Perforierende Augenverletzungen

Perforation im Auge

Alles Wesentliche zum Thema "perforierende Augenverletzungen"

Perforierende Augenverletzungen werden zumeist durch Fremdkörper verursacht, die nicht nur Schäden an der Hornhaut, sondern auch am Augapfel (Bulbus oculi) verursachen können. 

Gemäss der Bedeutung des lateinischen Begriffs „perforare“, „durchbohren“, kommt es hier nicht nur zu einer oberflächlichen Verletzung. Vielmehr dringt der Fremdkörper oftmals weit in das darunter befindliche Gewebe ein. 

Entsprechend handelt es sich hier um einen augenärztlichen Notfall, der neben wirkungsvollen Sofortmassnahmen auch ein rasches Eingreifen des Augenarztes erfordert.

Nicht zuletzt um Sie als potentiell betroffene Person für eine derartige Situation optimal vorzubereiten, widmet sich dieser Beitrag den wichtigsten Aspekten rund um das Thema „perforierende Augenverletzung.“

Begriffsklärung und Entstehung

Eine kleine Unachtsamkeit im Haushalt, am Arbeitsplatz oder im Strassenverkehr und schon ist es geschehen: Ein Fremdkörper hat das Auge durchdrungen und verursacht hier neben zum Teil grossen Schmerzen auch erhebliche Schäden. 

Denn je nach Intensität, Tiefe und Eintrittspunkt können perforierende Augenverletzungen im schlimmsten Fall zu einem vollständigen Verlust des Sehvermögens an dem betroffenen Auge führen.

Wie bereits angedeutet beschreibt der Oberbegriff „perforierende Augenverletzungen“ also jede Wunde bzw. Verletzung, die das Auge durch das gewaltsame Eindringen eines Fremdkörpers erleidet. Dabei kann sich dieser nach dem Unfall noch weiter im Auge befinden. 

Auch hier ist also der kompetente Einsatz eines qualifizierten Augenarztes gefragt, der den Fremdkörper behutsam und ohne das Risiko einer weiteren Schädigung entfernt.

Mögliche Ursachen und Risikofaktoren

Ein Unfall lässt sich oftmals auch durch erhöhte Aufmerksamkeit nicht vermeiden, wenn dieser beispielsweise von anderen Verkehrsteilnehmern verursacht wird. 

Darüber hinaus gibt es bestimmte Risikogruppen, bei denen die Gefahr, sich eine perforierende Augenverletzung zuzuziehen, weitaus grösser ist als bei anderen Menschen. 

An erster Stelle sind hier natürlich kleine Kinder zu nennen, die beim Spielen und Toben rasch mit Splittern, Scherben oder Dornen in Berührung kommen.

Doch auch viele Berufe bringen ein erhöhtes Risiko für die Augengesundheit mit sich. Ein Beispiel sind Tätigkeiten, bei denen Fräsen und Sägen zum Einsatz kommen. 

Hier besteht unweigerlich die Gefahr, dass durch die Luft fliegende Splitter oder andere Fremdkörper ins Auge geraten. Entsprechend erweist sich sowohl für Profis als auch für Hobbyhandwerker das Tragen von Schutzbrillen als sinnvolle präventive Massnahme.

Symptomatik: verschiedene Erscheinungsformen und Ausprägungen

Grundsätzlich ist diesem Absatz vorauszuschicken, dass allein der Verdacht auf eine perforierende Augenverletzung die sofortige Konsultation eines Arztes erforderlich macht.

Denn je nach Grad der Verletzung ist die Symptomatik oftmals nicht eindeutig. Dabei erweist es sich als besonders tückisch, dass perforierende Augenverletzungen zuweilen vollkommen ohne Schmerzen oder Sehstörungen auftreten können. 

Werden sie nicht erkannt und behandelt, so sind sie jedoch dazu imstande, einen ebenso grossen Schaden anzurichten wie auffälligere Varianten. 

Letztere sind oftmals bereits an einer Beteiligung der Augenlider und an damit einhergehenden Schmerzen, Schwellungen und/oder Blutungen erkennbar. 

Zudem klagen Betroffene häufig über Augenschmerzen, ein Fremdkörpergefühl im Auge und eine verschwommene oder anderweitig gestörte Sicht. Tränende Augen können ebenfalls auf die durch eine Perforation verursachte Reizung verweisen.

Sofortmassnahmen nach dem Unfall: Ratschläge und Tipps

Bei einer perforierenden Augenverletzung ist rasches und bedachtes Handeln gefragt. Schliesslich soll der Schaden so gering wie möglich gehalten werden. Die wichtigsten Erste-Hilfe-Massnahmen lauten wie folgt:

  • Grundsätzlich ist zu einer eigenständigen Entfernung des Fremdkörpers nur zu raten, wenn sich dieser an einer gut zugänglichen Stelle befindet.
  • Vermeiden Sie den direkten Kontakt Ihre Hände mit den Augen und säubern Sie bei Verschmutzungen ausschliesslich die Augenlider und die direkte Umgebung des Auges.
  • Um das verletzte Auge bestmöglich zu schützen, sollten Sie vorsichtig einen sterilen Verband ohne Kompression anlegen.
  • Bei starken Schmerzen können schmerzlindernde Arzneimittel eingenommen werden. Nicht gestattet ist hingegen die äussere Anwendung von Salben oder Augentropfen.
  • Im Anschluss an die hier beschriebene Erstversorgung der perforierenden Wunde sollten Sie umgehend einen Augenarzt konsultieren.

Diagnosestellung

Um zu klären, ob es tatsächlich zu einer Perforation gekommen ist, ist der Arzt auf die Mitwirkung des Patienten angewiesen, der idealerweise genaue Angaben zum Unfallgeschehen machen kann.

Um selbst winzige Partikel, die in das Auge eingedrungen sind, aufzuspüren, verwendet der Augenarzt eine Spaltlampe. Als unverkennbarer Hinweis auf eine perforierende Augenverletzung gilt ein sogenannter Irisvorfall. Dieser Fachausdruck besagt, dass sich die Iris bzw. die Pupille in Richtung Verletzungsort verzieht.

Ein weiteres typisches Merkmal ist ein erheblicher Abfall des Augendrucks, der an einer Abflachung der vorderen Augenkammer und einem daraus resultierenden direkten Aufliegen der Regenbogenhaut (Iris) auf der Innenfläche der Hornhaut sichtbar wird.

Zu den ernsteren Komplikationen, die mit der Perforation eines Fremdkörpers ins Auge einhergehen können, zählen unter anderem Einblutungen, EndophthalmitisNetzhautablösungen und Linsentrübungen.

Um sich selbst bei einer ausgesprochen tiefen Perforation in das Gewebe ein besonders realitätsnahes Bild von dem bestehenden Schaden machen zu können, wird auf bildgebende Verfahren wie die Computertomographie (CT), Röntgenaufnahmen oder Ultraschall zurückgegriffen.

Ganz wichtig ist in diesem Zusammenhang der Hinweis, dass eine Magnetresonanztomographie (MRT) als bildgebende Methode vor allem dann nicht infrage kommt, wenn der Fremdkörper aus Metall besteht und somit von dem Magnet angezogen würde.

Wissenswertes zur Behandlung perforierender Augenverletzungen

Falls noch nicht geschehen, wird der Augenarzt den Fremdkörper in einem ersten Schritt sanft entfernen. Im Anschluss wird die Wunde im Rahmen eines operativen Eingriffs verschlossen. Die gleichzeitige Vergabe von Breitbandantibiotika dient der Prävention von Entzündungen und Infektionen.

Resümee

Als augenärztlicher Notfall erfordert eine perforierende Augenverletzung die umgehende Begutachtung durch einen kompetenten Augenarzt. Neben einer Entfernung des Fremdkörpers aus dem Auge leitet dieser auch die notwendigen therapeutischen Schritte ein. 

In der Regel handelt es sich dabei um eine Operation, – in komplizierten Fällen auch mehrere -, mit dem Ziel, die Wunden zu verschliessen und langfristig die Augengesundheit und Sehkraft der Betroffenen zu erhalten bzw. wiederherzustellen.

Bei Verdacht auf Perforation im Auge können Sie sich jederzeit mit unserem Notfall Augenarzt in Verbindung setzen.

Augenarzt Dr. Nagy Autor

Autor:
Dr. med. (H) Richard Nagy, Facharzt für Ophthalmologie, FMH, FEBO

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