lidrandentzuendung

Was ist eine Lidrandentzündung?

Die Lidrandentzündung ist eine häufig auftretende Augenerkrankung. Sie entsteht durch die Verstopfung der Ausgangswege der Meibomdrüsen. Dabei handelt es sich um Talgdrüsen, die sich auf der Innenseite des oberen und unteren Lidrands befinden. Insgesamt sind pro Auge rund 70 dieser Drüsen angelegt. Sie produzieren eine ölige Flüssigkeit, die sich als äussere Schicht auf den Tränenfilm legt – die sogenannte Lipidschicht. Dieser Schutzfilm sorgt dafür, dass die Tränenflüssigkeit nicht verdunstet und das Auge mit Feuchtigkeit versorgt wird. Sie bilden eine Schutzschicht auf der Augenoberfläche. Zudem schützt die Lipidschicht vor Verunreinigung und kleineren Verletzungen des Auges.

Sind die Ausgangswege der Meibom-Drüsen verstopft oder ist die Drüsensekretion anderweitig gestört, so fehlt dem Tränenfilm die stabilisierende Schicht. Das Augenlid reibt bei jedem Lidschlag direkt auf dem Augapfel und es kommt zu einer Reizung der Augenoberfläche. Es kommt zum Austrocknen des Auges, einer permanenten Reizung des Augapfels durch den Lidschlag und zur Blepharitis. Häufig wird die Erkrankung von Verkrustungen, Schuppenbildung und einem Fremdkörpergefühl begleitet. Augenbrennen, Rötung, verstärkter Tränenfluss, leichte Schwellungen sowie rasche Ermüdung der Augen sind weitere Zeichen einer Blepharitis.

Nicht zu verwechseln ist die Erkrankung mit dem Hagelkorn: Während sich die Lidrandentzündung über den gesamten Bereich der Augenlider bzw. Lidränder erstreckt, tritt das Hagelkorn als schmerzlose und punktuelle Schwellung am Lidrand auf, hervorgerufen durch den Verschluss einer einzelnen Talgdrüse. Dies ist auch beim Gerstenkorn der Fall, allerdings kommt hier eine schmerzhafte Entzündung hinzu, die meist bakteriell bedingt ist.

Auch die Lidrandentzündung kann durch eine bakterielle oder virale Infektion ausgelöst werden. Ebenso tritt sie in Verbindung mit begleitenden Grunderkrankungen oder infolge äusserer Reize auf. Die Erkrankung kann einen akuten oder chronischen Verlauf nehmen, ist jedoch medikamentös und/oder durch sorgfältige Pflegemassnahmen in der Regel gut zu behandeln.

Ursachen der Lidrandentzündung

Die Blepharitis kann verschiedene Ursachen haben. Dazu gehört die Neigung zu übermässiger Talgproduktion, wodurch die Ausführungsgänge der Meibomdrüsen besonders leicht blockiert werden. Überschüssiges Sekret lagert sich am Lidrand bzw. Lidkante ab, was wiederum zu neuen Verstopfungen führt. Bei den Betroffenen zeigen sich oftmals begleitende Erkrankungen wie Neurodermitis, Akne, Granulomatose oder Rosazea. Auch Schilddrüsenstörungen, Rheuma und Diabetes begünstigen eine Lidrandentzündung.

Doch nicht immer sind Vorerkrankungen an einer Blepharitis beteiligt. Vielmehr treten in den meisten Fällen Staphylokokken als Verursacher auf. Die kugelförmigen Bakterien besiedeln auch bei gesunden Menschen die Hautflora. Dringen sie ins Lid ein, können sie eine zunehmende Verdickung des Meibom-Drüsen-Sekrets auslösen, die letztlich in einer Verstopfung mündet.

Auch das Herpesvirus kann Lidrandentzündungen verursachen. Nach einer akuten Infektion, erkennbar an schmerzhaften Bläschen zumeist im Mund- oder Genitalbereich, verbleibt das Virus in den Nervenenden des Körpers und kann zu einem späteren Zeitpunkt erneut aktiv werden. Gelangen Herpesviren in den Bereich des Auges, können sie eine Blepharitis hervorrufen. Zu den infektiösen Verursachern der Erkrankung zählen des Weiteren die Erreger der Windpocken sowie Filzläuse. Letztere sind jedoch nur selten die Ursache einer Blepharitis.

Neben einer erhöhten Talgproduktion, bestimmten Vorerkrankungen sowie Viren und Bakterien können äussere Reize zu Lidrandentzündungen führen. Dazu zählen Staub und Rauch, Hitze, Kälte und Wind, der Umgang mit Chemikalien sowie das Benutzen von Kosmetika, Pflegeprodukten und Kontaktlinsen. Auch Klimaanlagen, trockene Luft in der Heizperiode, einseitige Ernährung sowie hormonelle Veränderungen kommen als Verursacher in Frage.

Symptome der Blepharitis

Die Symptome einer Lidrandentzündung entwickeln sich meist schleichend und über einen längeren Zeitraum hinweg. Oft treten die Beschwerden zunächst einseitig auf und greifen später auf das andere Auge über.

Zu den typischen Anzeichen zählen Verklebungen und Verkrustungen der Wimpern, die meist morgens zu beobachten sind. Zudem kann es zur Ablagerung von Schuppen auf den Augenlidern kommen. Ebenfalls häufig sind juckende Augen und/oder brennende Augenlider sowie ein Fremdkörpergefühl im Auge. In manchen Fällen kommen leichte Lidschwellungen sowie der partielle Verlust von Wimpern hinzu.

Insgesamt sind die Symptome jenen des trockenen Auges recht ähnlich. Einerseits leidet das Auge unter Feuchtigkeitsmangel, andererseits stellt sich bei Betroffenen zugleich ein vermehrter Tränenfluss ein. Auch Sehschwankungen, erhöhte Lichtempfindlichkeit und die Intoleranz von Wind zählen zum typischen Krankheitsbild. Da die fehlende oder mangelhafte Lipidschicht des Tränenfilms zur permanenten Reizung des Augapfels durch den Lidschlag führt, kann es zur Hornhautschädigung kommen. In diesem Fall tritt zusätzlich eine oftmals schmerzhafte Rötung des Auges auf.

Diagnostik

Bei Verdacht auf eine Lidrandentzündung ist der Besuch einer Praxis für Augenheilkunde dringend anzuraten. Hier werden bei einer ausführlichen Anamnese (Aufnahme der Symptome und der Krankheitsgeschichte) mögliche Ursachen von einem Augenarzt erfasst, etwa die Neigung zu übermässiger Talgproduktion oder relevante Vorerkrankungen.

Der Anamnese folgt die Untersuchung der Augen. Zwar wird das Vorliegen einer Blepharitis meist schon durch blosse Betrachtung diagnostiziert, doch erst durch die sorgfältige Untersuchung kann der Grad der Entzündung konkret bestimmt werden. Dazu werden die Lidinnenseiten begutachtet. Zudem wird mittels Spaltlampe untersucht, ob die Hornhaut bereits in Mitleidenschaft gezogen wurde.

Im letzten Schritt wird entlang des Lidrandes ein Abstrich genommen, um eine bakterielle oder virale Beteiligung per Laboruntersuchung festzustellen bzw. auszuschliessen. Dies ist wichtig, um eine gezielte Behandlung einzuleiten und die Ursache der Entzündung effektiv zu beseitigen.

Behandlung der Blepharitis

Die Behandlung der Blepharitis besteht aus konsequenter Lidrandhygiene, die beim Vorliegen infektiöser Auslöser medikamentös unterstützt wird.

Wird bei der Laboruntersuchung eine bakterielle Ursache der Entzündung festgestellt, so kommen antibiotische Augentropfen oder eine entsprechende Augensalbe zum Einsatz. Im Einzelfall kann die Behandlung mit einer Kortison-Salbe bzw. mit einem antibiotischen, kortisonhaltigen Kombinationspräparat erfolgen. Antibiotika in Tablettenform werden bei der Erkrankung nur selten verschrieben. Dagegen ist die orale Einnahme von Virostatika bei virusbedingten Erkrankungen die Regel. Im eher seltenen Fall von Filzläusen als Auslöser einer Blepharitis wird mit Pilocarpin-Öl oder einer Salbe mit geringem Quecksilberanteil behandelt.

Besteht der Verdacht, dass die Lidrandentzündung in Verbindung mit anderen Erkrankungen wie Diabetes, Rheuma oder Neurodermitis auftritt, ist es wichtig, die Grunderkrankung mit zu behandeln, da ansonsten mit wiederkehrenden Schüben zu rechnen ist.

Beim Vorliegen einer Talgdrüsen-Überproduktion oder unvermeidlichen Auslösern (Empfindlichkeit gegenüber bestimmten Wetterlagen, Klimaanlagen etc.) ist von einem chronischen Verlauf auszugehen. Regelmässige Lidrandhygiene reduziert die Wahrscheinlichkeit dafür allerdings bedeutend.

In der akuten Entzündungsphase sollte auf Kontaktlinsen und Augen-Make-up möglichst verzichtet werden. Nach Abklingen der Symptome ist auf akribische Kontaktlinsenreinigung und sorgfältiges Abschminken zu achten.

Auch bei konsequenter Durchführung der Behandlung kann es einige Wochen dauern, bis sich eine deutliche Besserung einstellt. Um sie nicht zu gefährden, darf die Pflege nach den ersten Erfolgen nicht vernachlässigt werden.

Die Lidrandhygiene (Lidrandpflege) zielt darauf ab, die Ausführungsgänge der Drüsen von Verstopfungen zu befreien, Verkrustungen auf und am Augenlid zu lösen sowie die Meibom-Drüsen zur Lipidproduktion anzuregen. Dadurch verbessert sich die Qualität des Tränenfilms. In der akuten Entzündungsphase ist es ratsam, die Pflege zweimal täglich durchzuführen. Nach Absprache mit dem Arzt können die Intervalle nach Abklingen der Symptome verlängert werden. Die Durchführung der Lidrandhygiene verläuft folgendermassen:

Verflüssigung des Drüsensekrets

Die Verstopfungen innerhalb der Drüsen bzw. Drüsengänge werden mit Wärme gelöst. Dazu sind feuchtwarme Wattepads geeignet, die mit heissem Wasser oder Schwarztee getränkt und bis zu 15 Minuten auf die geschlossenen Lider aufgelegt werden. Die Temperatur sollte zwischen 38 und 45 Grad Celsius betragen. Die Wärme wird gut erhalten, wenn oberhalb der Wattepads eine Wärme-Gel-Maske platziert wird.

Alternativ kann eine zehnminütige Bestrahlung durch eine Infrarotlampe im Abstand von 30 Zentimetern durchgeführt werden. Ausserdem sind im Handel professionelle Thermobrillen mit integrierten Einlagen erhältlich, die via Stromzufuhr erwärmt werden.

Lidmassage

Im zweiten Schritt wird das verflüssigte Drüsensekret vorsichtig ausgestrichen. Dazu bei geschlossenem Auge das obere Augenlid mehrfach von oben nach unten und von aussen nach innen massieren. Den Vorgang am unteren Augenlid wiederholen; hier wird von unten nach oben massiert.

Lidreinigung und -pflege

Zur Entfernung des gelösten Sekrets vom Lidrand sind spezielle Produkte zur Lidrandreinigung und Pflege der Lidkanten besser geeignet als Wasser, da das Meibom-Lipid wasserabweisend ist. Die Reinigungsprodukte sind als Lotionen, Gele oder einzeln verpackte Tücher erhältlich.

Zur Lidrandreinigung und Lidrandpflege gibt man die Flüssigkeit auf ein Wattepad und streicht damit von oben nach unten über die geschlossenen Lider. Die Lidränder werden leicht vom Augapfel gezogen und mit einem getränkten Wattestäbchen gereinigt. Anschliessend die Lider mit Wasser abspülen oder mit einem angefeuchteten Wattepad darüberwischen.

Auch zur Linderung akuter Beschwerden gibt es spezielle Augensalben und Tropfen, die nach der Lidhygiene am Lidrand aufgetragen werden und eine beruhigende Wirkung entfalten. Bei regelmässiger Anwendung helfen sie, erneuten Lidrandentzündungen vorzubeugen.

Benetzung

Die Zeit bis zum Eintreten der ersten Behandlungserfolge kann mit einem Tränenersatzmittel überbrückt werden. Es lindert die Beschwerden und gleicht den instabilen Tränenfilm aus. Tagsüber ist ein dünnflüssiges Präparat in Form von Augentropfen empfehlenswert, da die Sicht damit kaum beeinträchtigt wird. Nachts können dickflüssigere Präparate angewendet werden, die weniger rasch verdunsten.

Prognose

Bei konsequenter und fachgerechter Behandlung kann eine akute Lidrandentzündung meist innerhalb einiger Wochen kuriert werden. Eine Chronifizierung der Erkrankung kann sich dagegen als hartnäckig erweisen. Hier ist die begleitende Behandlung möglicher Grunderkrankungen ebenso wichtig wie die geduldige und sorgfältige Lidrandhygiene. Auch bei der Veranlagung zu übermässiger Talgproduktion ist die regelmässige Pflege die wichtigste Massnahme, um wiederkehrende Episoden zu vermeiden. Zudem ist es ratsam, im Umgang mit Kontaktlinsen sowie Augen-Make-up auf akribische Hygiene zu achten. Zur Vorbeugung ist zudem die regelmässige Anwendung spezieller Produkte zur Pflege des Lidrands ratsam.

In seltenen Fällen kann eine Lidrandentzündung zu bakteriell bedingten Abszessen und tiefen Hautverletzungen führen. Bleibt die Komplikation unbehandelt, kann das bei der Wundheilung entstehende Narbengewebe eine Fehlstellung der Augenlider verursachen.

Fazit

So häufig Lidrandentzündungen auftreten, so gut sind sie in der Regel zu behandeln. Dabei ist die regelmässige und sachgerechte Lidrandhygiene besonders wichtig. Je nach Auslöser ist eine begleitende medikamentöse Therapie und/oder zeitgleiche Behandlung einer Grunderkrankung vonnöten.

Bei Verdacht auf eine Blepharitis ist der frühzeitige Besuch einer augenärztlichen Praxis anzuraten. Nach ausführlicher Anamnese und Untersuchung werden sowohl die auslösenden Faktoren als auch die Störung selbst fachgerecht behandelt. Dies sorgt für eine zügige Linderung der Beschwerden und wirkt einer Chronifizierung des Krankheitsbilds entgegen.

Quellen

  • Timothy L Jackson: Moorfields Manual of Ophthalmology, third edition, Seite 138-141.