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Dr. Richard Nagy

Dr. med. (H) Richard Nagy, Facharzt für Augenheilkunde FMH, FEBO. Die Fachartikel auf meiner Webseite entsprechen dem aktuellen Stand der Wissenschaft! Alle Quellen finden Sie am Ende das jeweiligen Artikels.
Irvine Gass Syndrom

Wenn sich ein zystoides Makulaödem nach einer Kataraktoperation (Grauer Star) bildet, dann nennt sich dies Irvine-Gass-Syndrom. Früher entwickelte sich dies noch in zwei Prozent der Fälle, heute ist dies aber aufgrund der extrakapsulärer Kataraktoperationen deutlich seltener. Die Behandlung beschränkt sich auf die Grunderkrankung.

Was ist ein Makulaödem?

Bei einem Makulaödem handelt es sich um eine Augenerkrankung, wobei es zu einer Flüssigkeitsanlagerung (Ödem) kommt. Das wäre somit eine Schwellung in bestimmten Bereichen der Netzhaut (Makula). Die Makula wird auch als „gelber Fleck“ bezeichnet und ist für das schärfste Sehen verantwortlich und liegt in der Mitte der Netzhaut.

Es gibt viele unterschiedliche Arten eines Makulaödems, aber wenn dies nach einer Grauer Star Operation entsteht, dann wird dies als Irvine-Gass-Syndrom bezeichnet. Dieses zystoide Makulaödem ist aufgrund von moderner Operationstechniken sehr selten geworden und tritt daher kaum noch auf.

Welche Besonderheit hat ein zystoides Makulaödem?

Bei einem Katarakt (Grauer Star) trübt die ursprünglich klare Augenlinse und somit muss diese mit einer künstlichen Augenlinse ersetzt werden. Diese Katarakt-Operation dauert im Durchschnitt 10 bis 15 Minuten pro Auge, wobei Komplikationen sehr selten sind, zumal diese Operation auch ambulant durchgeführt werden kann.

Kommt es nach dieser Operation zu einer Flüssigkeitsansammlung in der Netzhaut des Auges, dann werden Bläschen oder kleine Zysten in der Makula entstehen beziehungsweise sich ansammeln. In sehr schweren Fällen schliessen sich die Zysten zusammen, aufgrund dieses Volumens entstehen tiefe Schäden in der Netzhaut.

Bei gewissen Umständen könnte ein zystoides Makulaödem auch durch andere Ursachen entstehen, so zum Beispiel bei Entzündungen.

Welche Symptome können entstehen?

Die Symptome sind von der Ausprägung des Irvine-Gass-Syndroms abhängig. Für gewöhnlich ist es aber so, dass die Betroffenen zuerst Veränderungen bei alltäglichen Tätigkeiten wie dem Autofahren wahrnehmen. Die Sicht wird unscharf oder verschwommen, wobei zusätzlich auch eine gestörte Farbwahrnehmung entstehen kann.

In anderen Fällen hingegen zeigen sich sogar keine Symptome, hierbei beginnt die Erkrankung schleichend und verursacht dann leichte Sehstörungen. Hierbei werden die Anzeichen für ein Makulaödem zu spät erkannt, weshalb eine regelmässige Kontrolle durchgeführt werden sollte (insbesondere bei Vorerkrankungen).

Ist der Zeitpunkt der Diagnose wichtig?

Die Prognose des Makulaödems (insbesondere in Bezug auf das Syndrom) sind von Bedeutung. Je früher die Diagnose gestellt wird, desto schneller kann eine Therapie erfolgen und somit sind in der Regel auch schwerwiegende Folgen auszuschliessen. Die Heilungschancen sind in den meisten Fällen gut und wie bereits erwähnt, heilt dies von selbst auch wieder ab.

Zu Komplikationen beziehungsweise zum Irvine-Gass-Syndrom kann es kommen, wenn Vorerkrankungen wie Bluthochdruck und Diabetes mellitus vorliegen in diesen Fällen ist das Risiko für ein zystoides Makulaödem erhöht.

Wie erfolgt eine Untersuchung zur Diagnosestellung?

Wenn es vorher zu einer Katarakt-Operation gekommen ist und vielleicht sogar noch Vorerkrankungen bestanden, dann spricht vieles für das Irvine-Gass-Syndrom und damit weiss auch jeder Augenarzt, welche Untersuchungen vorzunehmen sind.

Es erfolgt ein Sehtest und eine Untersuchung mit der Spaltlampe (dies ist eine Art Mikroskop mit 40-facher Vergrösserung). Durch dieses Hilfsmittel kann die Netzhaut betrachtet werden und so wäre auch ein Makulaödem erkennbar beziehungsweise zu diagnostizieren.

Unter Umständen wird zusätzlich eine Ultraschalluntersuchung durchgeführt, dadurch kann das Augengewebe genauer betrachtet werden, allerdings wird diese Leistung von einigen Krankenkassen nicht übernommen. Diese OCT-Untersuchung ist jedoch hilfreich, um den Verlauf des Makulaödem genau zu kontrollieren.

Zusätzlich erfolgt möglicherweise auch durch Fluoreszeinangiografie eine Untersuchung der Blutgefässe und deren Funktion. Diese Untersuchung wird für gewöhnlich zur Planung einer Therapie oder zur Diagnose genutzt. Damit diese Therapie Erfolg hat, muss ein bestimmter Farbstoff über die Armvene verabreicht werden.

Wie erfolgt die Behandlung des Irvine-Gass-Syndroms?

Da wir bei der Entstehung des Irvine-Gass-Syndroms eine entzündliche Ursache vermuten, erfolgt die Behandlung mit antientzündlichen Augentropfen. In der Schweiz werden typischerweise Pred forte Augentropfen 1% 5x/Tag und Nevanac AT 0.1% 3x/Tag für das betroffene Augen verschrieben. Die Therapie besteht in den meisten Ländern aus einem kortisonhaltigen Augentropfen und einem nichtsteroidalen entzündungshemmenden Augentropfen.

Die Behandlung mit den zwei Tropfen wird in der Regel 2 Monate unverändert durchgeführt und ab dem 3. Monat wird die Tropffrequenz reduziert. Sollte die Erkrankung zurückkehren, kann die gleiche Tropftherapie erneut angewendet werden oder kortisonhaltige Spritzen oder Implantate können ebenfalls verabreicht werden (die Risiken müssen immer in Erwägung gezogen werden, wie zum Beispiel Augendrucksteigerung).

Kann ein zystoides Makulaödem vorgebeugt werden?

Da das zystoides Makulaödem für gewöhnlich nach einer Augenoperation auftritt, ist eine Voruntersuchung in jedem Fall wichtig. Diese Untersuchung bezieht sich auf mögliche Risikofaktoren, darunter fallen unter anderem:

  • Vorerkrankungen wie Bluthochdruck oder Diabetes mellitus
  • Diverse Medikamente (so auch Prostaglandin-Analoga bei Glaukom)
  • Bestimmte Augenvorerkrankungen (wie Entzündung der mittleren Augenhaut)
  • Anatomische Besonderheiten, welche die OP erschweren könnten

Je nach Fall muss eine intensive Kontrolle des Verlaufes geschehen, sodass die Entwicklung eines Makulaödem so früh wie möglich erkannt wird.

Zusammenfassung zum Irvine-Gass-Syndrom

Das Irvine-Gass-Syndrom kann plötzlich entstehen, allerdings ist je nach Risikofaktor hiermit auch zu rechnen. Der Mediziner beobachtet dabei den Verlauf gründlich und kann bei Diagnose sofort eine individuelle Therapie verschreiben. Unsere Augenarztpraxis in Opfikon (bei Zürich) hat sich auf diese Fälle spezialisiert.

Quellen