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Dr. Richard Nagy

Dr. med. (H) Richard Nagy, Facharzt für Augenheilkunde FMH, FEBO. Die Fachartikel auf meiner Webseite entsprechen dem aktuellen Stand der Wissenschaft! Alle Quellen finden Sie am Ende das jeweiligen Artikels.
Augenherpes-Oberlid

Einführung

Augenherpes ist eine Infektion des Auges durch den Herpesvirus, welcher insbesondere die Augenlider, die Bindehaut und die Hornhaut befällt. Es handelt sich dabei um denselben Herpesvirus, welcher insbesondere am Mund entsteht. Der Herpes-simplex-Virus Typ 1 am Auge ist jedoch nicht so harmlos! In diesem Ratgeber geht es darum, wie es zur Infektion kommt, mögliche Symptome und wie das Virus und dessen Begleiterscheinung behandelt werden.

Über Herpes im Allgemeinen

Weniger als ein Prozent aller Augenerkrankungen geht auf eine Infektion mit Herpes-Viren zurück. Dabei tragen geschätzt mindestens 92% aller Erwachsenen einen Herpes-Virus im Organismus.

Die Infektion mit Herpes-Viren findet meist schon im Kindesalter statt. Das Unangenehme an Herpes-Viren: Sie lassen sich niemals vollständig ausschalten. 

Stattdessen verkapseln sie sich vorzugsweise an Nerven-Knotenpunkten (Ganglien), wo sie schlummern, bis eine Lücke im Immunsystem sie wieder auf den Plan ruft.

Wer bereits einmal an einer durch Herpes-Viren ausgelösten Augenentzündung erkrankt war, muss mit einer Wiederholung rechnen und sollte beim geringsten Verdacht einen Augenarzt aufsuchen.

Was ist Augenherpes?

Durch den Typ 1 kommt es zu einem Befall im Gesicht, dieser wirkt sich am Mund aus oder in anderen Gesichtspartien, wie beispielsweise an der Nase. In seltenen Fällen kann der Virus Hornhaut und Bindehaut des Auges befallen. Dies nennt sich „Herpes corneae“ oder „Keratokonkunktivits“.

Es gibt verschiedene Arten einer Herpes-Infektion am Auge, dies definiert sich auch dadurch, wie tief die Herpes-simplex-Infektion in das Auge eindringt. Zwischen folgendes wird unterschieden:

  • Keratitis disciformis (auch: stromale Keratitis), welche in die tiefen Hornhautschichten eindringt.
  • Keratitis dendritica (oder: epithealiale Keratitis), welche lediglich die Oberfläche befällt.

Augenherpes sollte in jedem Fall behandelt werden, denn ohne augenärztliche Behandlung könnte diese Infektion sogar zur Erblindung führen. Sollte es bereits zu Symptomen einer Augenherpes-Infektion kommen, dann sollte bereits ein Facharzt aufgesucht werden, nur so entstehen keine weiteren Schäden.

Eine weitere Gefahr ergibt sich durch den Varizella-Zoster-Virus, welcher auch für Gürtelrose (Herpes zoster) und Windpocken verantwortlich ist. Wenn die Augen betroffen sind, nennt sich dies „Zoster ophtalmicus“ und muss ebenfalls augenärztlich untersucht werden.

Welche Symptome hat Augenherpes?

Wenn eine Herpesvirus Infektion am Auge besteht, dann wird sich dies durch folgende Symptome zeigen:

  • Sehr auffällige Rötung des Auges
  • Fremdkörpergefühl im Auge
  • Brennen oder Jucken am Auge
  • Vermehrter Tränenfluss
  • Sehverschlechterung
  • Lichtempfindlichkeit
  • Verminderte Sensibilität der Hornhaut
  • Eventuell erhöhter Augeninnendruck
  • Selten: Verklebte Augen

Ein weiteres Symptom könnte sein, dass sich auf dem Augenlid die für Lippenherpes typischen Bläschen entwickeln, diese ähneln einem Gerstenkorn (Hordeolum) und entsteht durch eine Entzündung der Drüsen, die sich auch im Augenlid befinden. Diese Entzündung entsteht durch Bakterien, weshalb sich auch Eiter bilden wird.

Die Symptome entwickelt sich je nach Ausprägung der Infektion am Auge. Die Symptome sind beinahe der einer Bindehautentzündung identisch, weshalb bei der Diagnose genau hingesehen werden sollte. Patienten verwechseln häufig eine Bindehautentzündung mit Augenherpes.

Welche Ursachen hat Augenherpes?

Die Ursache für Augenherpes ist das sogenannte Herpes-simplex-Virus, hiermit kommen die meisten Menschen bereits im Kindesalter in Berührung. Dieser Virus wird durch Tröpfchen- und Schmierinfektion übertragen, wie zum Beispiel auf Gegenständen, durch direkte Berührung oder durch Speichel. Eine Infektion wird bei den meisten jedoch unbemerkt geschehen, da nicht unbedingt hieraus Infektionen resultieren. Das Virus kann eine lange Zeit in den Nervenzellen verbleiben, bis es irgendwann aufgrund von bestimmten Voraussetzungen ausbricht.

Eine dieser „bestimmten“ Voraussetzungen ist dabei ein geschwächtes Immunsystem. Das kann durch psychischen Stress, Trauer, Angst oder durch Überforderung resultieren. Jedoch aber auch durch eine Grippe, Fieber sowie einer anderen Erkrankung oder Infektion. Bei Frauen stellt sich auch ein höheres Risiko bei einer hormonellen Veränderung, wie es bei einer Schwangerschaft oder einer Menstruation der Fall wäre.

Berücksichtigt werden muss auch, dass Lippenherpes durchaus auch eine Herpesinfektion am Auge begünstigt. Der häufigste Übertragungsweg sind dabei die Finger, wenn der Betroffene am Herpes kratzt und sich dann ins Auge fasst. Bei einem Säugling könnte der Herpesvirus sogar während der Geburt innerhalb der Passage durch den Geburtskanal von der Mutter übertragen werden. Bei Neugeborenen können auch Streptokokken oder Chlamydien eine Bindehautentzündung verursachen.

Untersuchung-beim-Augenherpes

Wie verläuft eine Herpesinfektion im Auge?

Eine Infektion mit Herpes am Auge kann in der Regel nicht von allein heilen, wobei der Heilungsprozess an sich trotz Behandlung etwa vier Wochen in Anspruch nehmen kann. Sollte die Erkrankung nicht behandelt werden, wird die Infektion weiter voranschreiten und die tiefer liegenden Schichten befallen.

In der Regel wird auch die Hornhaut befallen und unter Umständen kann es dann auch zu einer Entzündung der Netzhaut kommen, dies ist aber sehr selten. Wenn es jedoch dazukommt, dann wird sich das Sehvermögen erheblich verschlechtern oder halbseitig gänzlich ausfallen (Fachbegriff: Hemianopsie). Neben der Hornhaut können auch andere Sektoren im Auge betroffen sein:

  • Bindehaut (Konjunktivitis)
  • Lider (Blepharitis)
  • Uvea oder mittlere Augenhaut (Herpes-assoziierte Uveitis)

Das bereits angesprochene Varizella-Zoster-Virus kann ebenfalls die Augen betreffen und dieses wirkt sich in der Regel immer auf die Hornhaut aus, jedoch aber genauso auch auf die Regenbogenhaut, auf den Sehnerv und auf die Netzhaut.

Welche (Spät-)folgen hat Herpes im Auge?

Eine Infektion mit Augenherpes kann erhebliche Folgen haben, so zum Beispiel:

  • Vernarbung oder eine dauerhafte Schädigung der Hornhaut
  • Starke Einschränkung des Sehvermögens bis zur Erblindung
  • Bildung von Geschwüren auf der Hornhaut
  • Mikroben Ansiedlung für weitere Infektionserreger
  • Anstieg des Augeninnendrucks, dadurch erhöhte Gefahr für Glaukom

Sobald die ersten Symptome auftreten wie juckende oder brennende Augen, sollte unbedingt ein Augenspezialist aufgesucht werden. Dieser wird dann eine weitere Ausbreitung der Erkrankung durch gezielte Behandlung verhindern. Sehr gerne können Sie für einen Termin auch unsere Praxis anfragen, wir stehen telefonisch oder via E-Mail zur Verfügung.

Herpes-Keratitis

Viren können die Hornhaut schädigen

Die Ernsthaftigkeit dessen wird insbesondere dann bewusst, wenn berücksichtigt wird, dass Viren die Hornhaut schädigen können. Im Auge selbst wird für gewöhnlich die äussere Schicht infiziert, die sogenannte Epithel oder auch die innere Schicht (Endothel) der Hornhaut. Der Körper wird mit einer Immunantwort reagieren, welche jedoch die Hornhaut ebenfalls schädigen wird.

Somit ist es unangemessen, dass eine Virusinfektion am Auge unterschätzt wird. Die Hornhaut ist sozusagen die Windschutzscheibe des Auges und ist dafür zuständig, dass das Innere eines Auges geschützt wird. Augenherpes ist jedoch heimtückisch, denn eine Infektion lässt sich von aussen nur sehr schwer erkennen – für einen Laien ist es sogar fast unmöglich.

Wie wird die Diagnose gestellt?

Am Anfang der augenärztlichen Untersuchung wird Ihnen der Augenarzt diverse Fragen zu Vorerkrankungen, Symptome oder mögliche Verletzungen am Auge fragen. Anschliessend wird eine umfangreiche Untersuchung geschehen. Dabei könnte es zu diesen Untersuchungsmethoden kommen:

  • Hornhaut- und Bindehautabstriche
  • Anfärben der Epitheldefekte mit Fluoreszenzlösung (dendritische Figuren sind typisch)
  • Spaltlampenmikroskop: Das Auge wird mit hoher Vergrösserung mit Beleuchtung innerhalb eines spaltförmig gebündelten Lichtstrahl untersucht (diffuse Endothelbeschläge sind charakteristisch wie bei dem Fuchs-Uveitis-Syndrom)
  • Sensibilitätsprüfung durch eine kurze Berührung der Hornhaut, so beispielsweise mit einem Wattebausch oder einem Ästhesiometer

Möglicherweise kann es auch zu einer Entnahme einer sehr winzigen Gewebeprobe der Hornhaut kommen oder einer Probenentnahme von Kammerwasser (aus der vorderen Augenkammer). Das ist jedoch sehr selten.

Herpes-um-das-Auge

Augenherpes bei Babys

Die Herpesviren können von der Mutter auf das Baby während der Schwangerschaft oder bei der Geburt übertragen werden. Aber die Infektion kann auch in den ersten Lebenswochen erfolgen.

Sehr häufig werden die neugeboregen Babys zu Hause von den neugierigen Familienmitgliedern und Verwandten durch Schmierinfektion oder Kontakt mit Speichel infiziert.

Die Babys haben beim Auftreten von Herpes die gleichen Symptome und klinischen Zeichen wie die Erwachsenen. Neben Hautauschlägen zeigt sich ein klannrotes, tränendes Auge. Bei einer Hornhautbeteiligung stellt der Kinderaugenarzt die charekteristischen dendritischen Läsionen fest.

Auch bei den Babys können tiefere Strukturen des Auges betroffen sein. Deswegen ist es enorm wichtig, bei Haut- und Augenveränderungen das Klindkind einem Augenspezialisten rechtzeitig zu zeigen. Die Behandlung erfolgt durch die gleichen antiviralen Medikamente wie bei den Erwachsenen. 

Eine herpetische Uveitis des kindlichen Auges ist sehr selten und muss sofort therapiert werden. Die Dosierung muss angepasst werden.

Damit die Kinder zu Hause nicht angesteckt werden, müssen die Eltern strikt auf die Hygiene achten. Gegensände und Türklinken müssen regelmässig desinfiziert werden, naher körperlicher Kontakt muss während der Infektion vermieden werden. Jedes Familienmitglied muss ein separates Handtuch im Badezimmer benutzen.

Kann eine Herpesinfektion vorgebeugt werden?

Eine Herpesinfektion wird meistens unbewusst von den Lippen zu den Augen getragen. Wenn Sie Bläschen an der Lippe feststellen, dann sollten diese nicht aufgekratzt werden. Schon gar nicht sollte sich danach an das Auge gefasst werden, denn so ist eine Infektion beinahe vorprogrammiert.

Achten Sie daher verstärkt auf Hygiene und fassen Sie sich nie in die Augen, denn die Hände sind ein sehr häufiger Übertragungsweg. Sollte eine Infektion vorliegen, dann sollte die Familie vor einer Ansteckung geschützt werden. Benutzen Sie in diesem Fall stets eigene Handtücher und eigene Hygieneartikel jeder Art, sodass das Virus nicht weiterverteilt wird.

Gegen das Herpes zoster wird übrigens im Kindesalter bereits geimpft. Sollte eine Impfung nicht geschehen sein, dann könnten Sie das Virus bereits in sich tragen ohne jegliche Symptome. Ein späterer Ausbruch ist nicht selten und wird insbesondere durch psychische Belastungen ausgelöst. Um einem Ausbruch entgegenzuwirken, sollte sich stets darum gekümmert werden, das Immunsystem zu stärken – so wird auch die Gefahr anderer Infektionskrankheiten minimiert.

Hat die Erkrankung eine Inkubationszeit?

Augenherpes hat eine Inkubationszeit, jedoch variiert diese stark. Der Herpes Zoster des Auges zeigt für gewöhnlich eine Inkubationszeit zwischen 7 und 18 Tagen. Eine Reaktivierung einer bestehenden Infektion mit dem Virus ist erneut ebenfalls möglich, da die Viren über Jahre hinweg in den nervalen Strukturen verharren können. Wenn das Immunsystem erneut schwach ist, wird die Krankheit erneut ausbrechen.

Ähnlich verhält es sich mit dem Herpes-simplex-Virus Typ 1, denn eine Manifestation der Augen geschieht meist nach einer bereits bestehenden Infektion mit diesem Virus, dadurch ist es beinahe unmöglich hierfür eine Inkubationszeit zu definieren.

Wie wird Augenherpes behandelt?

Nach der augenärztlichen Untersuchung wird der Arzt entweder eine Augensalbe oder Augentropfen gegen die Herpesinfektion verschreiben. Zusätzlich könnte auch eine systemische Therapie mit Tabletten verschrieben werden, welche das sogenannte Virustatika enthält. Diese Wirkstoffe bekämpfen Viren im Körper zuverlässig, hierzu gehören folgende:

  • Ganciclovir
  • Aciclovir
  • Trifluorthymidin
  • Trifluidin / Idoxuridin

Sollte zusätzlich zu Augenherpes auch eine bakterielle Infektion entstanden sein, dann könnten auch antibiotische Augentropfen verschrieben werden, diese helfen jedoch nicht gegen das Virus. Die Behandlung kann dann bis zu vier Wochen in Anspruch nehmen, jedoch mindestens zwei Wochen. Es hängt davon ab, welchen Heilungsverlauf die Krankheit nimmt. Verschlimmert werden könnte es durch mangelnde Hygiene.

Eine Eigenbehandlung sollte in diesem Zusammenhang nicht geschehen, denn wirksame Hausmittel gegen Augenherpes gibt es nicht. Sie können jedoch zusätzlich zur Behandlung eines Arztes für Besserung sorgen:

  • Augen schonen, so beispielsweise die Bildschirmarbeit verringern.
  • Direkte Sonnenbestrahlung grundsätzlich meiden und Augen mit einer Sonnenbrille schützen sowie Stresssituationen komplett ausweichen + Zeit nehmen für Entspannungsübungen.
  • An Hygienevorschriften halten und Waschlappen sowie Handtücher heiss waschen, um das Virus abzutöten. Bei jedem Waschgang wird idealerweise auch ein Hygienespüler eingesetzt.

Welche Folgen hat eine Infektion für den Beruf?

Eine Verbreitung dieses Virus geschieht schnell, denn es ist sehr ansteckend. Die Gesundheit sollte daher auskuriert werden, und zwar zu Hause, denn die Gefahr ist gross, dass dies an Kolleginnen und Kollegen in der Arbeit weitergegeben wird. Sollte es zusätzlich zu einer Beeinträchtigung der Sehleistung oder zu sehr starken Schmerzen kommen, dann wird der Arzt sowieso eine Krankschreibung ausfüllen.

Entsteht Herpes im Auge durch einen Mundschutz?

Der Mundschutz ist durch die Maskenpflicht allgegenwärtig und nach der Überwindung der Pandemie werden Umfragen zufolge viele Menschen weiterhin eine Maske verwenden, um sich gegen Infektionen zu schützen. Doch kann Augenherpes durch einen Mundschutz resultieren?

Rein theoretisch ist eine Infektion an den Augen nur dann möglich, wenn bereits aktive Herpesbläschen an der Lippe entstanden sind. Jedoch sagen Mediziner, dass dies sehr unwahrscheinlich ist. Bisher gab es keinen solchen Fall und auch Studien zu dieser Problematik gibt es nicht.

Wie verbreitet ist Herpes in der Schweiz?

Es wird geschätzt, dass etwa 80 bis 90 Prozent der Erwachsenen den Herpes-simplex-Virus Typ 1 in sich tragen, dieser wird dann über den Gutenachtkuss von den Eltern auch an die Kinder weitergegeben. Häufig werden die Lippen infiziert, denn eine Infizierung an den Augen ist eher selten.

Quellen