Okuläre Hypertension

Startseite/Grüner Star - Glaukom/Okuläre Hypertension

Okuläre Hypertension

Kategorien: Grüner Star - GlaukomVeröffentlicht am: 26. Januar 2024Von 6,6 min LesezeitAktualisiert: 26. Januar 2024
Startseite>Grüner Star - Glaukom>Okuläre Hypertension

Fachärztin für Augenheilkunde

Mehr über mich und meine Karriere finden Sie auf meiner Profilseite

Teilen Sie diesen Artikel!

Fachärztin für Augenheilkunde

Mehr über mich und meine Karriere finden Sie auf meiner Profilseite

Teilen Sie diesen Artikel!

Inhaltsverzeichnis

okulaere hypertension

Einführung in die Okuläre Hypertension

Die okuläre Hypertension ist ein medizinischer Zustand, bei dem der intraokulare Druck (IOD) im Auge konstant über dem normalen Niveau liegt, ohne dass Anzeichen eines Glaukoms vorliegen. Diese Erkrankung ist von besonderer Bedeutung, da sie als potenzieller Risikofaktor für die Entwicklung von Glaukom gilt, einer schwerwiegenden Augenkrankheit, die zu dauerhaftem Sehverlust, also zu einer Erblindung, führen kann. Die Herausforderung bei der Krankheit besteht darin, dass sie in der Regel keine unmittelbaren Symptome verursacht und oft erst durch regelmässige augenärztliche Untersuchungen festgestellt wird.

Die Augenärzte beobachten die okuläre Hypertension in vielen Fällen zunächst, insbesondere wenn keine anderen Risikofaktoren für ein Glaukom vorliegen. Dazu gehören beispielsweise enge Verwandte mit Grünem Star, signifikante Kurzsichtigkeit oder eine dünnere Hornhaut.

Definition und Diagnose

Okuläre Hypertension bezeichnet einen Zustand, bei dem der erhöhte Druck im Auge konstant über 21 mmHg liegt. Der normale Augeninnendruck beträgt zwischen 10 und 21 mmHg (Millimeter Quecksilbersäule = Einheit des Drucks), und Werte darüber werden als erhöht eingestuft.

Die Diagnose erfolgt durch mehrere spezialisierte Tests:

  • Tonometrie: Messung des erhöhten Augeninnendrucks und ist der primäre Test zur Diagnose.
  • Ophthalmoskopie: Dabei wird der Zustand des Sehnervs untersucht, um Anzeichen einer Schädigung auszuschliessen.
  • Perimetrie: Ein Gesichtsfeldtest, der Veränderungen im Sehvermögen aufdecken kann.
  • Gonioskopie: Diese untersucht den Kammerwinkel im Auge, eine anatomischen Struktur zwischen der Hornhaut und der Iris, um die Abflusswege der Augenflüssigkeit zu beurteilen.
  • Augenspiegelung

Die Diagnose erfordert eine umfassende Beurteilung durch einen Augenarzt, da der erhöhte IOD allein nicht ausreicht, um eine Behandlung zu rechtfertigen, insbesondere wenn keine weiteren Risikoquellen oder Anzeichen einer Sehnervschädigung vorliegen.

Ursachen und Pathophysiologie

Die Ursachen der okulären Hypertension können vielfältig sein und sind oft nicht vollständig verstanden. Mögliche Faktoren umfassen:

  • Überproduktion von Kammerwasser im Ziliarkörper: Das ist die Flüssigkeit im Auge, die für den Erhalt des IOD verantwortlich ist. Eine zu hohe Kammerwasserproduktion kann zu dieser Erkrankung führen.
  • Verminderte Drainage des Kammerwassers: Dies kann durch Veränderungen im Kammerwinkel oder in den Abflusskanälen des Auges bedingt sein.
  • Genetische Faktoren: Bestimmte genetische Veranlagungen können das Risiko erhöhen.
  • Andere Grunderkrankungen: Systemische Erkrankungen wie Diabetes mellitus oder Bluthochdruck können ebenfalls eine Rolle spielen.

Risikofaktoren

Es gibt Faktoren, die das Risiko für okuläre Hypertension erhöhen, dazu gehören:

  • Alter: Vor allem Personen über 40 Jahre sind häufiger betroffen.
  • Ethnische Zugehörigkeit: Besonders Personen afrikanischer Abstammung haben ein erhöhtes Risiko.
  • Familiengeschichte: Eine Vorgeschichte von Grünem Star in der Familie erhöht das Risiko.
  • Medizinische Vorgeschichte: Vorherige Augenerkrankungen oder systemische Erkrankungen wie Diabetes.

Symptome und Anzeichen der Okulären Hypertension

Die okuläre Hypertension beginnt typischerweise asymptomatisch, versacht also keine direkten Symptome. Es gibt aber einige wichtige Aspekte die bei Patienten mit okulärer Hypertension zu berücksichtigen sind:

  • Keine Schmerzen: Anders als bei einigen anderen Augenerkrankungen, verursacht okuläre Hypertension in der Regel keine Schmerzen oder Unbehagen im oder um das Auge.
  • Keine sichtbaren Sehveränderungen oder Sehstörungen: In den Anfangsstadien gibt es meist keine erkennbaren Veränderungen in der Sehschärfe oder im Gesichtsfeld.
  • Mögliche späte Symptome bei Fortschreiten zu Glaukom: Sollte sich aus der okulären Hypertension ein Glaukom entwickeln, können Symptome wie peripherer Verlust des Sehvermögens auftreten. Diese sind jedoch mehr mit Grünen Star als mit der Erkrankung selbst verbunden.
  • Unbemerkte Schäden: Ein langanhaltend erhöhter Augeninnendruck kann den Sehnerv schädigen, ohne dass dies sofort bemerkt wird.
  • Ein weiteres Merkmal der okulären Hypertension ist, dass noch keine Schäden am Sehnerv oder Gesichtsfeldausfälle nachweisbar sind. Langfristig kann jedoch der erhöhte Augendruck den Sehnerv beeinträchtigen, und solche Schäden lassen sich nicht wieder rückgängig machen.

Da die okuläre Hypertension keine unmittelbaren Warnzeichen bietet, ist eine regelmässige Überwachung durch Augenuntersuchungen entscheidend, insbesondere für Personen mit erhöhtem Risiko. So kann der Zustand frühzeitig erkannt und behandelt werden, um mögliche Komplikationen zu verhindern.

Krankheitsverlauf

Der Verlauf der okulären Hypertension kann variieren. In einigen Fällen bleibt der Zustand stabil und verursacht keine weiteren Probleme, während in anderen Fällen der anhaltend hohe IOD zu Schäden am Sehnerv führen kann. Dies ist besonders besorgniserregend, da es das Risiko für die Glaukom-Entwicklung erhöht. Nicht jeder mit okulärer Hypertension entwickelt Glaukom, aber das Risiko ist deutlich erhöht, insbesondere wenn andere Risikoquellen wie eine Familiengeschichte von Glaukom oder ethnische Zugehörigkeit vorhanden sind.

Differentialdiagnostik

Die Differentialdiagnose der Erkrankung umfasst die Unterscheidung von anderen Augenerkrankungen und Zuständen, die ähnliche Symptome aufweisen oder den intraokularen Druck (IOD) beeinflussen können. Einige der wichtigen Differentialdiagnosen sind:

Primäres Offenwinkelglaukom (POWG)

  • POWG ist die häufigste Form des Glaukoms und ähnelt der Erkrankung insofern, als der IOD erhöht ist.
  • Der Unterschied liegt jedoch in der Schädigung des Sehnervs und dem Verlust des Gesichtsfeldes, die bei POWG auftreten, aber bei reiner okulärer Hypertension zunächst fehlen.

Engwinkelglaukom

  • Diese Form des Glaukoms ist durch einen plötzlichen, deutlichen Anstieg des IOD gekennzeichnet, der oft schmerzhaft ist und mit Sehveränderungen und anderen Symptomen einhergeht.
  • Im Gegensatz zur okulären Hypertension, die in der Regel schmerzfrei und asymptomatisch ist, verursacht das Engwinkelglaukom akute Symptome.

Sekundäres Glaukom

  • Hierbei handelt es sich um Glaukom, das als Folge anderer Augenerkrankungen, Verletzungen oder Systemerkrankungen auftritt.
  • Der erhöhte IOD ist dabei ein Symptom der zugrundeliegenden Ursache und nicht eine eigenständige Erkrankung wie bei der okulären Hypertension.

Steroid-induzierte Glaukom

  • Die langfristige Anwendung von Steroiden, besonders in Form von Augentropfen, kann zu einem erhöhten IOD führen.
  • Die Differentialdiagnose besteht darin, den Medikamentengebrauch als Ursache für den erhöhten Druck auszuschliessen.

Okuläre Hypotonie

  • Bei diesem Zustand liegt der IOD ungewöhnlich niedrig.
  • Die Differentialdiagnose ist wichtig, da die Behandlungen für okuläre Hypertension und Hypotonie grundverschieden sind.

Uveitis

  • Eine Entzündung im Auge kann ebenfalls den IOD beeinflussen.
  • Eine Differentialdiagnose ist erforderlich, um entzündliche Ursachen des erhöhten IODs auszuschliessen.

Kongenitales Glaukom

  • Diese seltene Form des Glaukoms (kongenitales Glaukom) tritt bei Neugeborenen und Kleinkindern auf und ist durch eine Entwicklungsanomalie im Auge bedingt.
  • Obwohl es sich von der okulären Hypertension unterscheidet, die typischerweise ältere Erwachsene betrifft, sollte es bei erhöhtem IOD bei Kindern in Betracht gezogen werden.

Die genaue Unterscheidung dieser Zustände von der okulären Hypertension erfordert eine sorgfältige augenärztliche Untersuchung und Bewertung, um die richtige Diagnose zu stellen und eine angemessene Behandlung einzuleiten.

Behandlungsstrategie

Die Therapie der okulären Hypertension durch den Spezialisten zielt darauf ab, den IOD zu reduzieren und das Risiko einer Sehnervschädigung zu minimieren. Dies kann durch verschiedene Methoden erreicht werden:

  • Medikamentöse Therapie: In der Regel werden augendrucksenkende Medikamente in Form von Augentropfen verschrieben.
  • Laserbehandlung: In bestimmten Fällen kann eine Lasertherapie angewendet werden, um den Abfluss des Kammerwassers zu verbessern.
  • Chirurgische Eingriffe: Diese werden in der Regel nur in fortgeschrittenen oder schweren Fällen in Betracht gezogen.

Die Entscheidung für eine spezifische Behandlung basiert auf einer individuellen Risikobewertung und der Reaktion des Patienten auf anfängliche Behandlungsversuche.

Prävention und Langzeitmanagement

Die Prävention und das Management der okulären Hypertension beinhalten:

  • Regelmässige Augenuntersuchungen: Besonders wichtig für Personen mit erhöhtem Risiko.
  • Gesunder Lebensstil: Dazu gehören Ernährung und regelmässige Bewegung.
  • Überwachung und Management von Begleiterkrankungen: Wie Diabetes oder Bluthochdruck.

Okuläre Hypertension: Zusammenfassung

Okuläre Hypertension bedeutet ein Zustand, der eine sorgfältige Überwachung und möglicherweise eine Behandlung erfordert, um das Risiko für die Entwicklung eines Glaukoms (Grüner Star) zu minimieren. Die Bedeutung einer regelmässigen Augenuntersuchung kann nicht genug betont werden, insbesondere für Personen mit Risikoquellen für diese Erkrankung. Durch eine Früherkennung und Behandlung können potenzielle Sehverluste durch die Augenärzte vermieden oder minimiert werden.

Nach oben