erkrankungen und tumoren der aderhaut

Die Aderhaut, auch als Choroidea bezeichnet, macht den grössten der drei Teile der mittleren Augenhaut (Uvea oder Gefässhaut) aus. verbindet die sogenannte weisse Augenhaut oder auch Lederhaut (Sclera) und die Netzhaut (Retina). Die zentrale Position deutet bereits an, dass Fehlfunktionen der Aderhaut eine Reihe von anderen Störungen nach sich ziehen können.

Die Aufgaben der Aderhaut

Der Name der Aderhaut zeigt es schon deutlich an: Sie ist von zahlreichen Äderchen durchzogen und deswegen von zentraler Bedeutung für die Durchblutung des Auges. Von der Durchblutung hängt die Nährstoffversorgung der Netzhaut direkt ab, denn sie besitzt keine eigenen Blutgefässe. Bei einer Gelegenheit hat sicher jeder Mensch schon einmal die Aderhaut wahrgenommen: als rot abgebildete Augen auf einem Foto, das mit Blitzlicht aufgenommen wurde.

Die Rotfärbung ist die direkte Folge der im Idealfall guten Durchblutung der Aderhaut. Nicht zuletzt ist die Aderhaut ein Element des Mechanismus‘, der mechanisch – also durch Bewegung – dafür sorgt, dass die Linse sich scharfstellen kann. Die Aderhaut reguliert ausserdem die Temperatur der Netzhaut, die stets gleich bleiben muss.

Entzündungen der mittleren Augenhaut unter Beteiligung der Aderhaut (Uveitis)

Die Entzündung der mittleren Augenhaut (Uveitis) ist klar von der als Bindehautentzündung (Konjunktivitis) bekannten äusseren Entzündung abzugrenzen. Entzündungen der mittleren Augenhaut sind schwerwiegender, treten aber glücklicherweise auch seltener auf. Bei einer Uveitis ist meistens die Aderhaut in Mitleidenschaft gezogen.

Die Entzündung der Aderhaut nennt sich Choroiditis. Sie tritt meist schmerzfrei auf, lässt sich aber nach Entdeckung gut therapieren. Unerkannt und unbehandelt kann sie allerdings zur Erblindung führen. Da Uveitis und Choroiditis nicht zwangsläufig mit Beschwerden oder Sehstörungen für den Patienenten verbunden sind, werden sie oft nur durch Zufall oder im Rahmen einer Routineuntersuchung bemerkt.

Aderhautablösung oder auch Aderhautabhebung

Die Aderhaut kann sich von den benachbarten Augenstrukturen wie der Lederhaut (das “Weisse“ im Auge) abheben. Die Ablösung der Aderhaut kommt in Verbindung mit verschiedenen Ursachen vor: Es können Verletzungen des Augapfels ursächlich sein. Dabei kann es sich sowohl um Unfälle als auch um operative Eingriffe handeln, in deren Folge sich die verletzte Aderhaut löst. Seltener sind Tumore der Aderhaut der Grund für die Ablösung.

Ausserdem kann ein dauerhaft zu niedriger Augendruck eine Aderhautabhebung verursachen. Der übermässig erhöhte Augendruck ist als Glaukom oder „Grüner Star“ allgemein bekannt. Der verringerte Augendruck ist seltener, kann aber durch die folgende Aderhautablösung genauso zur vollständigen Erblindung führen. Regelmässige Kontrollen des Augendrucks sind hier unerlässlich.

Aderhautkolobom oder Spaltbildungen der Aderhaut

Spaltungen des Gewebes der Aderhaut werden auch Kolobome genannt. Darunter sind Fehlbildungen der Aderhaut zu verstehen, die entweder infolge von Verletzungen auftreten oder angeboren sein können. Oft betreffen die Spaltbildungen nicht nur die Aderhaut, sondern auch Linse, Lider und Iris (Regenbogenhaut).

Infolge der Spaltbildung treten mindestens Sehstörungen auf. Gesichtsfeldausfälle sind nicht selten. Da es unbehandelt zu Folgeerkrankungen kommen kann, ist die augenärztliche Untersuchung von allen Sehstörungen unbedingt notwendig.

Dystrophien und degenerative Veränderungen der Aderhaut

Genetische Ursachen können verantwortlich sein für Veränderungen der Aderhaut, die sich in einer gestörten Entwicklung oder dem allmählichen Abbau der Aderhaut äussern. Diese Veränderungen können aber auch infolge von Verletzungen oder Tumoren entstehen. Störungen in der Beschaffenheit der Aderhaut wirken sich dazu häufig auch auf die Netzhaut aus.

Das Resultat können eine Reihe von Einschränkungen des Sehvermögens sein: Gesichtsfeldausfälle, unscharfes Sehen, gestörte Farbsicht und sogar Nachtblindheit können auftreten und sollten sofort ärztlich begutachtet werden.

Aderhauttumoren: gut- und bösartige Veränderungen der Aderhaut

Wie alle Zellen des Körpers können auch die des Auges ihre Reproduktionsrate verändern und Tumore entwickeln. In Bezug auf die Aderhaut bedeutet das zum Glück, dass es sich in der Mehrzahl um gutartige Tumore handelt. Der geläufigste Augentumor ist der Aderhautnävus, ein gutartiger Aderhauttumor. Tatsächlich handelt es sich dabei um Pigmentveränderungen wie Muttermale, die aber auf der Aderhaut vorkommen. Eine weiterer häufig vorkommender gutartiger Aderhauttumor ist das Aderhauthämangiom. Der harmlose Gefässtumor ist umgangssprachlich auch unter dem Begriff Blutschwamm oder -schwämmchen bekannt.

Gutartige Tumore der Aderhaut bedürfen nicht unbedingt einer chirurgischen Behandlung. Solange sie sich nicht alarmierend verändern und das Sehvermögen des Patienten nicht beeinträchtigen, ist eine operative Entfernung unnötig. Sehr wichtig ist jedoch, sie gut zu beobachten und ihre Entwicklung regelmässig zu kontrollieren. Ein zuerst gutartiger Tumor wie der Aderhautnävus kann nämlich zu einem bösartigen Aderhautmelanom (malignes uveales Melanom) werden. Das Aderhautmelanom ist schnellstmöglich zu entfernen, denn es kann Metastasen in Leber, Lunge und Knochen bilden und umliegende Bereiche des Auges irreversibel schädigen. Das Aderhautmelanom ist selten, aber der häufigste bösartige Tumor, der aus dem Auge entsteht. Die Behandlung orientiert sich an Größe und Lage des Tumors. Meist wird beim Aderhautmelanom (malignes uveales Melanom) eine Brachy-Therapie mit Ruthenium durchgeführt. Bei dieser Form der Strahlentherapie erfolgt eine punktgenau Bestrahlung des Tumors. In bestimmten Fällen wird das Auge entfernt, einer Protonen-Bestrahlung zugeführt oder erst bestrahlt und anschließend der Tumor chirurgisch entfernt. Die Größe, die Lokalisation und die Metastasierung des Tumors entscheiden über die Prognose bei den Betroffenen.

Regelmässige Kontrolle der Augen und frühzeitige Abklärung von Symptomen können vor ernsten Erkrankungen und Tumoren der Aderhaut schützen

Um zu verhindern, dass Erkrankungen und Tumoren der Aderhaut ernsthafte Folgen für die Sehfähigkeit und die Gesundheit des Patienten haben, sind regelmässige Vorsorge-Untersuchungen sehr wichtig. Patienten die fehlsichtig, familiär vorbelastet, Diabetiker oder über 60 Jahre alt sind, suchen zur Vorsorge auch ohne akute Probleme am besten einmal jährlich die Augenarztpraxis ihres Vertrauens auf.

Wurde ein Problem oder eine Funktionsstörung der Aderhaut bereits festgestellt oder treten Symptome auf, sind ärztlich angeordnete Kontrolltermine unbedingt einzuhalten. Die meisten Erkrankungen der Aderhaut sind mit guten Aussichten behandelbar, wenn sie rechtzeitig erkannt werden.

Quellen

  • Kanski-Bowling: Klinische Ophthalmologie, 8. Auflage, Seite 389. – 458. und 476. – 489.