie
  • Varianten der Messung
  • Verhaltensregeln und Ablauf der Untersuchung
  • Schlechtes Ergebnis: Typische Gesichtsfeldausfälle 
  • Regelmässige Verlaufskontrollen
Gesichtsfelduntersuchung Perimetrie

Die Gesichtsfelduntersuchung (Perimetrie): Definition, Funktion und Relevanz

Vielen Patientinnen und Patienten dürfte die sogenannte Gesichtsfelduntersuchung (Perimetrie) bereits vertraut sein. Schliesslich handelt es sich hierbei um ein relativ häufig eingesetztes Verfahren, das unter anderem der Diagnose und Verlaufskontrolle verschiedener Augenkrankheiten dient.

Als Oberbegriff fasst die Perimetrie unterschiedliche Methoden zusammen, die die Messung der Grösse des Gesichtsfeldes zum Ziel haben. Zum Einsatz kommt bei den moderneren Varianten ein sogenanntes Perimeter. 

Dabei handelt es sich um ein Gerät, das speziell für die Messung der Grenzen von Gesichtsfeldern entwickelt wurde.

Die folgenden Abschnitte dienen dem Versuch, Ihnen einige grundlegende Informationen zu dieser in der Augenheilkunde so essentiellen Untersuchungsmethodik zu vermitteln.

Das Gesichtsfeld: Begriffsbestimmung und Bedeutung im Alltag

Einleitend ist hier darauf zu verweisen, dass das Gesichtsfeld nicht mit dem sogenannten Blickfeld zu verwechseln ist. 

Während Letzteres eine Bewegung der Augen zulässt, bezeichnet das in diesem Beitrag diskutierte Gesichtsfeld die Summe aller Punkte in einem Raum, die bei der Primärstellung der Augen und unbewegtem Kopf gleichzeitig wahrgenommen bzw. gesehen werden können.

Unterschieden wird zwischen einem sogenannten monokularen und einem binokularen Gesichtsfeld. Während das monokulare Gesichtsfeld den Bereich, der mit einem einzelnen Auge wahrgenommen werden kann, beschreibt, setzt sich das sogenannte binokulare Gesichtsfeld aus beiden monokularen Gesichtsfeldern zusammen.

Die wichtige Rolle, die ein gutes Gesichtsfeld in Beruf und Alltag spielt, darf nicht unterschätzt werden. So ist es für eine optimale visuelle Orientierung ebenso unverzichtbar wie die Sehschärfe. 

Kommt es hier zu Einschränkungen, so kann dies nicht nur im Strassenverkehr, sondern beispielsweise auch beim Sport sowie bei bestimmten beruflichen Tätigkeiten schwerwiegende Konsequenzen nach sich ziehen, die das Wohl der Betroffenen selbst als auch der in ihrer unmittelbaren Umgebung befindlichen Menschen erheblich gefährden.

Damit Sie sich eine genaue Vorstellung davon machen können, wann ein Gesichtsfeld der Norm entspricht, seien hier einige Zahlen genannt:

Bei einer Ausdehnung von rund 70 Grad nach unten, 60 Grad nach oben und 100 Grad in Richtung der Schläfe spricht man von einem normalen Gesichtsfeld. Das sogenannte zentrale Gesichtsfeld wiederum erstreckt sich bis zu einer Ausdehnung von 20 Grad.

Stellenwert der Gesichtsfelduntersuchung in der Augenheilkunde

In der Augenmedizin kommt der Gesichtsfeldmessung, im Fachjargon Perimetrie genannt, eine essentielle Aufgabe zu. 

Gerade wenn es um die frühzeitige Erkennung und Bestimmung ernster Augenkrankheiten sowie die Prävention unvorteilhafter Krankheitsverläufe geht, erweist sich dieses Verfahren als elementarer Bestandteil der augenärztlichen Untersuchung. 

Da es im Rahmen vieler, zum Teil folgenschwerer Erkrankungen zu Gesichtsfeldausfällen kommt, kann eine Messung dieser Symptomatik bereits einen ersten Hinweis auf die zugrunde liegende Krankheit geben. 

Im besten Fall führen die Ergebnisse dazu, dass der Augenarzt das jeweilige Krankheitsbild genauer eingrenzen oder bereits eindeutig bestimmen und entsprechend rasch mit einer gezielten Therapie beginnen kann.

Zu den Augenkrankheiten, die mit Ausfällen des Gesichtsfeldes einhergehen, zählen unter anderem der grüne Star (Glaukom), Sehnerventzündungen und sowohl erbliche als auch erworbene Netzhauterkrankungen. 

Darüber hinaus tritt das Symptom häufig in Verbindung mit einem Trauma, einem Hirntumor und einem Schlaganfall auf.

Eine frühzeitige Gesichtsfeldprüfung dient somit nicht nur der rechtzeitigen Erkennung von ernsten Krankheiten und ungünstigen Krankheitsverläufen. Im Idealfall hilft sie auch dabei, Letztere auszuschliessen.

Des Weiteren ist eine Gesichtsfelduntersuchung für den Erwerb, Umschreibung und Behalten des Führerscheins unabdingbar.

Statische Perimetrie: die am häufigsten angewendete Methode

Die statische Gesichtsfelduntersuchung nimmt pro Auge zwischen 10 und 20 Minuten in Anspruch.

Den Ablauf dürfen Sie sich wie folgt vorstellen: Der Patient/die Patientin sitzt vor einem Testbildschirm. Ein Auge ist abgedeckt, während das andere ein in der Mitte des Bildschirmes befindliches Licht fixiert. Dieses wird willkürlich um andere Lichtpunkte ergänzt, die an unterschiedlichen Orten auftreten.

Die Aufgabe des Patienten besteht darin, jeden wahrgenommenen Lichtpunkt durch die Betätigung eines Knopfes erkennbar zu machen. Wird auf einen Lichtreiz nicht reagiert, so folgt eine Erhöhung der Lichtstärke. 

Bleibt auch hier die gewünschte Reaktion aus, so wird das Ergebnis gespeichert und ein neuer Lichtreiz in einem anderen Bereich platziert.

Nachdem beide Augen auf diese Weise einer eingehenden computergesteuerten Prüfung unterzogen worden sind, zieht der Augenarzt nach einer Auswertung der Ergebnisse seine Schlüsse bezüglich der nun einzuleitenden Schritte. 

Oftmals sind weitere Untersuchungen erforderlich, um der genauen Ursache des Symptoms „Gesichtsfeldausfall“ auf den Grund zu gehen.

Kinetische Perimetrie: der Klassiker (Goldmann)

Die Methode der kinetischen Perimetrie kommt heute nur noch in wenigen Fällen zum Einsatz. Grundsätzlich gleicht sie in ihrem Aufbau der oben beschriebenen statischen Variante.

Der markanteste Unterschied besteht darin, dass sich hier leuchtende Punkte vom Rand in Richtung Bildschirmmitte bewegen. Für die Messung ist relevant, wann diese von den Probanden wahrgenommen werden.

Wie kann die Gesichtsfeldmessung durchgeführt werden?

Fingerperimetrie

Wie der Begriff bereits vorschlägt kommen bei dieser Perimetrie-Form die Finger bzw. Hände des Untersuchers zum Einsatz. Genauer: Der Patient sitzt dem Untersucher gegenüber. Beide halten Blickkontakt. 

Um die Grösse des Gesichtsfeldes des Patienten zu messen, bewegt der Untersucher seine Hand von unten, von oben und von der Seite in Gesichtsrichtung. 

Taucht die Hand des Untersuchers im Gesichtsfeld des Patienten auf, so gibt Letzterer ein Signal. Die Auswertung erfolgt, indem der Untersucher die Ergebnisse mit seinem eigenen, nachweislich normalen Gesichtsfeld vergleicht.

Konturperimetire/Goldmann-Perimetrie

Diese Variante gehört eigentlich in die Kategorie der klassischen kinetischen Verfahren. Dabei kommt das von Goldmann entwickelte Projektionsperimeter, sprich Hohlkugelperimeter zur Anwendung, in das der Patient seinen Kopf legt.

Computerperimetrie

Diese Form, auch Schwellen-Perimetrie genannt, ist mit der oben bereits beschriebenen statischen Perimetrie gleichzusetzen. Unter dem Einsatz modernster Technik verspricht diese heute am häufigsten angewendete Form der Gesichtsfelduntersuchung besonders genaue Ergebnisse. 

Auch hier werden Lichtpunkte, die sich durch eine unterschiedliche Lichtintensität und Grösse auszeichnen, auf eine nach innen gewölbte Oberfläche projiziert. 

Nimmt der Patient einen Lichtpunkt wahr, so signalisiert er dies mit einem Knopfdruck. Die Auswertung und anschliessende Erstellung einer Karte des individuell vorliegenden Gesichtsfeldes erfolgt ebenfalls durch den Computer.

Einige wichtige Verhaltensregeln für den reibungslosen Ablauf einer Perimetrie

Sprechen wir heute von einer Gesichtsfelduntersuchung, so handelt es sich in der Regel um die ausführlich beschriebene Computerperimetrie bzw. die statische Perimetrie, die computergesteuert unter Einsatz des sogenannten Perimeters erfolgt. 

Um die Genauigkeit der Messergebnisse nicht zu gefährden, sollten Sie sich als Patient/-in an die im Folgenden aufgeführten Grundregeln halten:

  • Prüfen Sie vor Testbeginn, ob die Augenklappe optimal und absolut blickdicht sitzt.
  • Sitzen Sie still und vermeiden Sie es, den Kopf zu bewegen.
  • Lassen Sie Ihren Blick nicht wandern, sondern konzentrieren Sie sich auf die im Inneren des Perimeters befindliche grüne Markierung.
  • Sehen Sie davon ab, den Knopf zu betätigen, selbst wenn Sie keinen Lichtpunkt sehen.

Typische Gesichtsfeldausfälle im Überblick mit Auswertung

Auch in Bezug auf Art, Ausprägung und Form von Gesichtsfeldausfällen wird zwischen unterschiedlichen Typen differenziert. Letztendlich variieren diese je nach verursachendem Krankheitsbild. Besonders verbreitet sind die folgenden Formen:

  • Altitudinaler Gesichtsfeldausfall: charakteristischer Gesichtsfelddefekt bei einem Sehnervinfarkt (AION).
  • Bogenförmiger Gesichtsfelddefekt (Bogenskotom): Tritt zumeist in Verbindung mit dem Glaukom (grüner Star) auf.
  • Zentralskotom (Ausfall des zentralen Gesichtsfeldes): Typisch für Sehnerverkrankungen.
  • Homonyme Hemianopsis (Ausfall der beiden nasalen oder der beiden temporalen Gesichtsfelder): Zu den primären Ursachen zählt ein posteriorer Schlaganfall.

Regelmässige Kontrollen der Gesichtsfelder als beste Vorsorgemassnahme: ein Wort zum Schluss

Zusammenfassend ist hier festzuhalten, dass der Gesichtsfeldmessung, die heute zugunsten exakter Ergebnisse mithilfe modernster Technik erfolgt, vor allem mit Blick auf die Diagnosestellung und die sorgfältige Beobachtung zahlreicher Augenkrankheiten eine elementare Aufgabe zukommt.

Aktiv an dem Erhalt Ihrer Augengesundheit mitwirken können Sie als Patient/-in, indem Sie bei eventuellen Gesichtsfeldausfällen umgehend Ihren Augenarzt kontaktieren. 

Dabei sollten Sie immer im Hinterkopf behalten, dass Krankheiten wie der grüne Star (Glaukom), für die eine zunehmende Beschränkung des Gesichtsfeldes charakteristisch ist, im schlimmsten Fall zur Erblindung führen können.

Erste Anzeichen sind Schatten im Gesichtsfeld, die bis hin zu einem vollständigen Ausfall der betroffenen Regionen des Gesichtsfeldes führen können.

Da es sich bei der Gesichtsfeldeinschränkung um einen schleichenden Prozess handelt, der von den Betroffenen oftmals erst in einem späteren Stadium bewusst wahrgenommen wird, kann ernsten Schäden nur durch eine in regelmässigen Abständen erfolgende Gesichtsfelduntersuchung vorgebeugt werden. 

Wenden Sie sich bei diesbezüglichen Fragen und Terminwünschen gerne jederzeit an Ihren Augenarzt in Zürich Opfikon.

Augenarzt Dr. Nagy Autor

Autor:
Dr. med. (H) Richard Nagy, Facharzt für Ophthalmologie, FMH, FEBO

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