Verzerrte Linien, ein leichter Schleier oder das Gefühl, durch eine dünne Folie zu sehen: Hinter solchen Beschwerden steckt häufig eine epiretinale Membran (Gliose). Diese feine Gewebeschicht bildet sich auf der Netzhaut und kann das zentrale Sehen merklich beeinträchtigen.
In diesem Beitrag zeigen wir Ihnen, wie die Erkrankung entsteht, welche Behandlung sinnvoll ist und wann eine Operation notwendig wird.
Das Wichtigste in Kürze
- Krankheitsbild: Eine epiretinale Membran (Gliose) ist eine feine Gewebeschicht auf der Netzhaut, die sich im Alter zusammenziehen und das zentrale Sehen durch Verzerrungen oder Unschärfe merklich beeinträchtigen kann.
- Ursachen: Die Erkrankung entsteht meist ohne erkennbaren Auslöser (idiopathisch) durch den natürlichen Alterungsprozess des Glaskörpers. Risikofaktoren sind zudem Vorerkrankungen wie Diabetes, Entzündungen oder vorangegangene Augen-OPs.
- Symptome: Typische Warnzeichen sind verzerrtes Sehen (wellig erscheinende Linien), eine nachlassende Sehschärfe beim Lesen, verringerte Kontraste oder das Gefühl, durch eine dünne Plastikfolie zu blicken.
- Pseudoforamen: Bei dieser Sonderform täuscht der starke Zug der Membran optisch ein Loch in der Netzhaut vor. Da jedoch kein echter Gewebeverlust vorliegt, bleibt die Struktur intakt.
- Behandlung: Milde Verläufe werden zunächst nur regelmäßig beobachtet. Bei deutlicher Sehverschlechterung ist eine Netzhautoperation (Vitrektomie mit Membran-Peeling) die einzige effektive Methode, um die Schicht vorsichtig abzutragen.
Was ist eine epiretinale Membran?
Bei einer epiretinalen Membran handelt es sich um eine feine Gewebeschicht, die sich auf der Netzhautoberfläche im Bereich der Makula bildet. Im medizinischen Sprachgebrauch wird sie auch als epiretinale Gliose, Makulapucker oder kurz ERM Auge bezeichnet. Sie besteht aus Zellen, die im Lauf der Zeit eine Art Narbenschicht über der Netzhaut bilden.
Mit der Zeit zieht sich die Membran zusammen. Sie faltet die darunterliegende Netzhaut leicht auf und stört damit die Stelle des schärfsten Sehens. Die Folge ist eine verzerrte oder unscharfe Wahrnehmung, vor allem im Zentrum des Bildes.
Die epiretinale Membran zählt zu den Erkrankungen der vitreoretinalen Grenzschicht und tritt überwiegend bei Menschen ab dem 50. Lebensjahr auf. Mit zunehmendem Alter steigt die Häufigkeit deutlich.
Ursachen und Risikofaktoren einer epiretinalen Gliose
In den meisten Fällen lässt sich keine konkrete Ursache feststellen. Mediziner sprechen dann von einer idiopathischen epiretinalen Membran. Sie entsteht häufig im Zuge der natürlichen Alterung des Glaskörpers, der sich mit der Zeit von der Netzhaut ablöst und dabei kleinste Reize hinterlässt.
Daneben gibt es Erkrankungen und Ereignisse, die die Entstehung einer epiretinalen Gliose begünstigen können:
- Netzhautablösung oder Netzhautriss
- Diabetische Retinopathie
- Uveitis (Entzündung der mittleren Augenhaut)
- Glaskörperblutung
- Verletzungen des Auges
- Zustand nach einer Augenoperation
Eine idiopathische epiretinale Membran entsteht ohne erkennbaren Auslöser und ist die mit Abstand häufigste Form. Sie tritt meist im Rahmen des natürlichen Alterungsprozesses des Glaskörpers auf und betrifft beide Augen unabhängig voneinander.
Symptome: Daran erkennen Sie eine epiretinale Membran
Die Beschwerden hängen davon ab, wie ausgeprägt die Membran ist und wie stark sie die Netzhaut verzieht. Anfangs verläuft die Erkrankung oft unbemerkt, weil das Gehirn kleinere Verzerrungen über das gesunde Auge ausgleicht.
Typische Symptome einer epiretinalen Gliose sind:
- Verzerrtsehen (Metamorphopsie): Gerade Linien erscheinen gebogen, wellig oder verschoben.
- Verschwommenes Sehen: Die zentrale Sehschärfe nimmt ab, besonders beim Lesen oder am Bildschirm.
- Eingeschränkter Kontrast: Farben und Konturen wirken matter.
- Schleiersehen: Viele Patienten beschreiben das Gefühl, durch eine dünne Plastikfolie zu blicken.
- Grössenunterschiede (Mikropsie): Objekte erscheinen kleiner als auf dem gesunden Auge.
In fortgeschrittenen Fällen, etwa wenn die Membran ein Pseudoforamen oder ein begleitendes Makulaforamen verursacht, kann in der Bildmitte ein dunkler Fleck wahrgenommen werden, ein sogenanntes Skotom.
Lassen Sie uns das gemeinsam angehen
Sie nehmen die Symptome einer epiretinalen Membran wahr und möchten sich untersuchen lassen? Dann zögern Sie nicht, uns zu kontaktieren. Wir beraten Sie gerne in unserer Praxis in Glattpark (Opfikon) im Kanton Zürich.

Wann sollten Sie zum Augenarzt?
Veränderungen der Sehschärfe sollten ernst genommen werden. Wir empfehlen einen Termin in unserer Praxis, wenn Sie eine der folgenden Beobachtungen machen:
- Linien erscheinen plötzlich oder zunehmend wellig
- Die Sehschärfe verschlechtert sich auf einem Auge spürbar
- Lesen, Autofahren oder die Arbeit am Bildschirm fallen zunehmend schwer
- Sie nehmen einen Schatten oder dunklen Fleck im zentralen Sichtfeld wahr
Bei plötzlichen Symptomen wie Blitzen, einem Russregen oder einem Vorhang im Gesichtsfeld kontaktieren Sie uns bitte umgehend. In diesen Fällen muss eine Netzhautablösung ausgeschlossen werden.
Akute Sehverschlechterungen dulden keinen Aufschub. Im Lux Augenzentrum bieten wir kurzfristige Notfalltermine, auch samstags und ausserhalb der regulären Öffnungszeiten.
Diagnose: So wird die epiretinale Gliose festgestellt
Die Diagnose einer epiretinalen Membran erfolgt in mehreren Schritten und kombiniert klinische Untersuchung mit moderner Bildgebung.
Amsler-Test
Der Amsler-Test ist eine einfache, aber aussagekräftige Methode, um Veränderungen der Makula zu erkennen. Sie können ihn auch zu Hause durchführen.
So funktioniert der Test:
- Tragen Sie Ihre Lese- oder Korrekturbrille.
- Halten Sie das Amsler-Gitter in etwa 30 Zentimetern Abstand vor sich.
- Decken Sie ein Auge ab und fixieren Sie den schwarzen Punkt in der Mitte.
- Beobachten Sie, ob die Linien um den Punkt herum gerade erscheinen oder ob sie verbogen, unterbrochen oder verschwommen wirken.
- Wiederholen Sie den Test mit dem anderen Auge.
Veränderungen, die Sie über mehrere Tage hinweg bemerken, sollten augenärztlich abgeklärt werden.
Untersuchung in der Praxis
Zur Sicherung der Diagnose nutzen wir folgende Verfahren:
- Untersuchung mit dem Ophthalmoskop: Beurteilung des Augenhintergrunds.
- Optische Kohärenztomographie (OCT): Schichtaufnahmen der Netzhaut, die selbst kleinste Membranen und Verformungen sichtbar machen.
- Fluoreszenzangiographie: Darstellung der Netzhautgefässe, vor allem bei Verdacht auf Begleiterkrankungen.
- Farbfundusaufnahmen: Dokumentation des Befunds für den weiteren Verlauf.
Die OCT-Untersuchung ist der zentrale Diagnosebaustein bei einer epiretinalen Membran. Sie liefert hochauflösende Schnittbilder der Netzhaut und zeigt schon kleinste Verformungen der Makula präzise an.
Schichtforamen und Pseudoforamen unterscheiden
Das Wort „foramen“ kommt aus dem Lateinischen und bedeutet „Loch“. Im Zusammenhang mit der epiretinalen Gliose werden zwei Sonderformen beschrieben:
- Schichtforamen: Eine partielle Ausdünnung der Makula ohne durchgreifenden Defekt. Eine epiretinale Membran muss nicht zwingend vorliegen. Der Verlauf ist meist langsam.
- Pseudoforamen: Hier verzieht die Membran die Netzhaut so stark, dass auf den ersten Blick ein Loch sichtbar wird. Tatsächlich besteht aber kein echter Substanzverlust, die Netzhaut bleibt vollständig.
Die Unterscheidung ist wichtig, weil sie die Wahl der Behandlung und die zu erwartende Prognose beeinflusst.
Behandlungsmöglichkeiten bei epiretinaler Membran
Nicht jede epiretinale Gliose muss sofort operiert werden. Die Entscheidung hängt vom Beschwerdebild, dem Verlauf und dem Befund in der OCT ab.
Konservative Beobachtung
Wenn die Sehschärfe noch ausreichend ist und die Verzerrungen den Alltag nicht wesentlich einschränken, beobachten wir den Verlauf zunächst. Regelmässige Kontrollen, etwa alle drei bis sechs Monate, sind in dieser Phase sinnvoll. Viele Patienten kommen über lange Zeit ohne Eingriff aus, da das Gehirn kleinere Verzerrungen ausgleicht.
Medikamentöse Therapien gegen die Membran selbst gibt es derzeit nicht. Augentropfen, Nahrungsergänzungsmittel oder Laserbehandlungen können die Gliose nicht zurückbilden.
Operative Behandlung: Die Vitrektomie mit Membran-Peeling
Wenn die Sehschärfe deutlich nachlässt oder die Verzerrungen den Alltag stark beeinträchtigen, ist eine Netzhautoperation der nächste Schritt. Als Richtwert gilt eine Sehschärfe von unter 60 Prozent oder eine ausgeprägte Metamorphopsie.
Der Eingriff besteht aus zwei Schritten und wird in örtlicher Betäubung durchgeführt. Er dauert in der Regel etwa 30 Minuten.
1. Vitrektomie
Über drei feine Zugänge von rund 0,7 Millimetern wird der gelartige Glaskörper aus dem Auge entfernt. Ein spezielles Saug-Schneide-Instrument, der sogenannte Vitrektor, zerkleinert das Gewebe und saugt es ab.
Der entstandene Raum füllt sich anschliessend mit der körpereigenen Augenflüssigkeit. Die Zugänge sind so fein, dass sie meist ohne Naht verschlossen werden können.
2. Membran-Peeling
Mit einer feinen Mikropinzette wird die epiretinale Membran von der Netzhaut abgezogen. Spezielle Farbstoffe helfen, das Gewebe genau zu identifizieren. In vielen Fällen wird zusätzlich die innere Grenzmembran (ILM) entfernt, um ein erneutes Auftreten zu verhindern.
Im Lux Augenzentrum führen wir die Vitrektomie mit Membran-Peeling in unserem hauseigenen OP-Saal durch. Sie profitieren von modernster Technik, persönlicher Betreuung und einer strukturierten Vor- und Nachsorge aus einer Hand.
Erfahrungen, Verlauf und Prognose nach der Operation
Die meisten Patienten berichten, dass sich das verzerrte Sehen in den Wochen nach der Operation schrittweise bessert. Die volle Erholung des Sehens kann allerdings mehrere Monate in Anspruch nehmen.
Realistisch lässt sich etwa die Hälfte der verlorenen Sehschärfe zurückgewinnen. Dieser Anteil ist umso höher, je früher die Operation erfolgt. Wer zu lange wartet, riskiert dauerhafte Veränderungen der Netzhautstruktur, die sich auch durch einen Eingriff nicht mehr vollständig korrigieren lassen.
In den ersten Tagen nach der Operation sind leichte Rötungen, ein sandiges Gefühl und gelegentliches Druckgefühl normal. Lesen und Bildschirmarbeit sind in den ersten Tagen meist eingeschränkt. Sport, Schwimmen und schwere körperliche Belastung sollten Sie für einige Wochen meiden.
Die Sehverbesserung nach einer Vitrektomie mit Membran-Peeling tritt nicht sofort ein. Geduld ist wichtig: Viele Patienten berichten erst nach drei bis sechs Monaten von einer deutlichen Stabilisierung des Sehens.
Mögliche Komplikationen
Wie jeder operative Eingriff ist auch die Vitrektomie mit Risiken verbunden. Schwerwiegende Komplikationen treten selten auf, sollten aber im Vorfeld besprochen werden.
Mögliche Komplikationen sind:
- Eintrübung der natürlichen Linse (Grauer Star): Nach einer Vitrektomie schreitet die Linsentrübung in vielen Fällen schneller voran. Bei älteren Patienten wird die Linse häufig im selben Eingriff durch eine künstliche Linse ersetzt.
- Netzhautrisse oder Netzhautablösung: Treten in etwa zwei Prozent der Fälle auf. Ein Riss kann während der OP direkt verschlossen werden. Eine spätere Ablösung erfordert einen weiteren Eingriff.
- Erhöhter Augeninnendruck: Lässt sich in den meisten Fällen mit Augentropfen gut behandeln.
- Entzündungen oder Schwellungen: Werden mit kortisonhaltigen Tropfen, gelegentlich auch mit Injektionen behandelt.
- Infektion (Endophthalmitis): Sehr selten, aber ernst zu nehmen. Anhaltende Schmerzen oder zunehmende Rötung sollten umgehend abgeklärt werden.
- Schwere Komplikationen: In sehr seltenen Fällen kann es zu einer dauerhaften Sehverschlechterung bis zur Erblindung kommen.
Bitte melden Sie sich bei uns, wenn nach der Operation Schmerzen, eine starke Rötung oder eine deutliche Sehverschlechterung auftreten.
Epidemiologie: Wie häufig ist die epiretinale Gliose?
Die epiretinale Gliose ist eine häufige altersbedingte Veränderung der Netzhaut. Studien zeigen, dass etwa zwei Prozent der Menschen über 50 Jahre betroffen sind. Bei Personen über 75 Jahren steigt der Anteil auf rund 20 Prozent.
In vielen Fällen ist die Membran nur gering ausgeprägt und verursacht keine Beschwerden. Sie wird häufig zufällig im Rahmen einer Vorsorgeuntersuchung oder einer OCT entdeckt.
Frauen und Männer sind ähnlich häufig betroffen. Beide Augen können unabhängig voneinander erkranken, etwa in 10 bis 20 Prozent der Fälle beidseitig.
Lässt sich eine epiretinalen Membran vorbeugen?
Eine wirksame Vorbeugung gegen die idiopathische epiretinale Membran gibt es nicht. Die Erkrankung steht in engem Zusammenhang mit dem natürlichen Alterungsprozess des Glaskörpers und lässt sich daher nicht verhindern.
Sinnvoll ist jedoch, mögliche Risikofaktoren konsequent zu behandeln:
- Diabetes mellitus behandeln, um eine diabetische Retinopathie zu vermeiden.
- Augenverletzungen durch passenden Augenschutz bei Sport und handwerklichen Arbeiten vorbeugen.
- Regelmässige augenärztliche Vorsorge wahrnehmen, besonders ab dem 50. Lebensjahr.
- Bestehende Augenerkrankungen wie Uveitis oder eine Netzhautablösung zeitnah behandeln lassen.
Ein früh erkanntes Krankheitsbild lässt sich besser begleiten und gegebenenfalls behandeln. Die Selbstkontrolle mit dem Amsler-Gitter ist eine einfache Möglichkeit, Veränderungen zwischen den Kontrollterminen rechtzeitig zu bemerken.
Epiretinale Membran in Zürich behandeln lassen
Wenn Sie eine Veränderung Ihres Sehens bemerken oder bereits die Diagnose einer epiretinalen Membran erhalten haben, begleiten wir Sie strukturiert durch Diagnostik, Beobachtung und gegebenenfalls Operation.
Im Lux Augenzentrum in Zürich-Opfikon verbinden wir moderne Diagnostik, operative Erfahrung und persönliche Betreuung unter einem Dach.
Unser Leistungsspektrum umfasst unter anderem:
- Umfassende Netzhautdiagnostik mit OCT, Fluoreszenzangiographie und weiteren bildgebenden Verfahren
- Netzhautoperationen im hauseigenen, modernen OP-Saal
- Behandlung verwandter Krankheitsbilder wie Makulaforamen, Netzhautablösung und Glaskörperblutung
- Strukturierte Nachsorge und langfristige Betreuung
- Kurzfristige Notfalltermine bei akuter Sehverschlechterung
Vereinbaren Sie einen Termin bei unseren erfahrenen Augenärzten in Zürich Opfikon. Wir nehmen uns Zeit für eine klare Diagnose und eine verständliche Erklärung Ihres Befunds.
Quellen
- Timothy L Jackson: Moorfields Manual of Ophthalmology, third edition, Seite 601–603.
- Nika Bagheri, Brynn N. Wajda: The Wills Eye Manual, 7th edition, Seite 322–323.
- Brad Bowling: KANSKIs Klinische Ophthalmologie, 8. Auflage, Seite 606–608.



