Fluoreszenzangiographie: Anwendungsbereiche und Ablauf

Fluoreszenzangiographie: Anwendungsbereiche und Ablauf

Kategorien: AugeninformationenVeröffentlicht am: 1. April 2024Von 5,3 min LesezeitAktualisiert: 25. Juni 2024

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Inhaltsverzeichnis

ein augenärztliches gerät namens Fluoreszenzangiographie

Fluoreszenzangiographie: Einleitung

Die Fluoreszenzangiographie stellt eine hochentwickelte diagnostische Methode dar, die überwiegend in der Augenmedizin zur detaillierten Untersuchung der Blutzirkulation innerhalb der Netzhaut und der Aderhaut eingesetzt wird. Diese Untersuchung ermöglicht es, den Augenhintergrund samt der Netzhautgefäße zu beurteilen und Netzhauterkrankungen zu erkennen. Diese spezialisierte bildgebende Technik ist unerlässlich für die frühzeitige Erkennung, genaue Diagnose und effektive Überwachung verschiedener Augenkrankheiten. Die Fluoreszenzangiographie liefert präzise Aufnahmen der Veränderungen der Blutgefäße bei Netzhauterkrankungen wie der altersbedingten Makuladegeneration (AMD), der diabetischen Retinopathie und weiteren Erkrankungen der Netzhaut. Bei der Untersuchung wird ein harmloser Farbstoff bzw. Kontrastmittel in die Ellenbeuge injiziert, welche sich anschließend bis in die Gefäße der Netzhaut ausbreitet. Die Injektion in den Blutkreislauf und die anschliessende Beobachtung des Farbstoffes mittels einer speziellen Kamera, ermöglicht die Fluoreszenzangiographie eine aussergewöhnlich präzise Visualisierung der feinen Blutgefässe im Auge und insbesondere des Augenhintergrundes. Dies bietet nicht nur wertvolle Einblicke in normale physiologische Prozesse, sondern auch in pathologische Veränderungen, die bei Augenerkrankungen auftreten können. Vor der Injizierung des Farbstoffes verabreicht ein Augenarzt oder eine Augenärztin zunächst spezielle Augentropfen, um die Pupillen weitzustellen. Oftmals ist eine häufige Folge die Verfärbung von Haut und Urin durch das injizierte Kontrastmittel.

Grundprinzipien und technische Durchführung

Im Herzen der Fluoreszenzangiographie steht das Phänomen der Fluoreszenz, bei dem ein Stoff nach Anregung durch Licht einer bestimmten Wellenlänge Licht einer anderen Wellenlänge emittiert. Der in dieser Technik am häufigsten verwendete Farbstoff ist Fluoreszein, das nach seiner intravenösen Injektion durch das Blutgefässsystem zirkuliert und bei Anregung durch Licht eine intensive grüne Fluoreszenz aussendet. Diese Eigenschaft wird genutzt, um mittels einer  Spezialkamera, der sogenannten Funduskamera, die mit Filtern ausgestattet ist, die nur das fluoreszierende Licht durchlassen, hochauflösende Bilder der Blutgefässe im Auge zu erstellen. Diese Bilder bieten eine Momentaufnahme der Durchblutung und ermöglichen es, selbst feinste Gefässstrukturen und pathologische Veränderungen wie Blockaden, Leckagen oder Neubildungen von Gefässen sichtbar zu machen. Die Aufnahmen werden in schneller Abfolge nach der Injektion des Farbstoffs gemacht, um die Füllung und Entleerung der Blutgefässe zu dokumentieren, was eine dynamische Beurteilung der Blutzirkulation im Auge ermöglicht.

Klinische Bedeutung in der Augenheilkunde

Die Fluoreszenzangiographie ist von unschätzbarer Bedeutung für die Ophthalmologie, insbesondere für die Diagnose und Behandlung von Erkrankungen, die die Netzhaut und die Aderhaut betreffen. Erkrankungen wie die diabetische Retinopathie, die ohne angemessene Behandlung zur Blindheit führen kann, und die altersbedingte Makuladegeneration, eine Hauptursache für Sehverlust bei älteren Menschen, können durch diese Technik frühzeitig erkannt und überwacht werden. Die Fluoreszenzangiographie ist auch entscheidend für die Beurteilung von retinalen Gefässverschlüssen, bei denen ein Blutgefäss in der Netzhaut blockiert wird, was zu einem plötzlichen Sehverlust führen kann. Darüber hinaus ist diese Methode bei der Diagnose und Überwachung von entzündlichen Erkrankungen des Auges, wie der Uveitis, unerlässlich, da sie detaillierte Informationen über die Gesundheit und Integrität der Blutgefässe liefert.

Durchführungsprozess der Fluoreszenzangiographie im Detail

Der Ablauf einer Fluoreszenzangiographie erfordert sorgfältige Planung und Koordination. Vor der Untersuchung werden die Pupillen des Patienten typischerweise mit Tropfen erweitert, um eine klare Sicht auf den Augenhintergrund zu ermöglichen. Der fluoreszierende Farbstoff Fluoreszein wird dann vorsichtig in eine Vene, meist im Arm des Patienten, injiziert. Nach der Injektion zirkuliert der Farbstoff durch das Blutsystem und erreicht die Augen, wo er durch eine spezielle Kamera, die mit einem blauen Licht beleuchtet wird, sichtbar gemacht wird. Die Kamera nimmt in rascher Folge Bilder auf, um die Bewegung des Farbstoffs durch die Blutgefässe des Auges zu verfolgen. Diese Aufnahmen bieten eine Momentaufnahme der Blutzirkulation und ermöglichen es, pathologische Zustände wie Leckagen, Blockaden oder die Bildung neuer Blutgefässe genau zu identifizieren. Die Untersuchung ist in der Regel schnell und schmerzfrei, kann aber für den Patienten aufgrund der Notwendigkeit, während der Bildaufnahme still zu sitzen, etwas unangenehm sein.

Auswertung der Ergebnisse und ihre klinische Relevanz

Die Auswertung der Fluoreszenzangiogramme erfordert umfassendes Fachwissen, da die Bilder detaillierte Informationen über den Zustand der Blutgefässe im Auge liefern. Abnormalitäten wie Leckagen aus den Gefässen, die auf den Bildern als helle, fluoreszierende Bereiche erscheinen, oder Bereiche, in denen keine Fluoreszenz zu sehen ist, was auf eine unzureichende Durchblutung hinweist, können genau lokalisiert werden. Diese detaillierten Informationen sind von unschätzbarer Bedeutung für die Diagnosestellung, ermöglichen eine genaue Beurteilung des Schweregrads der Erkrankung und unterstützen die Entwicklung einer zielgerichteten Behandlungsstrategie. Die Möglichkeit, die Durchblutung und die Integrität der Blutgefässe im Auge so detailliert zu beurteilen, ist besonders in der Ophthalmologie von grosser Bedeutung, da viele Augenerkrankungen direkt oder indirekt mit Veränderungen im Gefässsystem zusammenhängen.

Risiken und Nebenwirkungen im Überblick

Obwohl die Fluoreszenzangiographie eine grundlegende Untersuchung in der Ophthalmologie ist, ist sie nicht vollständig frei von Risiken oder Nebenwirkungen. Die meisten Patienten vertragen die Prozedur gut, aber einige können Nebenwirkungen wie leichte Übelkeit, Hautreaktionen oder in sehr seltenen Fällen eine allergische Reaktion auf den Farbstoff erleben. Eine vorübergehende gelbe Färbung der Haut und der Augen kann ebenfalls auftreten, da der Körper den Farbstoff verarbeitet und ausscheidet. Diese Nebenwirkungen sind in der Regel mild und vorübergehend, aber sie müssen im Kontext der kritischen Informationen, die durch diese Untersuchung gewonnen werden, und dem potenziellen Nutzen für den Patienten betrachtet werden.

Fazit

Die Fluoreszenzangiographie ist eine spezialisierte bildgebende Untersuchungsmethode in der Augenheilkunde, die dazu dient, die Durchblutung der Netzhaut und Aderhaut im Auge zu visualisieren. Bei diesem Verfahren wird ein fluoreszierender Farbstoff, in der Regel Fluoreszein, in die Blutbahn injiziert. Dieser Farbstoff zirkuliert durch die Augengefässe und emittiert bei Anregung durch Licht einer bestimmten Wellenlänge ein grünes Leuchten. Mithilfe einer speziellen Kamera werden dann Bilder der Blutgefässe aufgenommen, die es ermöglichen, den Blutfluss sowie etwaige Anomalien wie Gefässleckagen, Blockaden oder Neubildungen von Blutgefässen zu beurteilen. Die Fluoreszenzangiographie ist besonders wichtig für die Diagnose und Überwachung von Erkrankungen wie diabetischer Retinopathie, altersbedingter Makuladegeneration und Gefässverschlüssen. Trotz ihres grossen Nutzens kann das Verfahren bei einigen Patienten zu Nebenwirkungen wie Übelkeit oder Hautreaktionen führen, die jedoch meist mild und vorübergehend sind.

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