Die Vitrektomie ist heute das wichtigste operative Verfahren bei Erkrankungen der Netzhaut und des Glaskörpers. Dabei entfernt der Augenchirurg den Glaskörper, um Zugang zur dahinter liegenden Netzhaut zu erhalten und sie gezielt zu behandeln.
In diesem Beitrag erfahren Sie, wann eine Vitrektomie sinnvoll ist, wie der Eingriff abläuft, welche Risiken bestehen und wie die Heilung in den Wochen nach der Operation verläuft.
Das Wichtigste in Kürze
- Definition & Indikation: Die Vitrektomie ist die operative Entfernung des Glaskörpers, um schwerwiegende Erkrankungen der Netzhaut (wie Netzhautablösungen oder Makulalöcher) direkt behandeln zu können.
- Ablauf & Tamponade: Der Eingriff dauert 30 bis 60 Minuten (meist unter örtlicher Betäubung), wobei das Augenvolumen vorübergehend durch eine Spezialflüssigkeit, expandierendes Gas oder Silikonöl stabilisiert wird.
- Besondere Verhaltensregeln: Bei einer Gasfüllung im Auge sind eine präzise Kopfhaltung einzuhalten sowie Flugreisen und Aufenthalte über 800 Höhenmetern strengstens verboten.
- Heilung & Sehkraft: Während das operierte Gewebe nach vier bis sechs Wochen weitgehend verheilt ist, regeneriert sich das volle Sehvermögen oft erst im Laufe mehrerer Monate.
- Risiken & Kosten: Die häufigste Spätfolge ist die Entstehung eines Grauen Stars; bei medizinischer Notwendigkeit übernimmt die Schweizer Grundversicherung die Kosten komplett.
Was ist eine Vitrektomie?
Die Vitrektomie ist die operative Entfernung des Glaskörpers, jener gelartigen und durchsichtigen Masse, die rund zwei Drittel des Augenvolumens füllt. Der Glaskörper wird von Netzhaut und Linse begrenzt und besteht fast vollständig aus Wasser, gebunden durch Kollagen und Hyaluronsäure. Er gibt dem Auge Stabilität und lässt das Licht ungehindert von der Linse zur Netzhaut passieren.
Sobald der Glaskörper entfernt ist, muss das verlorene Volumen ersetzt werden. Dafür kommen je nach Krankheitsbild eine Spezialflüssigkeit, ein medizinisches Gas oder Silikonöl in Frage. Diese Tamponaden übernehmen vorübergehend die Stützfunktion und werden vom Körper im Verlauf wieder ersetzt oder, im Falle von Silikonöl, in einer zweiten Operation entfernt.
Vitrektomie in Zürich
Im Lux Augenzentrum in Zürich-Opfikon operieren erfahrene Netzhautchirurgen mit modernster Technik in unserem praxiseigenen OP-Saal.

Wann wird eine Pars-plana-Vitrektomie durchgeführt?
Die Pars-plana-Vitrektomie ist der medizinische Fachbegriff für die heute übliche Variante der Glaskörperentfernung. Der Zugang erfolgt über die Pars plana, einen Bereich hinter der Iris, von dem aus sich die Netzhaut sicher erreichen lässt. In den meisten Fällen ist nicht der Glaskörper selbst das Problem, sondern das umliegende Gewebe. Der Glaskörper muss lediglich entfernt werden, um operieren zu können.
Typische Indikationen für eine Pars-plana-Vitrektomie sind:
- Netzhautablösung
- Makulaloch (Makulaforamen)
- Epiretinale Membran (epiretinale Gliose)
- Glaskörperblutung
- Schwere proliferative diabetische Retinopathie
- Endophthalmitis (Entzündung im Augeninneren)
- Schwere Uveitis
- Schweres Augentrauma mit Netzhautverletzung
- Ausgeprägte Glaskörpertrübung, die das Sehen erheblich einschränkt
Bei einer medizinischen Indikation übernimmt die Schweizer Krankenkasse die Kosten der Operation in der Regel vollständig.
Ablauf der Glaskörperentfernung
Vor dem Eingriff wird das Auge gereinigt und desinfiziert, der Kopf mit einem sterilen Tuch abgedeckt. Direkt am Augapfel setzt der Operateur drei winzige Schnitte, jeder kleiner als einen Millimeter. Über diese Zugänge führt er drei sogenannte Trokare ein: eine Lichtquelle, eine Infusionskanüle und das Vitrektom, ein feines Saug-Schneide-Instrument, mit dem sich der Glaskörper kontrolliert entfernen lässt.
Während der Glaskörper schrittweise abgesaugt wird, ersetzt die Infusionskanüle das verlorene Volumen mit einer Spezialflüssigkeit. Dadurch bleibt der Augeninnendruck stabil. Anschliessend behandelt der Chirurg die Netzhaut entsprechend der Grunderkrankung, etwa mit Laser oder durch ein Membranpeeling.
Zum Abschluss wird das Auge mit einer Tamponade aus Flüssigkeit, Gas oder Silikonöl gefüllt. Die Schnitte werden verschlossen und das Auge erhält einen Verband.
Wie lange dauert die Glaskörperentfernung?
Die Vitrektomie dauert in der Regel zwischen 30 und 60 Minuten. Der Eingriff erfolgt in örtlicher Betäubung. Dafür wird eine Spritze neben den Augapfel gesetzt. In komplexeren Fällen oder bei besonderm Patientenwunsch kommt eine Vollnarkose zum Einsatz.
Gas, Flüssigkeit oder Silikonöl: Was wird statt des Glaskörpers eingesetzt?
Welche Tamponade verwendet wird, entscheidet der Operateur abhängig von der Grunderkrankung und der Lage des betroffenen Netzhautbereichs. Drei Möglichkeiten stehen zur Verfügung:
- Spezialflüssigkeit: Ähnelt dem natürlichen Glaskörper und wird vom Körper innerhalb weniger Wochen durch neu gebildete Augenflüssigkeit ersetzt.
- Gas (z. B. SF6): Bleibt etwa zwei Wochen im Auge, drückt die Netzhaut von innen an und wird dann vom Körper resorbiert. Besonders bewährt bei Netzhautablösungen im oberen Augenbereich.
- Silikonöl: Kommt zum Einsatz, wenn die Netzhaut über längere Zeit stabilisiert werden muss. Es wird in einem zweiten Eingriff wieder entfernt.
Eine vertiefte Darstellung der Auswahlkriterien finden Sie im Beitrag Tamponade nach der Vitrektomie.
Heilungsdauer und Erfolgsaussichten der Vitrektomie
Das operierte Gewebe heilt typischerweise innerhalb von vier bis sechs Wochen. Bis das volle Sehvermögen wieder erreicht ist, vergehen jedoch häufig mehrere Monate. In den ersten Wochen nach dem Eingriff ist das Sehen oft auf Lichtschein und Bewegungen reduziert und klart erst nach und nach auf.
Wie gut die Sehschärfe am Ende wird, hängt entscheidend von der Grunderkrankung ab. Bei einer Netzhautablösung entscheidet das Stadium über das Ergebnis: Je früher operiert wird, desto besser die Aussichten. Das primäre Ziel der Vitrektomie ist oft, die Netzhaut zu stabilisieren und eine weitere Verschlechterung zu verhindern. Eine Verbesserung der Sehschärfe ist möglich, aber nicht in jedem Fall garantiert.
Bei Netzhautablösungen, Makulalöchern und epiretinalen Membranen sind die Erfolgsaussichten besonders dann gut, wenn die Operation zeitnah nach der Diagnose erfolgt. Eine frühzeitige Abklärung lohnt sich.
Vitrektomie und Grauer Star: Wann eine kombinierte Operation sinnvoll ist
Eine bekannte Begleiterscheinung der Vitrektomie ist die Entstehung des Grauen Stars. In den Monaten nach dem Eingriff trübt sich die körpereigene Linse häufig ein, besonders bei Patienten ab dem mittleren Lebensalter. Die Folge ist ein erneuter Sehkraftverlust, der eine zweite Operation nötig macht.
Daher kombinieren wir die Vitrektomie in vielen Fällen mit der Grauen-Star-Operation. Zuerst wird die getrübte Linse durch eine Kunstlinse ersetzt, anschliessend erfolgt die Glaskörperentfernung. Damit ersparen Sie sich einen zweiten Eingriff und erholen sich insgesamt schneller. Ob die kombinierte Operation für Sie sinnvoll ist, klären wir im Voruntersuchungsgespräch.
Vitrektomie bei starken Glaskörpertrübungen: sinnvoll oder nicht?
Glaskörpertrübungen, im Volksmund auch fliegende Mücken genannt, gefährden das Augenlicht nicht unmittelbar. Sie können aber stark belasten und die Lebensqualität spürbar einschränken, wenn sie das Sehen ständig stören.
Bei ausgeprägten Glaskörpertrübungen empfehlen wir zunächst eine sogenannte Laser-Vitreolyse. Dieser Eingriff ist deutlich weniger invasiv und birgt weniger Risiken. Bringt die Lasertherapie keinen ausreichenden Erfolg, kommt eine Vitrektomie in Betracht. In diesem Fall wird in der Regel nur der betroffene Teil des Glaskörpers entfernt. Sowohl das Operationsrisiko als auch das Risiko, anschliessend einen Grauen Star zu entwickeln, sinken dadurch deutlich.
Gas im Auge nach der Operation: Worauf Sie achten sollten
Wird das entfernte Volumen mit Gas (häufig SF6) aufgefüllt, bleibt dieses etwa zwei Wochen im Auge, bis es der Körper vollständig resorbiert hat. In dieser Zeit sind zwei Dinge entscheidend: die richtige Kopfhaltung und der Verzicht auf grosse Höhenunterschiede.
Richtige Kopfhaltung nach der Vitrektomie
Das Gas steigt im Auge nach oben und drückt die Netzhaut von innen an die gewünschte Stelle. Damit dieser Effekt zustande kommt, ist die richtige Körperhaltung wichtig. Welche Position Sie einnehmen sollen, erklärt Ihnen der behandelnde Augenarzt im Detail. Auf dem Rücken zu liegen, ist in dieser Phase nicht erlaubt: Das Gas drückt dann gegen die Linse statt gegen die Netzhaut und das Risiko einer Linsentrübung steigt deutlich.
Höhenmeter und Flugreisen mit Gasfüllung
Solange Gas im Auge ist, sind grössere Höhen tabu. Höhenmeter führen zu einer Ausdehnung des Gases und damit zu einem gefährlichen Druckanstieg im Auge. Auch Flugreisen sind in dieser Zeit ausgeschlossen, weil der niedrige Kabinendruck denselben Effekt hat. Planen Sie die Heimreise und allfällige Termine in der Bergwelt bereits vor dem Eingriff entsprechend ein.
Bei einer Tamponade aus Spezialflüssigkeit oder Silikonöl gelten diese Einschränkungen nicht. Höhenfahrten und Flüge sind in beiden Fällen unproblematisch.
Risiken und Komplikationen der Glaskörperentfernung
Die Vitrektomie gilt heute als sicherer und etablierter Eingriff. Wie jede Augenoperation ist sie jedoch nicht risikofrei. Vor der Operation klären wir Sie ausführlich über die möglichen Komplikationen auf:
- Grauer Star: Häufigste Folge der Vitrektomie, vor allem bei Patienten ab dem mittleren Lebensalter.
- Druckschwankungen: In den ersten Tagen kann der Augeninnendruck schwanken und muss kontrolliert behandelt werden.
- Nachblutungen: Kleinere Blutungen sind möglich und meist unbedenklich, können aber die Erholung der Sehkraft verzögern.
- Netzhautablösung: Bei etwa drei bis fünf Prozent der Patienten kommt es nach der Operation zu einem Einriss der Netzhaut, der rasch nachoperiert werden muss.
- Silikonöl-bedingte Veränderungen: Bei längerem Verbleib kann Silikonöl zu Linsentrübung, Druckanstieg oder Hornhauttrübung führen.
- Schwere Komplikationen: Infektionen, ausgeprägte Blutungen, ein deutlicher Sehverlust oder, in extrem seltenen Fällen, der Verlust des Auges sind möglich (Wahrscheinlichkeit unter 1:1.000).
In den allermeisten Fällen verläuft die Operation komplikationslos. Bei medizinischer Indikation ist das Risiko, durch eine unterlassene Operation einen dauerhaften Sehverlust zu erleiden, deutlich höher einzuschätzen als das Operationsrisiko selbst.
Nachsorge der Vitrektomie
Nach dem Eingriff bleiben Sie zur Beobachtung zunächst in der Klinik. Am Folgetag erfolgt die erste Kontrolluntersuchung: ein Sehtest, eine Augendruckmessung und eine Beurteilung der Netzhaut. Verordnete antibiotische und entzündungshemmende Augentropfen unterstützen die Heilung. Halten Sie sich bitte konsequent an die Anwendung und nehmen Sie alle Nachkontrollen wahr.
Verhalten in den ersten Wochen
Das operierte Auge benötigt in den ersten Wochen Ruhe. Folgendes sollten Sie beachten:
- Kein Reiben oder Drücken am Auge.
- Kein Make-up und keine Augenkosmetik.
- Keine direkte Sonneneinstrahlung, eine Sonnenbrille mit UV-Schutz hilft.
- Kein Schwimmen und kein Saunabesuch.
- Schwere körperliche Anstrengung und schweres Heben für mindestens zwei Wochen vermeiden.
Lesen, Autofahren und Sport nach der OP
Lesen sollten Sie in den ersten Tagen nach der Vitrektomie noch nicht: Die Augenmuskeln bewegen sich dabei stark, was die Heilung stören kann. Wann genau Sie wieder lesen, lange am Bildschirm arbeiten oder Sport treiben dürfen, hängt vom individuellen Heilungsverlauf ab. Üblich ist eine Pause von ein bis zwei Wochen für leichte Aktivitäten und mehrere Wochen für intensiven Sport.
Autofahren ist erst dann wieder erlaubt, wenn die Sehschärfe ausreicht und Ihr Augenarzt das ausdrücklich bestätigt. Bei einer Gasfüllung im Auge ist Autofahren in jedem Fall ausgeschlossen, weil die Sehkraft in dieser Phase stark eingeschränkt ist.
Ihre Augenarztpraxis in Zürich
Sie möchten mehr über die Glaskörperentfernung erfahren? Kontaktieren Sie uns. Wir beraten Sie gerne in unserer Praxis in Glattpark (Opfikon) im Kanton Zürich.

Vitrektomie in Zürich-Opfikon
Eine drohende Netzhautablösung, ein Makulaloch oder eine ausgeprägte Glaskörpertrübung sind keine Befunde, die warten können. Je früher die Erkrankung erkannt und behandelt wird, desto besser stehen die Chancen, das Sehvermögen langfristig zu erhalten.
Im Lux Augenzentrum in Zürich-Opfikon (Glattpark) bieten wir Ihnen die gesamte augenmedizinische Abklärung bis hin zur operativen Versorgung an. Wir verfügen über moderne Diagnostik mit OCT, Angio-OCT und ausführlicher Netzhautuntersuchung sowie über einen eigenen OP-Saal.
Bei akuten Beschwerden wie Lichtblitzen, einem dunklen Schatten im Sichtfeld oder einer raschen Sehverschlechterung bieten wir kurzfristige Termine, eine Samstagssprechstunde und eine Notfallerreichbarkeit ausserhalb der regulären Öffnungszeiten.
Häufige Fragen unserer Patienten zur Vitrektomie
Was kostet eine Vitrektomie und wird sie von der Schweizer Krankenkasse übernommen?
Liegt eine medizinische Indikation vor, wie eine Netzhautablösung, ein Makulaloch oder eine schwere diabetische Retinopathie, übernimmt die Schweizer Grundversicherung die Kosten der Vitrektomie. Auch der stationäre Aufenthalt und die Nachkontrollen sind Teil der gedeckten Leistungen. Bei rein optisch störenden Glaskörpertrübungen ohne medizinischen Druck muss die Kostenübernahme im Einzelfall geprüft werden.
Ist eine Vitrektomie schmerzhaft?
Während der Operation selbst spüren Sie nichts, dafür sorgt die örtliche Betäubung oder die Vollnarkose. In den ersten Tagen nach dem Eingriff ist das Auge empfindlich und kann leicht drücken oder brennen. Starke Schmerzen sind selten und die verordneten Augentropfen lindern Beschwerden zuverlässig.
Wird die Vitrektomie ambulant oder stationär durchgeführt?
In den meisten Fällen ist eine kurze stationäre Betreuung sinnvoll, damit das Auge in den ersten 24 Stunden überwacht wird und mögliche Komplikationen sofort behandelt werden können. Bei unkomplizierten Fällen ist auch eine ambulante Durchführung möglich. Die Entscheidung treffen wir individuell, abhängig von Grunderkrankung und Gesamtsituation.
Wann darf ich nach einer Vitrektomie wieder Autofahren?
Direkt nach der Operation ist die Sehschärfe deutlich reduziert. Solange Gas im Auge ist, ist Autofahren ausgeschlossen. Sobald sich das Sehen ausreichend erholt hat und der Augenarzt zustimmt, sind kurze Fahrten in der Regel nach wenigen Wochen wieder möglich. Eine pauschale Antwort gibt es nicht: Der individuelle Heilungsverlauf entscheidet.
Kann eine Vitrektomie wiederholt werden?
Ja, eine erneute Vitrektomie ist grundsätzlich möglich und in manchen Situationen sogar notwendig. Häufige Gründe sind eine erneute Netzhautablösung, eine Nachblutung oder die geplante Entfernung von Silikonöl nach erfolgreicher Heilung. Die Nachoperation läuft im Wesentlichen gleich ab wie der erste Eingriff.



