vitrektomie

Was ist Vitrektomie?

Die Chirurgie der Netzhaut und des Glaskörpers wird unter dem Begriff Vitrektomie zusammengefasst. Es handelt sich um das momentan führende Verfahren zur operativen Behandlung von Netzhauterkrankungen. Bei einer solchen Glaskörperoperation wird in der Augenklinik der Glaskörper entfernt und die Netzhaut entsprechend der zugrunde liegenden Vorerkrankung behandelt. In folgendem Artikel lesen Sie, bei welchen Augenerkrankungen eine Vitrektomie angewandt wird und wie das Verfahren genau abläuft.

Wann wird die Pars plana Vitrektomie durchgeführt?

Beim Glaskörper handelt es sich um eine gelartige und durchsichtige Masse, die etwa zwei Drittel des Augenvolumens einnimmt. Begrenzt wird er von der Netzhaut und der Linse. Dieser Glaskörper besteht fast ausschliesslich aus Wasser und einigen bindenden Substanzen wie Kollagen und Hyaluronsäure. Der Glaskörper hat eine wichtige Aufgabe: Er gibt dem Auge Stabilität und lässt die Lichtstrahlen von der Linse zur Netzhaut durch. Wird dieser Glaskörper im Rahmen einer Pars plana Vitrektomie entfernt, muss demnach Ersatz geschaffen werden. Möglich machen das wahlweise eine Flüssigkeit oder ein Gas, das ganz ähnliche Eigenschaften wie der Glaskörper hat.

Eine Glaskörperoperation kann aus verschiedenen Gründen notwendig werden. Sie wird immer dann durchgeführt, wenn Erkrankungen der Makula oder der Netzhaut, also des hinteren Augenbereiches, vorliegen. Vielfach handelt es sich also nicht um Erkrankungen des Glaskörpers selbst, sondern des umliegenden Gewebes. Um zum Beispiel Zugang zur Netzhaut zu bekommen, muss in der Chirurgie zunächst der Glaskörper entfernt werden.

Eine Indikation für die Operation, die allerdings verhältnismässig selten vorkommt, ist die Glaskörpertrübung. Sehr viel häufiger wird die Pars plana Vitrektromie bei einer Indikation der folgenden Augenproblemen durchgeführt:

Liegt eine solche medizinische Indikation vor, werden die Kosten für die Glaskörperentfernung in der Regel von der Krankenkasse übernommen.

Wie lange dauert die Glaskörperentfernung?

Eine Glaskörperentfernung erfolgt stationär in einer Augenklinik unter örtlicher Betäubung. Dazu wird dem Patienten eine Spritze neben den Augapfel gegeben. In einigen Fällen wird die Glaskörperoperation auch unter Vollnarkose durchgeführt. Der Eingriff dauert in der Chirurgie normalerweise zwischen 30 und 60 Minuten.

Ablauf der Vitrektomie

Vor dem Eingriff am hinteren Augenabschnitt wird das Auge des Patienten gewaschen und dessen Kopf mit einem Tuch abgedeckt. Bei einer Glaskörperentfernung werden mehrere kleine Schnitte, die weniger als einen Millimeter gross sind, direkt am Augapfel gesetzt. Über diese Schnitte kann dann das Glaskörpermaterial entfernt und die Operationsinstrumente eingesetzt werden. Bei diesen Instrumenten handelt es sich um drei kleine Trokare, die aus der Lichtquelle, einer Infusionskanüle und dem eigentlichen Saug-Schneide-Gerät zur Entfernung des Glaskörpers, auch als Vitrektom bezeichnet, bestehen.

Mit Hilfe dieses Gerätes wird der Glaskörper vorsichtig und nach und nach entfernt. Gleichzeitig mit dem vorsichtigen Entfernen des Glaskörpers wird das verloren gegangene Volumen mit einer Spezialflüssigkeit aufgefüllt; dazu dient die Infusionskanüle. So ist gewährleistet, dass der introkulare Druck erhalten bleibt. Ob zum Auffüllen eine Flüssigkeit oder Gas verwendet wird, liegt im Ermessen des behandelnden Arztes. Bei einer Netzhautablösung im oberen Bereich des Augapfels hat sich Gas bewährt.

Sowohl Gas als auch Flüssigkeitslösung werden nach der Operation nach und nach durch körpereigenes Gewebe ersetzt. Kommt hingegen eine Silikonlösung (Silikonöl) im Augeninneren zum Einsatz, muss diese in einem Folgeeingriff wieder abgelassen und durch Flüssigkeit ersetzt werden. Nach der Pars plana Vitrektomie werden die kleinen Schnitte bzw. Einstichlöcher mit Nähten verschlossen und das Auge bekommt einen Verband. Die Glaskörperentfernung ist ein häufig eingesetztes Verfahren, das als sehr sicher gilt und bei dem kaum Risiken oder Komplikationen zu befürchten sind.

Risiken und Komplikationen der Glaskörperentfernung

Über die möglichen Risiken und Komplikationen wird der Patient vor der Operation (Vitrektomie) in der Klinik genau aufgeklärt. Kleinere Komplikationen wie Blutungen und Nachblutungen sind möglich nach dieser Operation und in der Regel kein Grund zur Sorge. Eine mögliche Folge der Entfernung des Glaskörpers ist die Bildung des Grauen Stars. Wird das Auge mit Öl befüllt, kann es zu einer Trübung der Linse, einem erhöhten Augendruck oder einer trüben Hornhaut kommen. In einigen sehr wenigen Fällen kann es durch Komplikationen während der Vitrektomie zur Erblindung oder gar zum vollständigen Verlust des Auges kommen.

Nachsorge der Vitrektomie

Nach der Vitrektomie muss der Patient noch einige Tage zur Beobachtung in der Klinik bleiben um mögliche Indikationen auf Komplikationen oder Schäden sofort erkennen und behandeln zu können. Am Folgetag wird das operierte Auge kontrolliert. Der Arzt führt einen Sehtest und eine Kontrolle des Augendrucks durch. Auch während der folgenden Wochen sollte eine starke Belastung vermieden werden. Auf starkes Reiben am Auge ist daher ebenso zu verzichten wie auf Make up. Weiterhin muss der Patient alle Kontroll- und Nachuntersuchungen beim Augenarzt wahrnehmen. Ob die Vitrektomie zum gewünschten Erfolg führt, hängt massgeblich von der Grunderkrankung (zum Beispiel einer Netzhautablösung) ab.

Eine Glaskörperblutung kann im Rahmen der Vitrektomie herausgeholt werden. Allerdings besteht dann die Gefahr einer möglichen Nachblutung. Auch bei einer Entzündung im Inneren des Auges, der sogenannten Endophthalmitis, bringt die Glaskörperentfernung meist schnell Besserung. Auch bei Trübungen des Glaskörpers ist die Vitrektomie eine erfolgreich angewandte Operationsmethode. Auch die Netzhautablösung lässt sich gut behandeln. Inwieweit diese Behandlung erfolgreich ist, hängt davon ab, wie weit die Ablösung bereits fortgeschritten ist.

Eine vollständige Heilung des betroffenen Gewebes ist nach etwa vier bis sechs Wochen gegeben. Bis das vollständige Sehvermögen wieder hergestellt ist, können allerdings einige Monate vergehen.

Gas im Auge nach der Operation: worauf muss man aufpassen?

Eine spezielle Silikonlösung, eine dem menschlichen Auge ähnliche Flüssigkeit oder Gas sind die drei Möglichkeiten, mit deren Hilfe bei einer Vitrktomie das verloren gegangene Volumen aufgefüllt wird. Kommt Gas zum Einsatz, müssen Patienten einiges beachten. Das sogenannte SF6-Gas bleibt etwa zwei Wochen nach der Operation im Auge. Während dieser Zeit spielt die richtige Kopfhaltung eine entscheidende Rolle. Der Grund: Das Gas steigt nach oben und übt einen Druck aus.

Damit das Gas genau an der richtigen Stelle die Netzhaut andrückt, ist die richtige Kopfhaltung ganz wichtig. Der Patient bekommt vom Arzt genau erklärt, welche Körperhaltung einzunehmen ist. Keinesfalls sollte man auf dem Rücken liegen, da das Gas sonst nicht gegen die Linse drückt und kein Effekt auf die Netzhaut zu erkennen ist. Die Gefahr, dass sich eine Linsentrübung entwickelt, steigt dann deutlich an.

Sollte eine Vitrektomie bei starken Glaskörpertrübungen durchgeführt werden?

Glaskörpertrübungen stellen zwar keine unmittelbare Gefahr für das Augenlicht dar. Die Sehstörung, die aufgrund ihrer Symptome den Beinamen Fliegende Mücken trägt, ist für den Patienten dennoch belastend und schränkt dessen Lebensqualität stark ein. Patienten, die von einer Glaskörpertrübung betroffen sind, wird zunächst zu einer sogenannten Laser-Vitreolyse geraten. Dieser Eingriff birgt weniger Risiken als die Vitrektomie. Sollte diese nicht zum gewünschten Erfolg führen, kann über eine Vitrektomie nachgedacht werden. Allerdings versucht der Arzt dann, nur den betroffenen Teil des Glaskörpers zu entfernen. Der Grund: Sowohl das Operationsrisiko als auch das Risiko, an einem Katarakt zu erkranken, sind dann deutlich geringer.

Zusammenfassung der Vitrektomie

Ob eine Vitrektomie sinnvoll ist, entscheidet der behandelnde Arzt nach einer umfassenden Anamnese. In vielen Fällen wird von dem Eingriff aber auch abgeraten. Der Patient wird ausführlich über die möglichen Risiken und Nebenwirkungen informiert. Erst nach einer mehrwöchigen Bedenkzeit wird der Eingriff dann durchgeführt.

Wenn die Erkrankung (epiretinale Gliose, Makulaforamen, Ablösung der Netzhaut, Einblutung des Glaskörpers) die Sehkraft deutlich verschlechtert, dann muss die Vitrektomie durchgeführt werden.

Quellen