Augenarzt-Dr.-Nagy-Autor

Dr. Richard Nagy

Dr. med. (H) Richard Nagy, Facharzt für Augenheilkunde FMH, FEBO. Die Fachartikel auf meiner Webseite entsprechen dem aktuellen Stand der Wissenschaft! Alle Quellen finden Sie am Ende das jeweiligen Artikels.
Keratokonus

Was ist ein Keratokonus?

Der Begriff Keratokonus setzt sich aus den Worten „Kerato“ (Hornhaut) und „Kegel“ (Konus) zusammen und beschreibt eine seltene Erkrankung, welche für eine kegelförmige Verwölbung der Hornhaut sorgt, wodurch der Betroffene eine Sehverschlechterung erleidet. Diese Verschlechterung erfolgt in der Regel über die Kurzsichtigkeit oder durch eine Verkrümmung der Hornhaut.

Beweise für eine genetische Veranlagung gibt es nicht, jedoch ist zu beobachten, dass Frauen häufiger darunter leiden als Männer und meistens tritt der Keratokonus in der Pubertät auf und könnte dann bis zum 40. Lebensjahr voranschreiten. Es handelt sich um eine seltene Erkrankung, welche bei einer Person pro 2.000 Einwohnern auftritt.

Welche Ursachen hat der Keratokonus?

Derzeit wird noch geforscht, ob der Keratokonus vererbbar ist, wie zu Beginn erwähnt, gibt es dafür noch keine Beweise. Es ist aber auffällig, dass es eine familiäre Häufung gibt und zeitgleich auch mit verbbaren Erkrankungen wie dem Marfan-Syndrom oder Down-Syndrom entsteht sowie mit Glasknochenkrankheit oder diversen Allergien. Eine Ursache abseits dessen ist das häufige Reiben von Augen, denn dadurch kann ein Keratokonus begünstigt werden. Genauso kann dies auch durch einen Unfall oder durch einen Schlag auf das Auge erfolgen.

Welche Symptome entstehen bei dem Keratokonus?

Das wesentliche Symptom ist eine Sehverschlechterung im betroffenen Auge oder auch eine Kurzsichtigkeit. Das Sehvermögen schwankt in der Regel deutlich, wobei Kontaktlinsen und Brillen immer wieder angepasst beziehungsweise korrigiert werden müssen.

Weitere Symptome können jedoch immer entstehen, dies wäre beispielsweise:

  • Das Sehen von Doppelbildern
  • Sehen von Schatten und Schlieren
  • Nacht- und Dämmerungssehen ist eingeschränkt
  • Starke Lichtempfindlichkeit
  • Sehen von Lichtringen über Lichtquellen
  • Kopfschmerzen oder Konzentrationsstörungen
  • Verlust der Kontaktlinsen, wenn Vorwölbung fortgeschritten ist
  • Jucken in den Augen
  • Krämpfe um die Augen

Schmerzen können ebenfalls auftreten, sind jedoch sehr selten.

Ist diese Krankheit gefährlich?

Sollte der Keratokonus weitfortgeschritten sein, dann besteht die Gefahr, dass die sehr dünne Hornhaut einreissen kann, und so würde es zu einer plötzlich verschlechterten Sehleistung kommen und möglicherweise auch zu Schmerzen.

Eine Konsequenz eines Risses ist zum Beispiel, dass Kammerwasser in die Hornhaut fliesst und sich dadurch trüben kann – dies wird als „akuter Hydrops“ bezeichnet und ist ein augenärztlicher Notfall. Sollte dies aufgetreten sein, sollte sofort eine Klinik oder ein Augenarzt aufgesucht werden.

Diagnose: Wie erkennt der Augenarzt die Erkrankung?

Sollte eine Verschlechterung der Sehleistung festgestellt werden, dann ist eine Untersuchung immer notwendig. Der Augenarzt untersucht die in der Mitte ausgedünnte und vorgewölbte Hornhaut und überprüft mit einer Spaltlampenuntersuchung die spezifischen Veränderungen (so zum Beispiel Eisenablagerungen oder Trübungen).

Durch ein spezielles Gerät (Hornhauttopographie) wird ausserdem die Hornhautoberfläche vermessen. Bei einem Keratokonus wäre nun eine unregelmässige Hornhautverkrümmung offensichtlich. Im nächsten Schritt kann durch eine optische Kohärenztomografie (OCT) die Schnittbilder erstellt werden, wodurch sich die Ausdünnung gut darstellen lassen kann.

Wie erfolgt die Behandlung des Keratokonus?

Es gibt trotz all der technologischen Möglichkeiten keine Option, um den Keratokonus zu heilen. Eines der vorrangigen Ziele ist die Behandlung, womit sich die Sehschärfe verbessern lässt. Das Voranschreiten der Erkrankung kann verhindert werden.

Bei einer geringen Kurzsichtigkeit und einer geringfügigen Hornhautverkrümmung besteht das Ziel der Behandlung eines Keratokonus darin, dass die Sehschwäche über weiche Kontaktlinsen oder einer Brille ausgeglichen werden.

Sofern die Hornhautverkrümmung vorangeschritten ist, werden harte und formstabile Kontaktlinsen benötigt, sodass die Unebenheit ausgeglichen wird. Eine Behandlungsmethode ist zum Beispiel, dass das Collagen-Crosslinking (Hornhautvernetzung) entsprechend zur Verfügung steht.

Eine Behandlungsmethode wäre, dass die Hornhaut mit Riboflavin (Vitamin B2) versehen wird und zusätzlich eine Bestrahlung mit UV-A-Licht erfolgt. Zusätzlich werden Sauerstoffradikale freigesetzt, welche dann mit dem Kollagenfasern der Hornhaut reagieren und so zur Quervernetzung führen werden.

Diese Quervernetzung hat das Ziel, dass die ausgedünnte Hornhaut stabiler wird und somit die Erkrankung aufgehalten wird. Das Ziel einer solchen Behandlung ist auch, dass das weitere Voranschreiten der Krankheit verhindert wird. Weiterhin sorgt auch diese Behandlungsmethode aber nicht dafür, dass die Sehleistung verbessert wird.

Eine Therapieoption wäre, dass die Hornhaut-Implantation eines Kunststoffsegments erfolgt. Ein Ringsegment besteht aus zwei Elementen eines Kunststoffrings, diese werden über einen kleinen Schnitt in die Hornhaut eingebracht. Eine unregelmässige Hornhautoberfläche wird somit abgeflacht und der Keratokonus wird reduziert.

Behandlung bei sehr dünner Hornhaut

Bei sehr dünner oder trüber Hornhaut wird eine Hornhauttransplantation (Keratoplastik) empfohlen, dieser Eingriff wird bei 20 Prozent der Patienten mit einem Keratokonus in Erwägung gezogen.

Aufgrund der Risiken werden diese Eingriffe lediglich von sehr erfahrenen Operateuren durchgeführt, wobei im Vorfeld Risiko und Nutzen genau abgewogen werden. Die Hornhauttransplantation sorgt ausserdem nicht unmittelbar für Besserung.

Eine bessere Sehschärfe erfolgt erst einige Zeit nach der Operation, meistens ist auch ein Korrigieren nicht möglich, sodass eine Brille oder Kontaktlinsen weiterhin getragen werden müssen. Allerdings wird die Besserung auch vom Patienten so wahrgenommen.

Lässt sich ein Keratokonus vorbeugen?

Aktuell gibt es keine Erkenntnisse, wodurch das Risiko gesenkt werden könnte. Es gibt Handlungen, welche oftmals unbewusst erfolgen, jedoch die Hornhaut strapazieren, hierzu gehört das Reiben der Augen.

Die Behandlung von gereizten oder trockenen Augen sind ebenfalls wichtig, denn dies begünstigt den Keratokonus ebenfalls. Eine Ursache hierfür ist lange Bildschirmarbeit mit wenigen Pausen.

Zusammenfassung

Der Keratokonus wölbt die Hornhaut kegelförmig vor und wird in der Mitte ausgedünnt, hierdurch entsteht die Hornhautverkrümmung und die Kurzsichtigkeit. Das Sehvermögen leidet darunter drastisch, wodurch die Anpassung der Brillengläser nötig sein wird.

Je nach Verlauf, welcher völlig individuell ist, könnte die Erkrankung äusserst schnell voranschreiten. Wenn ein besonders schwerer Fall vorliegt (bei 20 Prozent der Patienten), dann ist eine Hirnhauttransplantation notwendig.

Hinzu können Kunststoffringe in die Hornhaut eingearbeitet werden, wodurch die Unebenheit ausgeglichen werden kann und auch der Einsatz von UV-Licht zur Vernetzung der Kollagenfasern in der Hornhaut ist möglich.

Sollten Sie die Vermutung haben, dass Sie an einem Keratokonus leiden, dann sollten Sie unbedingt einen Termin beim Augenarzt vereinbaren. Wenden Sie sich gerne an unsere Augenarztpraxis neben Oerlikon in Zürich Opfikon, eine Terminbuchung kann auch Online erfolgen. 

Quellen