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Kann das Handy die Augen schädigen?: Eine kurze Bestandaufnahme

Dass sich lange Bildschirmarbeit nachteilig auf unser Sehvermögen auswirkt, kann sicherlich jeder User bestätigen. Doch wie erklärt sich dies genau? Handelt es sich dabei um kurzweilige oder irreversible Schäden? Sind Kinder besonders gefährdet? Wenn ja, warum? Gibt es wirkungsvolle Massnahmen der Prävention und Therapie?

Diese und weitere Fragen dienen als Leitfaden der in diesem Beitrag diskutierten Zusammenhänge zwischen Handy-Nutzung und Sehproblemen.

Vom schädigenden Einfluss des Smartphones auf die Augen: ein Einstieg

Dass das kontinuierliche Starren sowohl auf den Handy- als auch auf den Fernseher-Bildschirm langfristig nicht gut für die Sehkraft ist, dürfte selbst Laien bekannt sein. Schliesslich handelt es sich hier um eine unnatürliche Verhaltensweise, die andere Funktionen des Auges wie das Sehen in die Ferne verkümmern lässt. Auch die Flexibilität leidet unter der anhaltenden Unterforderung.

Beim Handy intensiviert sich die Problematik im Vergleich zum Computer noch, da es sich hier um eine weitaus geringere Bildfläche handelt.

Kurz: Das kontinuierliche Nahsehen strapaziert die Augen über Gebühr und kann langfristig ernste Schäden von Muskeln und Sehnerv verursachen.
Erste Anzeichen der sogenannten digitalen Augenkrankheit sind Juckreiz, Ermüdung, Flimmern, Rötungen und Schmerzen.

Im Diskurs: Zusammenhänge zwischen Handynutzung und Kurzsichtigkeit

Für Forscher und Experten der Augenheilkunde steht fest: Der rasante Anstieg der Kurzsichtigkeit ist nicht nur auf langes Lesen, sondern auch auf den intensiven Gebrauch von Smartphones zurückzuführen. Grund ist die anhaltende Naharbeit bzw. das Nahsehen, das das Auge zu einer ständigen Neufokussierung zwingt und letztendlich bewirkt, dass der Augapfel in die Länge wächst.

In der Praxis bedeutet dies, dass Betroffene zwar in unmittelbarer Nähe liegende Objekte scharf, weiter entfernte Gegenstände jedoch nur noch undeutlich und verschwommen sehen können.

Trockene Augen (Sicca-Syndrom): Handys und Tablets als potentielle Verursacher?

Das Sicca-Syndrom (trockene Augen) kann durch mehrere Faktoren ausgelöst werden. Unvorteilhafte Umwelteinflüsse wie Heizungsluft, Klimaanlage, Tabakrauch und Abgase sowie eine geringe Luftfeuchtigkeit sind nur einige davon. Eine ungesunde Ernährung sowie die unzureichende Aufnahme von Flüssigkeit wirken sich ebenfalls nachteilig aus.

Im Zeitalter der Technologie stellt die Beschäftigung über Stunden mit Smartphone oder Tablet ein weiteres grosses Risiko dar. Einer der Gründe ist die unzureichende Benetzung des Auges mit Tränenflüssigkeit. Schliesslich wird das hierfür erforderliche Blinzeln bei dem charakteristischen Starren auf eine limitierte Bildfläche auf ein Minimum reduziert.

Das Ergebnis sind brennende, juckende und gerötete Augen. Typisch ist auch das unangenehme Gefühl, ein Sandkorn oder einen Fremdkörper im Auge zu haben.

Inwieweit beeinträchtigt das Handy die Augen von Kindern?

Diese Frage ist ganz klar zu bejahen. Kinder zählen zu der besonderen Risikogruppe und eine im Grundschulalter einsetzende Kurzsichtigkeit (Myopie) kann die Weichen für eine kontinuierliche Progression bis ins hohe Erwachsenenalter legen. Je früher der Beginn, desto stärker das Ausmass: So lautet die wenig hoffnungsfrohe Prognose.

Die aktuellen Zahlen bestätigen, dass die Sehschwäche Kurzsichtigkeit bei Grundschulkindern einen ständigen Anstieg aufweist. Experten führen dies ganz klar auf die vermehrte Nutzung von Tablets und Smartphones zurück. Schliesslich fehlt es an der für gesunde Augen notwendigen Fernsicht sowie dem Tageslicht bei Aktivitäten im Freien.

Die drastische Zunahme von Augenleiden seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie ist ein weiterer Beleg dafür, dass ein Mangel an Tageslicht sowie das mehrstündige Spielen am Computer die Entstehung von Kurzsichtigkeit begünstigt.

Blaulicht als potentieller Gefahrenpol für die Augen

Dass sich das blaue Licht der Handy-Displays auf Dauer negativ auf das Sehvermögen auswirkt, ist nachvollziehbar. Neueste Studien spanischer Wissenschaftler an der Toledo Universität verweisen jedoch darauf, dass dieses nicht nur dauerhafte Schäden verursacht, sondern in schweren Fällen sogar bis zur Erblindung führen kann.

Dies ist darauf zurückzuführen, dass Hornhaut und Linse des Auges blaues Licht weder blockieren noch reflektieren können. Ebenfalls problematisch ist, dass blaues Licht im Vergleich zu anderen Lichtfarben bei einer gleichzeitig kürzeren Wellenlänge mehr Energie aufweist. Eine denkbare Folge ist die vorzeitige Alterung der Netzhaut.

Zu irreparablen Netzhautschäden kann es gemäss dieser Studien kommen, wenn das blaue Licht zu einer Abtötung der Fotorezeptorzellen führt.

Macht Bildung kurzsichtig?

Eine berechtigte Frage, denn laut Forschungsergebnissen scheint ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen einer hohen Ausbildung und schlechten Augen zu bestehen. Grund sind die damit zwangsläufig verbundenen Aktivitäten, allen voran das Lesen bei künstlichem Licht. Da dieses eine Grundvoraussetzung für einen erfolgreichen Abschluss ist, verwundert es wenig, dass bereits viele Grundschulkinder von Kurzsichtigkeit betroffen sind.

Die Gene spielen hier folglich eine vergleichsweise geringe Rolle, gleichwohl mehr Kinder, deren Eltern unter Myopie leiden, zu der Entwicklung einer ähnlichen Fehlsichtigkeit neigen.

Zu einer Ausbildung der Kurzsichtigkeit kommt es in der frühen Kindheit und Jugend, sprich im Alter zwischen fünf und zwanzig Jahren. Bei den beschriebenen Lebensbedingungen wie Schreibtischarbeit bei Dämmerlicht ist ein Fortschreiten der Myopie um jährlich rund 0, 3 Dioptrien vorprogrammiert.

Wird der Grenzwert von minus 6 Dioptrien nicht erreicht, so zählt die Kurzsichtigkeit noch zu einer als harmlos eingestuften Normabweichung. Liegt sie jedoch darüber, so drohen Betroffenen ernste sekundäre Augenkrankheiten wie Netzhautablösungen, Grauer und Grüner Star sowie Makulaveränderungen.

Noch ein Hinweis auf die Entstehung von Kurzsichtigkeit am Rande: Generell kann es in jeder Altersstufe zu einem Auftreten kommen. Im Falle einer Weiterbildung im späteren Lebensalter beispielsweise kann die notwendige Umstellung auf beschriebene, für die Augen unvorteilhafte Aktivitäten eine drastische Verschlechterung des Sehvermögens begünstigen.

Gewusst wie: effektiver Schutz der Augen bei Handybenutzung

Bleibt also zu guter Letzt die Frage, ob es wirkungsvolle Massnahmen gibt, die die hier beschriebenen negativen Auswirkungen des Smartphone-Gebrauches auf ein Minimum reduzieren.

Die gute Nachricht lautet, dass sich durch bewusste Änderungen in der Nutzung von Handy und Tablet tatsächlich deutliche Erfolge in der Prävention sowie dem Aufhalten einer fortschreitenden Myopie erzielen lassen.

Im Zentrum stehen dabei natürlich die beiden ausführlich angesprochenen Faktoren, sprich die Beleuchtung sowie die Leseentfernung.

Da Leseabstände, die unter 30 Zentimetern liegen, nachweislich zu einer Progression der Kurzsichtigkeit führen, ist beim digitalen Spielen oder Lesen auf eine entsprechend grössere Entfernung zu achten. Dies gilt für Kinder und Erwachsene gleichermassen.

Um einer frühkindlichen Myopie entgegenzuwirken, empfiehlt sich im Vorschul- und Grundschulalter ein möglichst langer Aufenthalt im Freien. Dieser bietet nicht nur den Vorteil optimaler Beleuchtungsbedingungen, sondern fördert auch die sogenannte Fernakkomodation, sprich die Einstellung des Auges auf die Ferne und eine damit einhergehende Entspannung der Linse.

Natürlich gilt die Regel, sich möglichst viel Tageslicht auszusetzen, auch für Erwachsene.

Ergänzende Ratschläge und Tipps

Generell lässt sich Kurzsichtigkeit gut mit Brille und Kontaktlinsen korrigieren. Wichtig ist die frühzeitige Konsultation eines Augenarztes bei auftretenden Sehstörungen, um eine weitere Verschlechterung zu verhindern.

Sind lange Stunden am Smartphone oder Computer unvermeidlich, so bietet die sogenannte 20-20-20 Regel eine gute Orientierungshilfe, um eine Überanstrengung der Augen zu vermeiden. Konkret besagt diese, dass Sie alle 20 Minuten Ihren Blick für 20 Sekunden vom Bildschirm auf ein Objekt schweifen lassen, das 20 Meter entfernt liegt.

Weitere hilfreiche Massnahmen zur Prävention negativer Auswirkungen der Smartphone-Nutzung sind:

  1. Blinzeln: Um eine ausreichende Verteilung der Tränenflüssigkeit zu verhindern, sollten Sie mehrmals eine Pause einlegen und bewusst eine Minute lang blinzeln.
  2. Augen schliessen: Intensivieren lässt sich diese Übung noch, wenn Sie Ihre Hände rund 10 Sekunden lang über die geschlossenen Augen legen.
  3. Regelmässiges Gähnen: Diese Massnahme sorgt für eine optimale Sauerstoffversorgung von Augen und Körper.
  4. Verlegen Sie Ihre Mittagspause ins Freie und verbringen Sie möglichst viel Zeit an der frischen Luft.

Haben Sie weitere Fragen oder wünschen Sie ergänzende Informationen zu dem hier behandelten Thema? Stellen Sie bei sich oder Ihrem Kind beim Blick in die Weite gehäuft Sehstörungen fest? Sind Buchstaben an der Tafel, Schilder und Autokennzeichen nur noch verschwommen wahrnehmbar?

Dann sind wir im Lux Augenzentrum der kompetente Ansprechpartner, der Ihnen mit fundiertem Rat und individuell angepassten Lösungsvorschlägen zur Seite steht.