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Dr. Richard Nagy

Dr. med. (H) Richard Nagy, Facharzt für Augenheilkunde FMH, FEBO. Die Fachartikel auf meiner Webseite entsprechen dem aktuellen Stand der Wissenschaft! Alle Quellen finden Sie am Ende das jeweiligen Artikels.
Ptose-des-Oberlides

Was ist die Ptose (Ptosis)?

Bei der Ptose beziehungsweise Ptosis handelt es sich um ein hängendes oberes Augenlid, oftmals sogar beidseitig. In den leichteren Fällen kann man damit leben, wenngleich es sehr wohl eine kosmetische Komponente trägt. Es gibt aber auch extrem ausgeprägte Fälle, bei denen das gesamte Auge davon überdeckt wird. Betroffen davon sind übrigens nicht nur ältere Erwachsene mit schwachem Bindegewebe, sondern manchmal sogar Kinder.

Diagnose-Verfahren

Im Zuge der Anamnese wird sich der Augenarzt zunächst für die Krankengeschichte interessieren. Dabei spielt eine Rolle, wie lange schon das hängende Augenlid vorliegt. Wenn sich das Herabhängen zum Beispiel im Laufe des Tages verstärkt, wäre dies durchaus als Hinweis auf Myasthenia gravis zu werten. Dabei handelt es sich um eine Autoimmunkrankheit, durch die die Kommunikation zwischen Muskeln und Nerven unterbrochen wird.

Bei einer einseitigen Ptose liegt oftmals eine Schädigung oder Lähmung von Nerven vor. Die beidseitige Ptose ist dagegen meistens muskulär bedingt. Von Enophthalmus ist dann die Rede, wenn das betroffene Auge etwas tiefer eingesunken ist. Das Horner-Syndrom verrät sich durch eine verkleinerte Pupille (Miosis). In diesem Fall sind jene Nerven geschädigt, die die Verbindung zwischen Auge und Gehirn darstellen.

Der Simpson-Test zeigt an, ob eine Myasthenia gravis, also eine erhebliche krankhafte Muskelschwäche vorliegt. Dazu soll der Patient über eine Minute lang extrem nach oben schauen. Wenn ein oder beide Oberlider dabei langsam absinken, ist dies ein ernst zu nehmender Hinweis auf Myasthenia gravis.

Die Ptose kann auch durch einen Tumor verursacht sein. Falls ein solcher Verdacht besteht, kommen bildgebende Verfahren wie die Computer- oder Kernspintomografie zum Einsatz.

Ursachen und Entwicklung einer Ptose

Geöffnet wird das obere Augenlid durch den Musculus levator palpebrae superioris. Versorgt wird dieser durch den dritten Hirnnerv Nervus oculomotorius. Wenn dieser Nerv oder der Muskel beschädigt ist, kommt es zu einem hängenden oberen Augenlid. Eine kongenitale Ptose ist die weniger häufige, bereits angeborene Form dieser Erkrankung.

Wie oben bereits angedeutet schwächelt mit fortschreitendem Alter unser Bindegewebe, insbesondere im Bereich dieses Muskelansatzes, oder der Muskel verdünnt sich deutlich. Dies ist bei älteren Patienten die häufigste und zugleich typische Ursache für das hängende Augenlid, aber auch als Folge eines Schlaganfalls tritt es auf.

Oft genug sind es Verletzungen oder Komplikationen nach Augenoperationen, die den Musculus levator palpebrae superioriseine beschädigen und eine Ptose auslösen können.

Muskuläre Störungen wie Myasthenia gravis* oder neurologische Erkrankungen wie das Horner-Syndrom äussern sich ebenfalls gern als Ptose. Neben dieser gehören zu den Symptomen des Horner-Syndroms wegen der Schädigung des sympathischen Nervensystems eine verkleinerte Pupille (Miosis) oder das „eingesunkene Auge“ (Enophtalmus).

Eine Lähmung des Nervus oculomotorius wäre eine weitere mögliche Ursache für eine Ptose, die in diesem Fall regelmässig beide Augen betrifft. Eher selten ist die beidseitige Ptose die Folge einer Vergiftung, wie das beim Botulismus der Fall sein kann. Das Botulinumtoxin befindet sich übrigens nicht selten in Nahrungsmitteln.

* Ursache einer Myasthenia gravis ist eine gestörte Übertragung von Transmittern (Acetylcholin) im Bereich der Muskelendplatte mit der Folge, dass die Muskulatur dort schneller ermüdet und erschlafft, was auch für die Muskulatur des Augenlides gilt.

Ptose-beim-Kind-und-Erwachsenen

Angeborene Beziehungsweise kongenitale Ptosis bei Kindern

Die Ursache ist hierbei meistens eine nicht ausreichende Ausbildung des Hirnnervs Nervus oculomotorius. In der Folge können Impulse auf den Lidhebermuskel nicht in ausreichendem Masse übertragen werden. Es erscheint fast logisch, dass in diesem Fall beide Augen betroffen sein müssen. Viel seltener kommt es bei intaktem Hirnnerv zu einer Unterentwicklung des Lidhebermuskels, was aber ebenfalls zur Kategorie kongenitale Ptosis zählt.

Ist die Ptose deutlich ausgeprägt, wird sie der Augenarzt via Blickdiagnose direkt erkennen. Bei leichteren Fällen ist das schon schwieriger und kann unter anderem durch eine Messung der Breite der Lidspalte diagnostiziert werden. Normal ist hier eine Öffnungsweite zwischen acht und zehn Millimeter. Bei einer Ptose ist das aber weniger. Hinzu kommt, dass die Kinder ständig die Augenbrauen hochziehen, weil sie eben Probleme damit haben, das oder die Augen überhaupt offenhalten zu können.

Der Befund wird in der Regel auch fotografisch dokumentiert und es wird eine Gesichtsfelduntersuchung vorgenommen, um festzustellen, inwieweit das herabhängende Lid das Sehvermögen schon beeinträchtigt. Letzteres ist übrigens eine Voraussetzung dafür, dass die Krankenkasse auf Antrag einer Kostenübernahme für eine Operation zustimmt.

Bitte nicht verwechseln!

  1. Pseudoptosis
    In diesem Fall wird das hängende Lid nicht durch eine Muskel- oder Nervenstörung verursacht, sondern durch eine Augapfelschrumpfung oder eine entzündliche Lidveränderung, wobei Letzteres die häufigere Ursache ist.
  2. Ektropium
    Der Lidrand dreht sich hierbei auswärts. Es ist in aller Regel das Unterlid. Auch das Ektropium kann angeboren sein, öfter steckt aber eine erworbene Lähmung oder Vernarbung dahinter. Die häufigste Form ist das altersbedingte „senile Ektropium“.
Kongenitale-Ptose

Erworbene Ptose

Hier werden vier Gruppen unterschieden:

  1. Ptosis paralytica
    Nervenlähmung durch Schlaganfall, Hirnhautentzündung (Meningitis) oder Gehirnentzündung (Enzephalitis)
  2. Ptosis sympathica
    Schädigung des Sympathicus, also jenes Teils des vegetativen Nervensystems, das für die Steigerung der Aktivität zuständig ist. Eher geringe Ausprägung des Herabhängens des Oberlids, verkleinerte Pupille (Miosis) des betroffenen, etwas tiefer eingesunkenen Auges (Enophthalmus) – alle drei Symptome werden unter dem Begriff Horner-Syndrom zusammengefasst.
  3. Myogene Ptosis
    Muskelerkrankung beziehungsweise Muskelschwäche wie Myasthenia gravis oder Muskelschwund wie myotone Dystrophie, was auch altersbedingt eintreten kann.
  4. Ptosis traumatica
    als Folge einer Verletzung

Es wird überdies vermutet, dass das ständige Anheben des Oberlids zum Einsetzen von Kontaktlinsen eine Ptose auslösen kann.

Behandlung der Ptose

In den meisten Fällen kommt der Patient um einen chirurgischen Eingriff nicht herum. Wichtig ist die schnelle, konsequente Massnahme gerade für Kinder, um nachhaltige Folgeschäden wie Schwachsichtigkeit (Amblyopie) zu verhindern. Falls diese sich bereits ausgebildet haben sollte, muss sie so früh wie möglich therapiert werden.

Wenn Sie bei sich eine plötzlich aufgetretene Lidsenkung festgestellt haben oder Ihr Kind seit seiner Geburt ein herabhängendes Oberlid hat, können Sie gerne unseren Augenarzt in Zürich Opfikon aufsuchen.

Quellen

  • Timothy L Jackson: Moorfields Manual of Ophthalmology, third edition, Seite 39-41.
  • Nika Bagheri, Brynn N. Wajda: The Wills Eye Manual, 7th edition, Seite 130-132.
  • https://de.wikipedia.org/wiki/Ptosis