Augenverletzungen im Überblick

Augenverletzung mit Hämatom

Überblick

Augenverletzungen kommen ziemlich häufig vor und dürfen auf keinen Fall vernachlässigt werden. Sowohl am Arbeitsplatz (Baustelle, Büro) als auch zu Hause (Küche) kann sich ein Augenunfall ereignen. Der Schweregrad von Verletzungen reicht von Bagatellunfällen bis zur schweren Beschädigung des Augapfels. Der Schaden kann nur ganz oberflächlich oder perforierend sein.

Da Sie das Ausmass und die Folgen einer Augenverletzung selber nicht richtig einschätzen können, ist es bei jedem Unfall ratsam, einen Augenarzt aufzusuchen.

Der Augenspezialist kann das Problem mithilfe der Spaltlampe ganz genau beurteilen und Ihnen die Therapie verordnen. Glücklicherweise ist das Auge in vielen Fällen nur leicht beschädigt und die Wunde heilt innerhalb von ein paar Tagen ab.

An dieser Stelle muss betont werden, dass Hornhautverletzungen äusserst schmerzhaft sein können, da sich 7000 schmerzempfindliche Zellen pro Quadratmillimeter in der Hornhautoberfläche befinden. Die Schmerzen treten üblicherweise zeitversetzt am Abend oder in der Nacht auf.

Deswegen ist es wichtig, eine Untersuchung beim Arzt möglichst schnell durchführen zu lassen.

Die Art von Augenverletzungen

Praktisch lauern mehrere Gefahren überall auf die Augen. Am Arbeitsort, zu Hause und während Freizeitaktivitäten können die Augen innerhalb von Millisekunden verletzt werden. 

In der Regel passiert das Übel so schnell, dass man die Lider nicht schnell genug schliessen kann.

Die Auflistung der häufigsten Augenverletzungen:

  • Fremdkörper im Auge
  • Hornhautschürfung (Hornhaut-Erosio)
  • Perforierendes Trauma
  • Stumpfes Trauma
  • Verätzungen
  • Verblitzungen: Schweissblende, Schneeblindheit
  • Verbrennungen
  • Stiche und Schnitte
  • Bisswunde

Symptome

Die Beschwerden hängen mit der Art und dem Schweregrad der Verletzung zusammen. Sie können gleich nach dem Unfall oder mehrere Stunden später auftreten.

Häufigste Symptome:

  • Tränenträufeln
  • Augenschmerzen
  • Augenrötung
  • Fremdkörpergefühl
  • Lichtempfindlichkeit
  • Unwillkürlicher Lidschluss
Die vermehrte Tränenproduktion und der Lidschluss können etwas helfen, aber auf eine fachärztliche Beurteilung darf nie verzichtet werden. Nur eine augenärztliche Untersuchung mit der Spaltlampe kann über den genauen Zustand des Auges Aufschluss geben. 
 
Der Augenarzt kann die Therapie sofort verordnen und Sie mit den richtigen Augentropfen und/oder Augensalben versorgen.

Die Ursachen etwas detaillierter

Fremdkörper im Auge

Viele Gegenstände können die Oberfläche der Augen verletzen oder ins Augeninnere eindringen. In den meisten Fällen handelt es sich um einen Metallfremdkörper, der während der Arbeit ins Auge gespickt ist.

Der Metallfremdkörper fliegt mit hoher Geschwindigkeit ins Auge und brennt sich in die Hornhaut oder Bindehaut ein. Selten landet das Metallstückchen sogar in der Lederhaut.

Wenn man Pech hat, bohrt der Metallspan die Hornhaut oder die Lederhaut durch und landet im Augeninneren. In diesem Fall muss mit schweren Schäden im Augapfel gerechnet werden.

Der oberflächliche Fremdkörper wird mit einer Nadel oder einem Hockeymesser entfernt. Handelt es sich um einen Metallfremdkörper, bildet sich fast immer ein Rosthof unter dem Metallstück. Der Rosthof wird mit einer kleinen Bohrmaschine entfernt.

Wenn die Gefahr eines intraokularen Fremdkörpers (Gegenstand im Innere des Augen) besteht, muss umgehend eine CT-Untersuchung erfolgen. Eine MRI-Untersuchung ist beim Verdacht auf intraokulare Fremdgegenstände strengstens untersagt, da der MRI-Magnet den Metall mit hoher Geschwindigkeit anzieht und weitere Schäden im Auge hervorruft.

Der Metall-, Holz-, oder Kunststofffremdkörper kann unter dem Oberlid stecken bleiben. Das ist ein grosses Problem, weil er bei jedem einzelnen Lidschlag die Hornhautoberfläche kratz und irritiert. Deswegen muss der Augenarzt bei jedem Fremdkröperverdacht das Oberlid umklappen.

Die Behandlung nach der Entfernung besteht aus antibiotischen Tropfen und/oder Salben und Tränenersatzmittel.

Hornhautschürfungen

Fremdgegenstände, Fingernägel und heisse Dämpfe können Schürfungen, in dem medizinischen Fachjargon Hornhaut-Erosionen genannt, auf der Hornhaut hinterlassen.

Die Hornhautverletzungen gehen mit Brennen oder teilweise höllischen Schmerzen einher. Die Schmerzen sind dermassen ausgeprägt, dass der Betroffene seine Tätigkeit sofort abbrechen muss.

Diese Schmerzen werden von den zahlreichen Nervenendungen in der obersten Hornhautschicht ausgelöst.

Tränenersaztmittel und befeuchtende Augensalben lindern die Beschwerden und beschleunigen den Heilungsprozess. Antibiotische Tropfen oder Salben müssen immer mitappliziert werden, damit sich die offenen Wunden nicht infizieren können.

Perforierende Verletzungen

Wenn der Augapfel durch die Fremdeinwirkung eröffnet wird, wird von einer perforierenden Augenverletzung gesprochen. Dies ist ein absoluter Notfall, wobei das betroffene Auge umgehend untersucht und behandelt werden muss.

Solche Unfälle ereignen sich durch Fremdkörper, welche die äusseren Augenschichten durchstossen. Die Perforation geht mit Sehverschlechterung, Augenschwellung und erheblichen Schmerzen einher. 

Der Patient muss unverzüglich zum nächstgelegenen Augenarzt gebracht werden. Der Arzt untersucht die äusseren und inneren Augenstrukturen sorgfältig und identifiziert die Perforationstelle (falls vorhanden).

Kleine Perforationsstellen können vorübergehend mit Klebstoff verschlossen und später genäht werden. Bei grösseren Schäden, wenn die Hornhaut, die Lederhaut und die Regenbogenhaut stark beschädigt sind, muss im Rahmen einer Notfalloperation die normale Anatomie des Auges wiederhergestellt werden.

Stumpfes Traume

Stumpfe Augenverletzungen sind keine Seltenheiten. Ein schell fliegender Fussball oder Tennisball, Schlägerei im Club, Stürzen zu Hause usw. können ein stumpfes Trauma, eine sogenannte Augapfelprellung (Contusio bulbi) verursachen.

Die Gefahr dieser Verletzungsart ist, dass nicht nur die vorderen Augenstrukturen verletzt werden können, sondern auch die hinteren, weil der Schlag den Augapfen nach hinter verschiebt.

Genau deswegen muss der Augenhintergrund, die sogenannte Netzhaut ein paar Tage nach dem Ereignis bei erweiterer Pupille gründlich untersucht werden.

Häufig bildet sich ein Bluterguss, ein sogenanntes Hämatom um das betroffene Auge. Das Hämatom bildet sich innerhalb von 2-3 Wochen spontan zurück.

Ein Bluterguss kann bei einem stumpfen Traume auch im Auge auftreten. Es kommt zu einem Hyposphagma, einer Unterblutung der Bindehaut. Diese Blutung ist in der Regel nicht gefährlich.

Der durch den Schlag entstandene Reiz wird mit abschwellenden Augentropfen (Kortikosteroide, NSAR) behandelt werden.

Manchmal kann wegen dem Traum der Augensdruck ansteigen. Der hohe Augendruck muss immer behandelt werden.

Verätzungen

Säure- und laugenhaltige Flüssigkeiten können die Augenoberfläche und tief gelegene Augenstrukturen beschädigen. In vielen Fällen ist die Verätzung nur leicht ausgeprägt, aber nach jedem Verätzungstrauma ist eine augenärztliche Untersuchung ein Muss.

Die Folge einer Laugenverätzung ist eine Kolliquationsnekrose, weswegen Laugen tief in das Augeninnere eindringen und dort Schaden anrichten können.

Die erste Notfallmassnahe bei einer Verätzung ist eine sofortige Spülung der Augen. Wenn kein Wasser vorhanden ist, sind ausser Milch praktisch alle Getränke für die Notfallspülung geeignet.

Nach der reichlichen Spülung müssen die Augen fachärztlich untersucht werden.

Verblitzungen: Schweissblende, Schneeblindheit

Was sind Schneeblindheit und Schweissblende?

Wenn die Augen beim Schweissen ungeschütz sind, können durch die starke Lichteinstrahlung kleine, punktförmige Läsionen auf der Hornhautoberfläche entstehen. Diese Hornhautverletzung löst grausame Schmerzen aus. Zumeist treten die Augenschmerzen mehrere Stunden nach dem Schweissen auf. Der Betroffene kann oft gar nicht wegen den Augenbechwerden einschlafen.

Die sogenannte Schneeblindheit entsteht durch die strake Bestrahlung der Hornhaut mit UV-Licht. Dies geschieht häufig auf Skipisten, wenn das UV-Licht von der sonnenbestrahlten Schneefläche die ungeschützen Augen trifft. In diesem Fall wird ebenfalls die Hornhautepithelschicht beschädigt.

In beiden oben erwähnten Fällen kann die intensive Anwendung von befeuchtenden Augentropfen und/oder Salben zur Heilung führen.

Verbrennungen, Verbrühungen

Heisse Flüssigkeiten, Feuerflamme, Wunderkerzen, Feuerwerk und Silversterraketen können sehr gefährlich für die Augen sein. Das Ausmass der Verletzung in dem Auge ist von der Stärke und der Dauer der Einwirkung abhängig.

In glücklicheren Fällen zeigen sich nur oberflächliche Hornhautschürfungen und leichte Verbrennungen der Lider und der Wimpern. Bei schweren Beschädigungen braucht es Einpflanzung einer Amnion-Membran, damit sich die Oberfläche der Hornhaut einigermassen erholen kann.

Abhängig von dem Schaden an den Lidern kann eine Lid-Operation notwendig sein.

Nach jedem Verbrennungstrauma, auch wenn Sie kaum Beschwerden haben, müssen sie umgehend einen Augenarzt kontaktieren.

Stiche und Schnitte

Scharfe und spitze Gegenstände können sehr unterschiedliche Augenverletzungen verursachen. Nach jeder Stich- oder Schnittverletzung müssen die Augen von einem Facharzt für Augenheilkunde untersucht und beurteilt werden. 

Bei perforierenden Verletzungen müssen die oben erwähnten Massnahmen ergriffen werden. Bei oberflächlichen Wunden reichen befeuchtende und antibiotische Augentropfen beziehungsweise Augensalben.

Bisswunde

Diese Verletzungsart am Auge ist extrem selten. In der Regel handelt es sich um einen Hundebiss. Dabei können die Ober- und Unterlider und die Tränenwege verletzt werden.

Die Wunden müssen beim Arzt desinfiziert und genäht werden. Bei schweren Verletzungen müssen die Lider und die Tränenwege chirurgisch wiederhergestellt werden.

Zusammenfassung

In diesem Beitrag haben wir die häufigsten Augenverletzungen aufgeführt und kurz beschrieben. Wir empfehlen, dass Sie nach jedem Augenunfall auch wenn Sie kaum Beschwerden haben einen Augenspezialisten aufsuchen.

Wir kennen uns mit Traumata am Auge sehr gut aus. Unseren Notfall Augenarzt können Sie telefonisch immer erreichen.

Augenarzt Dr. Nagy Autor

Autor:
Dr. med. (H) Richard Nagy, Facharzt für Ophthalmologie, FMH, FEBO

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