Augenherpes: Symptome und Behandlungen

Die Kernpunkte unseres Beitrags kurz aufgezählt:

  • Was sind Herpesviren?
  • Ist die Herpes-Infektion ansteckend?
  • Augenlidbeteiligung
  • Herpetische Bindehautentzündung
  • Herpes Keratitis (Hornhautentzündung)
  • Herpetische Uveitis
  • Herpes Zoster Ophthalmicus
  • Augenherpes bei Babys
  • Wie lange ist man ansteckend?
  • Bleiben betroffene lange arbeitsunfähig?
  • Generelle Therapieansätze, Vorbeugung und Erfahrungen

In allen Absätzen sind die Symptome, klinischen Zeichen, Diagnostik und die Therapien ausführlich beschrieben.

Augenherpes Oberlid

Herpes im Allgemeinen

Weniger als ein Prozent aller Augenerkrankungen geht auf eine Infektion mit Herpes-Viren zurück. Dabei tragen geschätzt mindestens 90% aller Erwachsenen einen Herpes-Virus im Organismus. 

Die Infektion mit Herpes-Viren findet meist schon im Kindesalter statt. Das Unangenehme an Herpes-Viren: Sie lassen sich niemals vollständig ausschalten. 

Stattdessen verkapseln sie sich vorzugsweise an Nerven-Knotenpunkten (Ganglien), wo sie schlummern, bis eine Lücke im Immunsystem sie wieder auf den Plan ruft.

Wer bereits einmal an einer durch Herpes-Viren ausgelösten Augenentzündung erkrankt war, muss mit einer Wiederholung rechnen und sollte beim geringsten Verdacht einen Augenarzt aufsuchen. 

Nur eine zeitnahe, gezielte Eindämmung der Viren-Aktivität und ihrer Folgen schützt vor bleibenden Schäden.

Welche Augenerkrankungen werden tatsächlich von Herpes-Viren ausgelöst, welche Konsequenzen ergeben sich daraus und wie lässt sich Augen-Herpes behandeln? Im Folgenden werden Augen-Infektionen durch Herpes im Detail erläutert.

Was ist das Herpesvirus und welche Typen gibt es?

Unter dem Begriff Herpes-Virus sind über 130 Mikroorganismen zusammengefasst. Nur wenige davon befallen Säugetiere oder den Menschen.

Etwa fünf Arten des Herpesvirus lassen sich bei etwa 90% aller Menschen nachweisen. Diese sind bekannt als

  • Herpes Simplex Viren (kurz HSV) Typ I und II, die Lippen- oder Genitalherpes auslösen können
  • Varicella Zoster Virus – der Auslöser von Windpocken und Gürtelrose
  • Epstein-Barr-Virus: Verantwortlich für das Pfeiffersche Drüsenfieber oder Mononucleose) und möglicherweise sogar einige Krebs-Arten
  • Humanes Herpes Virus (HHV)5 oder Cytomegalovirus: Seine Auswirkungen sind aktuell noch relativ unerforscht.

Typisch für Herpes-Infektionen sind wiederkehrende Erkrankungen und Phasen, in denen das Virus „ruht“ und sich nicht bemerkbar macht.

Wird der Virus aktiviert, beginnt er sich in den Nervenzellen zu replizieren (zu teilen und zu vermehren). Virionen (Virus-partikel) werden über die Nervenbahnen weiter verteilt. Das Immunsystem der betroffenen Hautareale reagiert mit Entzündungsprozessen oder Bläschen.

„Geweckt“ und aktiviert wird der in den Nervenbahnen oder Nervenknoten schlummernde Herpes-Virus beispielsweise durch

  • Lücken im Immunsystem
  • Stress
  • Hormonelle Veränderungen
  • die Einnahme bestimmter Medikamente, beispielsweise Kortison
  • die Einnahme von Immunsupressiva: Präparate, die das Immunsystem gezielt schwächen, beispielsweise nach einer Organtransplantation, um eine Abstossung des Fremdgewebes zu verhindern.

HSV I  und HSV II sowie der Herpes Zoster-Virus sind die Vertreter ihrer Art, die Gewebe und Strukturen am und im Auge befallen können.

Beinahe bei allen Menschen über 60 finden sich Antikörper gegen das Herpes Simplex Virus Typ 1 oder 2 im Ganglion Trigeminale, einem Nervenknoten in der Schädelhöhle. 

Die von hier aus abzweigenden Nervenstränge stehen unter anderem mit dem Auge in Verbindung. Wird das Virus aktiv, kann es beispielsweise

  • Bindehaut- und Augenlid-Entzündungen
  • Hornhaut-Entzündungen (Keratitis)
  • Entzündungen der Regenbogenhaut (vordere Uveitis/Iridozyklitis) und weiterer Strukturen im Auge

verursachen.

Wer bereits einmal an Windpocken oder Gürtelrose erkrankt war, trägt das Varciella Zoster-Virus in sich, ebenfalls einen möglichen Verursacher für die genannten Augenerkrankungen.

Herpesviren können ein Auge oder beide befallen. Häufig sind die Augenwinkel und Augenlider stark entzündet. Gelegentlich sind die präaurikulären Lymphknoten deutlich spürbar (Lage vor dem Ohrknorpel). Typisch sind Bläschen an den Augenlidern.

Ist die Infektion ansteckend?

Ja eine Herpes-Infektion ist ansteckend. Die Viren  können durch Tröpfcheninfektion (Atemluft) oder Schmierinfektion (durch direkten Kontakt mit Körperflüssigkeiten wie zum Beispiel Tränen oder Speichel) übertragen werden. 

Deswegen muss auf die Hygiene besonders geachtet werden. Betroffene dürfen kein gemeinsames Handtuch oder Kosmetikartikel benutzen.

Augenlidbeteiligung

Wer Kontaktlinsen benutzt, kennt das Phänomen häufig geschwollener Augenlider. Bei einigen Frauen treten Lidschwellungen innerhalb des Monatszyklus auf. 

Viele Menschen wachen am Morgen mit „dicken Augen“ auf – sobald der Kreislauf in Fahrt kommt, kling die Schwellung ab. Doch sobald die Schwellung länger anhält, ist eine Infektion zu vermuten, die behandelt werden muss. 

Entzündungen im Bereich der Augenlider durch Herpes Simplex oder Herpes Varicella Zoster sind relativ selten. 

Doch Patienten, die wissen, dass sie Herpes simples Typ I oder II oder Herpes Varicella Zoster in sich tragen, sollten entsprechende Symptome gut beobachten. 

Besonders auffällig und ein Hinweis auf eine Virus-Infektion ist es, wenn die Schwellung nur an einem Augenlid auftritt.

Alternative Auslöser können Hauterkrankungen wie Neurodermitis oder Rosazea sein. Auch bakterielle Erreger (Streptokokken, Staphylokokken) können über winzige Hautverletzungen zu Abszessen im Bereich des Auges führen. 

Gut bekannt und ebenfalls die Folge einer bakteriellen Infektion: Das Gerstenkorn am Auge. Bei Kindern spielen häufig Dellwarzen (Auslöser Molluscum-contagiosum-Virus) eine Rolle.

Die Infektion mit Herpes Simplex erfolgt häufig schon im Säuglingsalter. Herpes Simples Blepharitis oder Blepahrokonjunktivitis mit entzündeter Bindehaut bricht überwiegend bei Kleinkindern aus. Die im Lidbereich, vor allem am Lidrand entstehenden Bläschen sondern hochansteckende Flüssigkeit ab.

Die präaurikulären Lymphknoten sind deutlich geschwollen, die Bindehaut ist gerötet.

Die „Windpockenviren“ Herpes Varicella Zoster lösen bekanntermassen auch Gesichts- oder Gürtelrose aus. Werden sie aktiviert, können sie über den Trigeminus-Gesichtsnerv grosse Schmerzen und Entzündungen auslösen. 

Unterlid, Wangen, Oberlippe oder der Bereich um die Nase werden in Mitleidenschaft gezogen. Auch hier bilden sich nach etwa eine Woche Bläschen im betroffenen Bereich. Diese sind ansteckend, bis sie vollständig abgeheilt sind.

Ist das Augenlid betroffen, muss in jedem Fall der Augenarzt eingreifen: Die Entzündung sollte unter allen Umständen eingedämmt werden, bevor sie auf die inneren Strukturen des Auges übergreift (Herpes zoster ophtalmicus), denn dann wird auf Dauer sogar das Sehvermögen eingeschränkt.

Auch hier ist es generell notwendig, Entzündungshemmer, Schmerzmittel und Viren eindämmende Präparate einzusetzen.

Untersuchung beim Augenherpes

Herpes Konjunktivitis – durch Herpes verursachte Bindehautentzündung

Die Bindehaut (Konjunktiva) ist die Schleimhaut, die die Innenseite der Lider und den Aussenbereich des Augapfels „auskleidet“. Entzündet sie sich, zeigt sich dies in intensiver Rötung durch starke Durchblutung. 

Die Augenumgebung juckt und brennt, die Augen tränen: Die Folge der Absonderung von Eiweissstoffen. Die Augen können anschwellen und lichtempfindlich reagieren. 

Bindehautentzündungen können die unterschiedlichsten Ursachen haben. Die meisten sind harmloser Natur: Allergien, Reizung durch zu viel UV-Licht, Zugluft, zu trockene Augen (bei älteren Menschen), bakterielle Infektionen.

Doch insbesondere kleine Kinder ziehen sich häufig eine Konjunktivitis durch Viren zu.

Adenoviren erzeugen typischerweise eine erhöhte Lichtempfindlichkeit beider Augen und verstärkten Tränenfluss.

Herpesviren lösen überwiegend eine milde Bindehautentzündung auf nur einem Auge aus. Dabei ist oftmals auch die Umgebung der Augen mitbetroffen. 

Die Haut ist gereizt, gerötet und es bilden sich Bläschen. Als Auslöser kommen sowohl die Varciella Zoster- als auch die Herpes simplex-Viren in Frage.

Auch Bläschen und Papeln an der Bindehaut, kleine Erhebungen, die mit weissen Blutkörperchen (Lymphozyten) gefüllt sind, können auftreten.

Wird eine durch Herpes ausgelöste Bindehautentzündung vermutet, sollte der behandelnde Arzt die Ursachen immer gründlich abklären. 

Schreitet die Entzündung weiter fort, kann sie auf die Hornhaut übergreifen und hier eine stärkere dauerhafte Beeinträchtigung der Sehkraft auslösen.

Herpes Keratitis (Hornhautinfektion)

Eine virale Infektion der Hornhaut (Keratitis) wird durch Herpes Simplex Viren und Varicella Zoster Viren ausgelöst, wenn der Patient Träger der Herpesviren Typ I oder II oder Varicella Zoster Viren ist und verschiedene Faktoren diesen aktivieren:

  • Verstärkter Einfluss von UV-Strahlung
  • Grosse Hitze, beispielsweise auf einer Reise
  • Stress und traumatische Ereignisse
  • Menstruation oder grundsätzlich hormonelle Schwankungen
  • Alle Zustände, die das Immunsystem beeinträchtigen könnten
Ob diese Faktoren wirklich die Herpesviren reaktivieren ist unter den Experten umstritten. Viele Autoren unterstützen die Theorie der auslösenden Faktoren.
 
Herpes Simplex Typ I ist weitaus häufiger an einer Keratitis beteiligt als Typ II. Auch der Herpes-Typ Varicella Zoster kann eine Keratitis auslösen. Die Symptome sind ähnlich.
 

Symptome und klinische Zeichen

Ebenso wie bei der Herpes-bedingten Bindehaut-Entzündung tritt auch die Hornhaut-Entzündung oft nur auf einem Auge auf. 

Die präaurikularen Lymphknoten können spürbar anschwellen, die Haut rund um die Augen kann schmerzhafte Entzündungen und Bläschen entwickeln.

Die Hornhaut reagiert schwächer auf Schmerzreize als gewöhnlich. Praktisch immer entwickeln sich winzige Nervenzellfortsätze (Dendriten) in der obersten Hautschicht. 

Diese können sich zu winzigen Geschwüren auf der Hornhaut entwickeln.

Die dendritischen Figuren haben einen Endkolb. Dieser Endkolb ist bei der Herpes simplex Keratis deutlich grösser, als bei der Zoster Keratitis.

Die „trophischen Hornhautgeschwüre“ gehen auf eine Ernährungsstörung der Hornhaut zurück. In dieser Phase der Erkrankung sind bereits keine aktiven Viren mehr nachweisbar.

Herpes-bedingte Keratitis kann in mehreren Schweregraden auftreten: Die Hornhaut besteht aus drei Schichten, der Oberfläche (Epithel), dem Stützgewebe (Stroma) und der Innenschicht (Endothel). 

Unbehandelt, kann sich die Infektion in die tieferen Schichten ausbreiten und hier das Gewebe verändern und vernarben lassen. In diesen Fällen ist mit einer dauerhaften Beeinträchtigung des Sehvermögens zu rechnen. 

Insbesondere eine Stomakeratitis führt dazu, dass die Hornhaut aufquillt, sich eintrübt und sich feine Blutgefässe innerhalb der klaren Hornhaut bilden.

Die stromale Keratitis (Entzündung in der 3. Hornhautschicht) ist eine immunulogische Reaktion! Virostatika helfen hier nicht. Nur kortisonhaltige Augentropfen wirken bei der herpetischen stromalen Keratitis.

Wird auch die Regenbogenhaut (Iris) von der Entzündung mit erfasst, erhöht sich unter Umständen der Augeninnendruck: In diesem Stadium ist eine Therapie nur bedingt möglich. 

Das Gewebe wehrt sich spontan gegen den Entzündungsreiz und die Viren sind in diesem Stadium nur noch indirekte Verursacher.

Diagnose

Weitere mögliche Auslöser für eine Keratitis sind beispielsweise

  • bakterielle Infektionen,
  • Adenoviren (siehe Bindehautentzündung),
  • äussere Reizungen durch zu lang getragene weiche Kontaktlinsen,
  • Acanthamoeba (eine Parasitenart)

Diese gilt es bei der Diagnose auszuschliessen. Eine Untersuchung des Blutserums auf Virus-Antikörper ist wenig zielführend, da beinahe alle Erwachsenen bereits mit dem Herpesvirus in Kontakt waren und ihr Immunsystem reagiert hat. 

Eine Aussage über die akute Situation lässt sich auf diesem Weg nicht treffen.

Das klinische Bild mit den denritischen Figuren ist sehr charakteristisch für den Herpesvirusbefall der Hornhaut. Wenn die Läsionen punktförmig sind, ist es viel schwieriger das Herpesvirus zu erkennen.

Beim Zweifel kann eine Gewebeprobe der Kornea (Hornhaut) entnommen und  eingefärbt werden. Ist der Befund positiv, zeigen sich unter dem Mikroskop bestimmte Strukturen, die auf aktive Viren-Partikel hinweisen.

Neben der Färbung kann ein PCR das Vorhandensein von Herpesviren viel schneller nachweisen.

Therapie

Die übliche Behandlung erfolgt mit Virostatika für einen Zeitraum von zehn bis vierzehn Tagen. Die Medikamente können oral eingenommen oder als Tropfen oder Salbe direkt am Auge angewendet werden. 

Aciclovir und Ganciclovir Augensalben und Aciclovir und Valaciclovir Tabletten sind im deutschsprachigen Raum auf dem Markt.

Die äussere Anwendung muss nach der angegebenen Zeit abgebrochen werden, denn die Präparate sind auf Dauer toxisch (giftig) für die Hornhaut. 

Zeigt sich innerhalb einer Woche keine Besserung, muss eine exaktere Diagnose durchgeführt werden. Resistenzen oder andere Krankheitsursachen könnten die Ursache sein.

Herpes Keratitis

Herpes Uveitis

Eine Herpes Uveitis ist eine sehr ersnt zu nehmende Erkrankung. Die Herpesviren können eine vordere, eine intermediäre und eine hintere Uveitis verursachen.

Befallen sein können sowohl die äussere Regenbogenhaut (dann spricht der Arzt von Zilitis) als auch der Ziliarkörper des Auges. 

Bei einer Uveitis posterior sind die hinteren Strukturen des Auges, beispielsweise die Retina (Netzhaut), die Makula (die Stelle der Netzhaut mit der höchsten Zahl an Lichtrezeptoren) oder der Sehnerv selbst betroffen.

Die Symptome ähneln denen einer schweren Bindehautentzündung: Das Auge schmerzt, ist stark gerötet, ist sehr lichtempfindlich und sondert verstärkt Tränen ab. 

Typisch ist das „Fremdkörpergefühl“ im Auge, als wäre beispielsweise ein Sandkorn hineingeraten. Ist der hintere Bereich der Uveitis in Mitleidenschaft gezogen, leidet die Sehschärfe.

Ganz charakteristisch ist der Anstieg des Augeninnendruckes für eine Herpes Uveitis. Dies entsteht durch die Trabekulitis, das heisst, die Viren lösen ein Ödem bei den Abflusswegen des Kammerwassers und das Ödem blockiert die Aubflusslöcher. 

Das Kammerwasser kann aufgrund der blockierten Abflusswege nicht abfliessen und das zurückgestaute Kammerwasser erhöht den Augenruck drastisch.

Der hohe Augendruck kann durch die Verringerung der intraokularen Entzündung mit kortisonhaltigen Augentropfen gesenkt werden (neben der drucksenkenden Therapie).

Feine Beschläge treten bei der herpetischen Uveitis auf der Rückfläche der Hornhaut auf. Diese sogenannten Endothelbeschläge befinden sich diffus zerstreut auf der ganzen Hornhautrückfläche (Endothel) wie bei dem Fuchs-Uveitis-Syndrom. 

Bei den anderen Uveitisarten sammeln sich die Endothelbeschläge im unteren Drittel des Endothels, in dem sogenannten Artl’schen Dreieck.

Die Viren können eine heftige Regenbogenhautentzündung (Iridozyklitis) auslösen. Der Augenarzt sieht mit der Spaltlampe mehrere Vorderkammerzellen und Tyndall-Phänomen in der Vorderkammer.

Nach mehreren herpetischen Uveitiden zeigen sich sektorielle Verdünnungen in der Regenbogenhaut (wie „ausgefressen“).

Bei intensiven Entzündungen treten schaumartige, dicke Endothelbeschläge auf.

Die Herpes Uveitis ist über 90% der Fälle einseitig. Diese Information ist von grosser Beduetung bei der Abgrenzung der verschiedenen Uveitistypen.

Falls neben der Uveitis die Hornhaut mitbetroffen ist, spricht man von einer herpetischen Keratouveitis. In diesem Fall sind die typischen dendritischen Läsionen auf der obersten Schicht der Hornhaut (Epithel) zu sehen.

Systemische Virostatika wie Aciclovir oder Valaciclovir (Präparaten, die die Vermehrung der Herpes-Viren unterbinden) und kortisonhaltige Augentropfen (Prednison acetat 1%) werden gegen den Entzündungsprozess verabreicht. 

Die Kortisontropfen reduzieren die Uveitis und senken den Augendruck durch die Aufhebung der Trabekulitis (Endtzündung und Ödem der Abflussöffnungen).

Damit die Entzündung nicht zu einem Verkleben von Regenbogenhaut und Linse führt, verordnet der Arzt kurzfristig ein Mydriatikum, ein Mittel, das die Pupillen erweitert.

Es ist wichtig zu betonen, dass nur kurzwirksame Erweiterungstropfen eingesetzt werden, da eine dauerhafte Pupillenerweiterung (zum Beispiel mit Atropin) ebenfalls zur Bildung von Verklebungen (hintere Synechien) führen kann.

Herpes Zoster Ophthalmicus

Das Virus Herpes Zoster ist landläufig als der Verursacher der Gürtelrose oder Gesichtsrose bekannt. Er befällt Hautareale, die mit dem fünften Gehirnnerv in Verbindung stehen. 

Damit sind möglicherweise auch das Auge und dessen Umgebung betroffen. Das Virus überlebt im inaktiven Zustand in den spinalen (im Rückenmark liegenden) oder zerebralen (zum Gehirn führenden) Nervenbahnen.

Herpes Zoster Ophtalmicus ist eine Augenerkrankung, die ebenfalls durch Herpes-Zoster-Virus ausgelöst wird. Sie kann in jedem Lebensalter eintreten, sobald ein schlummernder Herpes-Virus „geweckt“ wird. 

Überwiegend ist sie aber eher bei älteren Patienten zu beobachten, und verläuft bei diesen deutlich aggressiver als beispielsweise bei Kindern.

Studien zeigen, dass die genetische Veranlagung für den Ausbruch eine Rolle spielt. Weitere Faktoren sind ein Lebensalter über 60, sowie ein geschwächtes Immunsystem. 

Patienten, die Immunsupressiva einnehmen (Medikamente, die etwa nach einer Organtransplantation das Immunsystem unterdrücken), sind gefährdeter als andere. Gleiches gilt für HIV-positive Patienten.

Symptome

Die Krankheit verursacht Kopfschmerzen, Übelkeit, Fieber und Entzündung der befallenen Hautareale im Bereich der Augen. Die dabei entstehenden Bläschen benötigen bis zu sechs Wochen, bis sie abheilen. 

Die Hautläsionen und Beschwerden treten beispielsweise im Einzugsbereich des Trigeminus-Nervs auf. Typisch sind schmerzhafte Entzündungen der Hornhaut, der Augenlider und der Stirn.

Die Herpes-Bläschen erscheinen nur auf der einen Stirn- und Gesichtshälfte und respektieren die Mittellinie des Gesichtes. 

Nicht nur die Hornhaut, auch die Regenbogenhaut kann sich entzünden (Iritis). Häufig steigt der Augeninnendruck (Trabekulitis).

Während eine Augeninfektion mit Herpes Simplex gelegentlich zu einer „Gefühllosigkeit“ der Hornhaut führt, sind starke Schmerzen und Unwohlsein ein Hinweis auf Herpes Zoster als Auslöser. 

Die Diagnose kann in der Regel anhand des klinischen Bildes gestellt werden.

Eine exakte Diagnose lässt sich am besten durch eine Gewebeprobe und eine Virenanzucht im Labor stellen.

Therapie und Heilungschancen

Die Therapie erfolgt mit hochdosierten Virostatika (Aciclovir oder Valaciclovir), die über einen Zeitraum von etwa 10 Tagen eingenommen werden müssen.

Entzündungshemmer und Schmerzmittel können oral eingenommen werden. Alternativ erfolgt die Anwendung in Form von Tropfen oder Salbe auf die betroffenen Hautpartien, auch am Auge. Im Bedarfsfall sind Präparate zur Senkung des Augeninnendrucks notwendig.

Auch nach Abheilen der akuten Infektion sind Nachkontrollen notwendig: Im Abstand von drei bis zwölf Monaten sollten der Augeninnendruck überprüft werden. Spuren von Grauem Star oder Narben in der Hornhaut können auf diesem Weg frühzeitig entdeckt werden.

Folgen der Hornhautentzündung durch das Herpes Zoster-Virus können Narben und die Verdünnung der Hornhaut sein. In einigen Fällen bilden sich Narben, die die Sehfähigkeit beeinträchtigen. In diesen Fällen haben sich Hornhaut-Transplantationen bewährt.

Auch Schäden an der Regenbogenhaut (Nekrose) oder Kataraktbildung (Grauer Star) machen chirurgische Eingriffe notwendig. Bis zur Ausheilung nach der Operation ist die Einnahme von Virostatika kombiniert mit Entzündungshemmern empfehlenswert.

Wird die Virus-Infektion der Hornhaut nicht rechtzeitig gestoppt, können Sehnerv, Regenbogenhaut und Hornhaut dauerhaft beschädigt werden. 

Besonders ältere Patienten tragen als Spätfolge immer wiederkehrende Nervenschmerzen davon. Auch die Sehfähigkeit selbst kann in Mitleidenschaft gezogen werden.

Eine Impfung gegen das Herpes-Zoster-Virus ist möglich und wird Patienten über 60 empfohlen. Studien ergaben, dass das Risiko einer Erkrankung um die Hälfte gesenkt werden kann, selbst bei Personen, die dem Virus bereits ausgesetzt waren und es in sich tragen.

Herpes um das Auge

Augenherpes bei Babys

Die Herpesviren können von der Mutter auf das Baby während der Schwangerschaft oder bei der Geburt übertragen werden. Aber die Infektion kann auch in den ersten Lebenswochen erfolgen.

Sehr häufig werden die neugeboregen Babys zu Hause von den neugierigen Familienmitgliedern und Verwandten durch Schmierinfektion oder Kontakt mit Speichel infiziert.

Die Babys haben beim Auftreten von Herpes die gleichen Symptome und klinischen Zeichen wie die Erwachsenen. Neben Hautauschlägen zeigt sich ein klannrotes, tränendes Auge. Bei einer Hornhautbeteiligung stellt der Kinderaugenarzt die charekteristischen dendritischen Läsionen fest.

Auch bei den Babys können tiefere Strukturen des Auges betroffen sein. Deswegen ist es enorm wichtig, bei Haut- und Augenveränderungen das Klindkind einem Augenspezialisten rechtzeitig zu zeigen. Die Behandlung erfolgt durch die gleichen antiviralen Medikamente wie bei den Erwachsenen. 

Eine herpetische Uveitis des kindlichen Auges ist sehr selten und muss sofort therapiert werden. Die Dosierung muss angepasst werden.

Damit die Kinder zu Hause nicht angesteckt werden, müssen die Eltern strikt auf die Hygiene achten. Gegensände und Türklinken müssen regelmässig desinfiziert werden, naher körperlicher Kontakt muss während der Infektion vermieden werden. Jedes Familienmitglied muss ein separates Handtuch im Badezimmer benutzen.

Wie lange bleibt man ansteckend?

Solange die aktiven Herpesbläschen an der Haut und die Hornhautentzündung und/oder die Bindehautentzündung vorhanden sind, bleiben die Patienten ansteckend. Aus diesem Grund müssen Betroffene während der Infektion strenge Hygieneregeln befolgen.

Die Flüssigkeit der herpetischen Bläschen und die Tränen enthalten eine eine grosse Virenmenge, die beim Kontakt mit Haut oder Auge sofort übertragbar sind.

Sobald die Hornhautläsionen zugeheilt, die Bindehautentzündung abgeklungen und die Bläschen vollständig verkrustet sind, verringert sich die Ansteckungsgefahr bedeutend.

Bleiben Herpespatienten lange arbeitsunfähig?

Eine Bindehautentzündung mit Herpesviren ist in der Regel kein grosses Problem. Sollte die Hornhaut und/oder das Augeninnere betroffen sein, brauchen die Patienten eine intensive Behandlung bis die Hornhautveränderungen und/oder die Irisentzündung komplett verschwinden. 

Aufgrund der oft schlechten Sehkraft, der heftigen Augenschmerzen und der Ansteckungsgefahr müssen die Patienten zu Hause bleiben. Der zuständige Arzt kümmert sich um die Krankschreibung.

Betroffene bleiben so lange arbeitsunfähig, bis sie eine einigermassen gute Sehschärfe zurückgewonnen haben und die Augenschmerzen und die Kopfschmerzen sie bei der Bewältigung der täglichen Aufgaben nicht mehr stören. 

In vielen Fällen können die Patienten nach 1-2 Wochen in die Welt der Arbeit zurückkehren. Die Medikamente müssen auch während der Arbeit regelmässig genommen werden, bis der behandelnde Arzt die Therapie stoppt.

Generelle Therapieansätze, Vorbeugung und Erfahrungen

Wer weiss, dass er Herpes-Träger ist, sollte bereits bei geringfügigen Anzeichen einer Entzündung im Augenbereich den Arzt aufsuchen. Je eher die Ausbreitung der Viren gestoppt werden kann, desto besser.

Ist der Entzündungsprozess bereits fortgeschritten, hilft oft nur die Einnahme von Kortison, um bleibende Schäden zu verhindern. Kortison hat jedoch den Nachteil, für sich bereits ein „Trigger“, ein Auslöser zur Aktivierung des Virus zu sein.

Andererseits hinterlässt ein ungebremster, fortschreitender Entzündungsprozess am oder im Auge zwangsläufig Schäden. Diese gilt es unter allen Umständen zu verhindern.

Kontakt mit Herpes-Viren lässt sich nur bedingt vermeiden – selbst äusserste Hygiene schützt nicht immer vor einer Ansteckung.

Damit die Viren sich nicht bemerkbar machen und aktiv werden, hilft es, das Immunystem nach Kräften zu unterstützen. Viele, auch alternativ-medizinische Ansätze beschäftigen sich mit diesem Thema.

Sollten Sie noch Fragen zum Thema Augenherpes haben oder Sie möchten Ihre Augen wegen einer früheren herpetischen Entzündung untersuchen lassen, können Sie sich gerne mit unserem Augenarzt in Zürich Opfikon in Verbindung setzen.

Augenarzt Dr. Nagy Autor

Autor:
Dr. med. (H) Richard Nagy, Facharzt für Ophthalmologie, FMH, FEBO

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